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Hauptschule Bernburger Straße setzt auf frühe Berufsorientierung

Schulserie : Wie man Schüler früh aufs Berufsleben vorbereitet

350 Schüler aus 75 Nationen lernen an der Hauptschule Bernburger Straße. Groß geschrieben wird hier die Berufsorientierung, die ab der siebten Klasse beginnt.

Dalman (13) und Joudi (13) sitzen konzentriert vor ihren Deutschaufgaben. Besonders schwierig finden die Schülerinnen den Lernstoff nicht, dennoch gilt es, sich zu konzentrieren und sorgsam die Lektionen durchzugehen. Schließlich sieht ihr persönlicher Arbeitsplan, den sie jeden Morgen eigenständig festlegen, noch einige Übungen vor. Und diese wollen die Freundinnen in ihrer selbst einteilbaren Lernzeit auch heute noch schaffen. Wer lernt und sich anstrengt, der kann später seine Träume verwirklichen, dessen sind sich die Beiden bewusst.

Dalman und Joudi sind Schülerinnen der Gemeinschaftshauptschule Bernburger Straße und besuchen eine der drei internationalen Klassen. 350 Schüler aus 75 Nationen lernen an der Gemeinschaftshauptschule, die sich im Stadtteil Eller befindet.

Die Schülerinnen Dalman und Joudi arbeiten konzentriert an ihren Aufgaben. Foto: Michaelis, Judith (JM)

Allein sieben verschiedene Nationen finden sich bereits in Dalmans Klasse. Dabei sind die Leistungen und Lernziele der Kinder vor allem in den internationalen Klassen durchaus unterschiedlich. Eine Spannbreite, die nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer herausfordernd ist, aber von beiden Seiten gut gemeistert wird. „Die Kinder kommen beispielsweise aus dem Irak und Syrien. Vier Schüler üben gerade das Alphabet und haben noch nie eine Schule besucht. Sie lernen beispielsweise auch gemeinsam mit Thu Ha aus Vietnam, die ihr A1-Sprachzertifikat macht“, erklärt Lehrerin Anja Segovia die Situation. Sie bietet in der Lernzeit bei Bedarf Hilfestellung, überlässt ihren Schülern aber die Auswahl der Aufgaben und respektiert das individuelle Tempo.

Deutlich spürbar dabei: Jedes Kind ist, wie Dalman und Joudi, sehr aufmerksam bei der Sache, unterstützt, wenn Fragen auftauchen, aber auch immer den Klassenkameraden. Lärm im Klassenraum? Den gibt es sogar bei der Lernzeit nicht. Damit ist die internationale Klasse kein Einzelfall.

Veronika Loose ist die Schulleiterin der Hauptschule. Foto: Michaelis, Judith (JM)

Auch zwei Stockwerke höher herrscht emsige Stille. Die inklusive Klasse 6B von Anja Borbe arbeitet an verschiedenen Projekten. Doch auch hier geht es ruhig und sehr gesittet zu.

Das Logo der Schulserie. Foto: WZ

Ana (12), Nila (13) und Elvin (13) vollenden gerade ihre Lapbooks, die sie zu dem Buch „Die Geheimnisse von Green Lake“ erstellt haben. Lapbooks, das sind kleine Mappen, die sich mehrfach aufklappen lassen und die mit Faltkärtchen, Pop-Ups, Stickern, Bildern verschönert wurden. Einige Unterrichtsstunden haben die Kinder an ihren Werken gearbeitet. Die Ergebnisse: So individuell wie sie selbst.

„So sind unsere Schüler. Jeder von ihnen ist seinem eigenen Tempo und dabei sehr engagiert. Sie bringen großen Ehrgeiz mit“, lobt Schulleiterin Veronika Loose. Seit einem Jahr ist sie Direktorin an der Schule, die sich in einem denkmalgeschützten Gebäude befindet und von 8.15 bis 15 Uhr für den gebundenen Ganztag geöffnet ist.

Als Ende der 60er Jahre in Nordrhein-Westfalen die ersten Hauptschulen entstanden, war sie eine der ersten: Am 21. Juni feiert die Schule Bernburger Straße ihren 50. Geburtstag. An den ursprünglichen Werten und Zielen, wie Toleranz und Zivilcourage zu leben, hat sich bis heute nichts geändert. Mit der Zeit gegangen sind jedoch die Projekte, Kooperationen und die Berufsorientierung, die sich also gewandelt haben. Sie findet mittlerweile schon ab der siebten Klasse statt. Die Schüler lernen in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Treff Jägerstraße Ausbildungsberufe kennen und erfahren beim Knigge-Kurs an der Handwerkskammer, wie sie sich korrekt in der Berufswelt verhalten.

Was sie an ihrer Schule schätzt? „Ich kann über alle Hauptschulen sehr positiv sprechen, aber ich kann sagen, dass unsere Schüler ein großes Herz haben und ihre Schule sehr schätzen“, lobt Loose, die jeden Schüler mit Namen kennt und anspricht. Immer mit in ihrem Zimmer und auch mal im Englisch-Unterricht mit dabei ist ihr 13-jähriger Hund Lenny. Und wenn Frauchen mal nicht da ist, wartet er auch gerne treu im Schulflur. Sehr zur Freude des 45-köpfigen Kollegiums und der Schüler.