Händler kämpfen um den Düsseldorfer Großmarkt

Händler kämpfen um den Düsseldorfer Großmarkt

80 Unternehmen fürchten, dass sie nach dem Umbau des Geländes die neuen Mieten nicht mehr bezahlen können. Aus den Verhandlungen wird nun ein Streit mit der zuständigen Stadttochter. Die zeigt sich verwundert.

Düsseldorf. Die Händlergemeinschaft am Großmarkt sieht 80 Familienbetriebe mit rund 1000 Mitarbeitern in Gefahr. Das gab die Gruppe am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt. Die Verhandlungen über die Zukunft des Marktes an der Ulmenstraße kämen nicht voran, „existenzgefährdende Unwägbarkeiten“ seien noch nicht aus dem Weg geräumt. Ekkehard Vinçon, Technischer Vorstand der zuständigen Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR), zeigte sich verwundert über die Kritik. Man habe noch am Mittwoch zusammengesessen und über Hallengrößen gesprochen. „An den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert.“

Foto: Sergej Lepke

Lange schien der Wandel an der Ulmenstraße friedlich zu verlaufen. 2019 soll das Großmarktgelände umgebaut werden. Neben neuen Hallen für die Händler sind dort auch ein neues Hallenbad sowie ein Kaufpark mit Super- und Baumarkt in der Diskussion. Die Stadt löst den Großmarkt in seiner bisherigen Form zum 31. Dezember auf, dann übernimmt die IDR. Der Markt als solcher bleibt bestehen, aber eben in Regie der Händler, so wie die sich das seit Jahren wünschen. Die Händler werden Generalmieter der Hallen. Aktuell stimmen die politischen Gremien über die damit verbundenen Schritte ab, vor diesem Hintergrund erschien nun die Pressemitteilung der Händler.

Kritik und Sorgen der Händler beziehen sich im Wesentlichen auf drei Punkte:

1. Sie sehen die Mietpreis-Vorstellungen der IDR als „völlig überzogen“ an und bemängeln, dass die Stadttochter ihre Kalkulation für den Neubau nicht offenlegen will.

2. Sie fürchten, dass sie die Kosten einer Bodensanierung mittragen müssen. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hatte das Gelände bis 1935 genutzt, deshalb stehen umfassende Arbeiten an, bevor die neuen Gebäude errichtet werden.

3. Sie wissen nicht, ob und wie sie für die Verluste entschädigt werden, die sich aus dem Umbruch ergeben, weil sie zum Beispiel als Nutzer in einer Halle investiert haben.

4. Sie kennen die Pläne für die Provisorien während des Umbaus nicht und wissen daher nicht, welcher Händler wann wie betroffen sein wird.

IDR-Vorstand Vinçon kann in einem Punkt beruhigen und stellt den anderen die Position seines Unternehmens gegenüber:

1. Die kritisierten Mietpreisvorstellungen sind laut IDR seit langem bekannt. Die Summe ergebe sich aus dem Quadratmeterpreis, den die IDR an die Stadt zahlen muss (268 Euro) sowie den Investitionen für die Mieter der künftigen Einheiten in den Hallen. „Die Infrastruktur wird auf die Nutzer zugeschnitten, das hat eben auch seinen Preis.“

2. Mit Blick auf die Bodensanierung beruhigt Vinçon die Händler. Die IDR übernehme das Gelände unsaniert und kümmere sich dann um den Boden. Das werde mit dem Kaufpreis verrechnet und komme deshalb nicht auf die Händler zu.

3. Bei der Entschädigung verweist die IDR auf die Stadt. Diese habe zugesagt, sich bei nachvollziehbaren Verlusten zu kümmern.

4. Bei den Provisorien hat auch die IDR noch offene Fragen. Sie weiß bisher, dass in drei Abschnitten nach einander umgebaut wird. Da sie die Zusammensetzung der Händlergenossenschaft und deren Größe noch nicht kennt, weiß sie noch nicht, wer wann umziehen oder mit einem Provisorium agieren muss.