Habbu Babbu: Diese Ausstellung in Düsseldorf bleibt kleben

Kunst : Habbu Babbu: Diese Ausstellung bleibt kleben

Künstler Wilfried H.G. Neuse reist um die Welt und fotografiert Kaugummiflecken. Mit seiner Kunst will er Menschen sensibilisieren – und unterhalten.

Wer die Bilder im Kulturzentrum Park-Kultur betrachtet hat und die Galerie an der Oststraße verlässt, sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. Denn die kleinen dunklen Flecken, die sich auf jedem Quadratmeter Bürgersteig verteilen, sind plötzlich nicht mehr nur Flecken. Tatsächlich sind das die Reste von Kaugummis, die einfach auf dem Boden entsorgt wurden und nie wieder ganz verschwinden. Die neue Sicht auf die klebrige Hinterlassenschaft ermöglicht der Düsseldorfer Künstler Wilfried H.G. Neuse. Bei seinen Reisen rund um die Welt fiel ihm auf, dass alle Städte eins gemeinsam haben: die dunklen Kaugummi-Flecken. Das Motiv fasziniert den Düsseldorfer Fotografen seitdem. Die Ergebnisse stellt er ab Freitag unter dem Titel „Hubba Bubba – sweet beautiful parasites. Kleine Gemeinheiten zum Kaugummisyndrom“ in der Park-Kultur aus.

„Zuerst habe ich immer nur die Kaugummi-Flecken selbst fotografiert. Aber das wirkte sehr trist“, erklärt Neuse. Inzwischen setzt er die Motive in einen künstlerischen Kontext, mal mit einer Taube, mal mit einer Frau, die in Sandalen mit bunten Bömmeln durch den Flecken-Teppich spaziert. Dazu nutzt er Möglichkeiten, um die Kaugummi-Reste besser sichtbar zu machen: „Wenn es geregnet hat, kann man sie deutlich besser sehen.“ Flecken, die sonst schwarz sind, werden dann deutlich heller: „Sie reflektieren den Himmel.“ Außerdem nutzt er verschiedene Techniken, kombiniert Kollagen aus Positiven und Negativen zu kunstvollen Kompositionen, die alle eins gemeinsam haben: die vielen Flecken, die Neuse teilweise noch nachbearbeitet hat.

Viele der Fotos sind in Düsseldorf entstanden, an der Königsallee, an der Schadow- oder an der Bismarckstraße. Neuse zeigt auf ein Bild, das er in Danzig aufgenommen hat: „Das hätte ebenso in Düsseldorf entstehen können. Es ist überall das gleiche Problem. Sogar im Uhrenturm der St-Marienkirche in Danzig. Je höher man kommt, desto mehr Kaugummiflecken sind auf dem Boden.“ Auch aus Israel, Spanien oder Italien hat er ähnliche Motive mitgebracht. Wie gesagt: Wem sich die dunklen Flecken einmal eingeprägt haben, der entdeckt sie plötzlich überall.

Marina Spillner (v.li.), Naemi Reymann  und Wilfried H.G. Neuse machen den Kaugummi-Test. Foto: Dieter Sieckmeyer

Zur Ausstellung gibt es ein
eigenes Kunst-Kaugummi

Dabei ist Neuse keiner, der den Zeigefinger hebt. Er will Menschen für das Problem sensibilisieren und gleichzeitig unterhalten. Darum gibt es parallel zur Ausstellung jede Menge Gimmicks. Sogar ein eigenes Habbu-Babbu-Kunst-Kaugummi  mit dem Hinweis: „Nach Gebrauch nicht auf die Straße spucken.“

Typisch Düsselorf: „Schöne Beine“ hat der Künstler diese Aufnahme getauft. Foto: WHG Neuse

Das kann man an Ort und Stelle vorbildlich entsorgen. Denn vor Park-Kultur steht der erste „Gum-Wall-Automat“. Die Emojis an der Wand freuen sich lächelnd darauf, mit Kaugummi-Resten geklebt zu werden. Neuse: „Die werden dann nachher zusammen mit Zigarettenkippen  wiederverwertet. Die Firma Gum Wall macht daraus Aschenbecher für unterwegs.“ Außerdem gibt es eine aufwendige Fotodokumentation der Werke in dem Buch „Habbu Babbu. Alles Kaugummi, oder was?“, die für 20 Euro mitgenommen werden darf. Ironische und sehr originelle Texte steuert der Düsseldorfer Autor Thomas Schubert bei.

Tatsächlich geht es aber nicht nur um die kurzweilige Betrachtung eines weltweiten Problems. Darum wird die Ausstellung auch von der Bezirksvertretung 1, der Awista und der Rheinbahn unterstützt. „Wir möchten auf das Problem hinweisen und die Menschen zu anderem Verhalten animieren“, so Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner. Anders sei das auch nicht zu lösen: „Sonst müssten wir ja eine ganze Armee von Ordnungskräften einstellen.“ Dabei ist die Beseitigung der Kaugummis teuer. Naemi Reymann von der Awista schätzt, dass die Reinigung pro Kaugummi rund drei Euro kostet.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 20. September, um 19 Uhr im Kulturzentrum „Park-Kultur“, Oststraße 118. Dazu gibt es Musik mit dem Saxofonisten Norbert Hambloch und dem Percussionisten Boris Becker sowie eine Lesung von Thomas Schubert. Der Eintritt ist frei.

„Why not now?“ heißt das Motiv, dass an der Schadowstraße entstanden ist. Foto: WHG Neuse
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