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Grundwasserverunreinigung: Langer Kampf gegen die PFT-Fahnen

Grundwasserverunreinigung: Langer Kampf gegen die PFT-Fahnen

Für die Grundwasserverunreinigung in Kaiserswerth und Lohausen werden nun weitere Sanierungsbrunnen aufgestellt.

Düsseldorf. Grundwasserschäden sind Langzeitschäden. Bereits 2007 wurden bei der routinemäßigen Grundwasserüberwachung in Kaiserswerth und Lohausen Belastungen mit perfluorierten Tensiden (PFT) festgestellt. Die Eintragsstellen für die Stoffe, die als krebserregend gelten, wurden später bekanntlich auf dem Flughafen-Gelände gefunden. Da PFT ein synthetisch hergestellter Stoff ist, der sich nicht biologisch abbauen lässt, muss das Grundwasser aufwendig mit teuren Anlagen saniert und damit gereinigt werden. Das Umweltamt beantwortet die Fragen der WZ zum Stand der Sanierung:

Grundwasserverunreinigung: Langer Kampf gegen die PFT-Fahnen
Foto: Lepke

Im Vergleich zwischen den Ergebnissen der Fahnenaufnahmen 2015 und 2016 hat sich laut Umweltamt die flächige Ausdehnung der Verunreinigung nicht wesentlich verändert. Dies sei nachvollziehbar, da die drei Anlagen zur hydraulischen Abschirmung der Eintragsstellen erst seit kurzem in Betrieb seien.

Für die Grundwassersanierung hat die Flughafen Düsseldorf GmbH die erste großtechnische Anlage im November 2015 (Eintragsstelle „Feuerlöschübungsbecken“) in Betrieb genommen. Seit Mai und Juni 2016 sind auch an den beiden anderen Eintragsstellen „Feuerwache Nord des Flughafens“ und „Südbahn“ die Anlagen in Betrieb. Dies laut Stadt erfolgreich, da die PFT-Grenzwerte für die Einleitung des gereinigten Grundwassers in den Kittelbach deutlich unterschritten würden.

Hat sich die Fahne verkleinert? Durch die Förderung im unmittelbaren Abstrom der Haupteintragsstellen wird verhindert, dass weiterhin mit PFT verunreinigtes Grundwasser vom Flughafengelände abströmt. Diese hydraulische Abschirmung der Eintragsstellen ist für das Umweltamt ein wichtiger Meilenstein der Sanierung der Gesamtverunreinigung. Eine deutliche Verringerung der Fahnen, die sich vom Flughafengelände bis zum Rhein erstrecken, sei jedoch erst nach längerer Sanierung zu erwarten. Zurzeit werden aus den rund 250 Grundwassermessstellen und den Kaiserswerther Seen Proben für die Fahnenaufnahme 2017 gewonnen.

Eintragsstellen außerhalb des Flughafengeländes sind bislang trotz umfangreicher Untersuchungen nicht bekannt. Auf dem Gelände selbst laufen weitere Erkundungen. Parallel findet die Bodensanierung der Eintragsstellen auf dem Flughafengelände statt.

Derzeit liegen laut Stadt bundesweit nur wenige Erfahrungen zur Sanierung von PFT-Verunreinigungen vor. Es sei davon auszugehen, dass die Sanierung großflächiger Grundwasserverunreinigungen viele Jahre lang dauern wird.

Im nächsten Schritt werden zur Fassung der bereits vom Flughafengelände abgeströmten Schadstoffe weitere Sanierungsmaßnahmen in den drei Verunreinigungsfahnen durch die Flughafen Düsseldorf GmbH vorbereitet. Zunächst wird im südlichen Fahnenast an der Niederrheinstraße in Lohausen ein weiterer Sanierungsbrunnen in Betrieb genommen. Das verunreinigte Grundwasser soll über eine Rohrleitung der bereits in Betrieb befindlichen Sanierungsanlage auf dem Flughafengelände zugeleitet werden.

Ebenfalls werden im Bereich des Lambertussees weitere Sanierungsbrunnen an die bestehende Anlage auf dem Flughafengelände angebunden. Derzeit werden die Genehmigungen zur Verlegung der Rohrleitungen unter der B8n eingeholt. Durch eine hydraulische Maßnahme in diesem Bereich kann sowohl verhindert werden, dass verunreinigtes Grundwasser weiter Richtung Kaiserswerth abströmt als auch in den grundwassergespeisten Lambertussee gelangt.

Für weitere Sanierungsmaßnahmen im Bereich Kalkum ist die Errichtung einer weiteren Anlage in Planung. Gegebenenfalls sind anschließend weitere Maßnahmen in den Verunreinigungsfahnen erforderlich, um die bestehende Nutzungseinschränkung des Grundwassers und der Kaiserswerther Seen entbehrlich zu machen.

Alle Sanierungsmaßnahmen werden laut Stadt vom Flughafen durchgeführt. Dieser trägt auch sämtliche Kosten. So wurden in den Bau der drei bestehenden großen Sanierungsanlagen bereits rund zwei Millionen Euro investiert.

In den betroffenen Verunreinigungsbereichen in Lohausen/Kaiserswerth wurde die Grundwassernutzung aus Gartenbrunnen durch eine Allgemeinverfügung untersagt. Diese gilt zunächst bis zum Jahr 2027.

In den bisher durchgeführten Obst- und Gemüseproben konnten keine PFT nachgewiesen werden. Aus diesem Grund sind keine regelmäßigen Untersuchungen von Boden, Obst und Gemüse notwendig.

Im Rahmen der Fahnenaufnahmen werden auch die Kaiserswerther Seen regelmäßig beprobt. Die im Oktober 2016 gemessenen PFT-Konzentrationen liegen in der gleichen Größenordnung wie in den Vorjahren. Die höchste Belastung wurde wiederum im Lambertussee gemessen. Das Gesundheitsamt empfiehlt, auf den Verzehr von Fischen aus den Kaiserswerther Seen zu verzichten. Unabhängig von der PFT-Belastung gilt für die Baggerseen ein Schwimmverbot.