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Großstädter wollen Haustiere in der Manage sehen

Großstädter wollen Haustiere in der Manage sehen

Ab Mittwoch gastiert der Zirkus „Renz Manege“ am Mörsenbroicher Ei. Der Chef setzt auf Komik und eine gelungene Mischung.

Düsseldorf. Kalimero hat seinen ersten großen Auftritt noch vor sich. Der französische Riesenesel befindet sich noch in der Ausbildung, soll jedoch eines Tages die Hauptfigur in einer komischen Nummer bei Henry Renz werden.

Renz leitet in vierter Generation den Zirkus "Renz Manege". Eine seiner Hauptattraktionen sind amüsante Geplänkel mit Esel, Ziege, Pony und Hund, bei denen vor allem die Menschen dumm aussehen.

Schon vor einigen Jahren hat er seinen Tierbestand von exotisch auf alltäglich umgestellt und lässt ausschließlich Haustiere auftreten. Die Debatten um eine artgerechte Haltung von etwa Elefanten und Krokodilen haben das Publikum sensibilisiert, und darauf hat Renz reagiert.

Eine strategische Entscheidung, denn der 50-Jährige hat festgestellt, dass vor allem bei politisch korrekten Großstädtern die Haustiernummern besser ankommen als ein Dompteur, der Löwen bändigt.

Ab Mittwoch gastiert Renz an der Mercedesstraße. Er lässt Ziegenböcke auf Eselsrücken voltigieren, Akrobaten in elf Metern Höhe umherwirbeln, Artisten in einem Affenzahn ihre Kleidung wechseln und Break-Dance-Jongleure Geschicklichkeitsübungen vollführen.

Hört sich an wie jedes x-beliebige Zirkusprogramm, doch Renz ist davon überzeugt, dass er eine überzeugende Mischung zustande bringt. Wohl deswegen, sagt er jedenfalls, gehe es ihm trotz der Krisenzeit ganz gut, im Winter jedoch besser als im Sommer.

"Wenn die Sonne scheint, gehen die Menschen nicht in den Zirkus, sondern verbringen ihre Freizeit draußen. Unsere stärksten Monate sind die von November bis April. Mit dem Gewinn, den wir dann machen, finanzieren wir den Sommer", sagt Renz, der schon lange nicht mehr ins Winter-, sondern ins Sommerlager geht, das heißt von Juni bis August im hessischen Friedberg pausiert, wo sein Familie lebt.

Zu seiner Mannschaft gehören 62 Frauen und Männer sowie 34 Tiere. Von den Artisten bleiben die meisten ein bis zwei Jahre, allesamt Individualisten, die gern für sich sind. "Wir sind keine große Familie, die jeden Abend gemeinsam isst."

Es gibt keine Gardinchen mit Spitzenbordüre an den Wohnwagenfenstern, und Renz hängt auch nicht selbst Plakate auf wie noch sein Ur-Ur-Ur-Urgroßonkel und Zirkusgründer Ernst Jakob, der damals in Berlin mit Ernst Litfaß die Werbung selbst übernahm.

Nostalgiker kommen also allenfalls beim Programm auf ihre Kosten, das dem klassischen Zirkus nach wie vor die Treue hält. Dafür sorgt wiederum eine GmbH, der nicht der Zirkusdirektor vorsteht, sondern der Geschäftsführer Henry Renz.