Gratis-Lastenrädern sind in Düsseldorf gefragt

Fahrrad : Gratis-Lastenräder sind in Düssldorf gefragt

In Düsseldorf lassen sich kostenlos Lastenräder ausleihen. Die Initiatoren wollen so mehr Aufmerksamkeit für die Alternative zum Auto schaffen.

 Sie heißen Minna, Bertha, Konrad, Ulla und Esther und sie tragen Kinder, Wasserkästen, Umzugskisten und manchmal sogar Bräute. Seit 2015 kann man in Düsseldorf kostenlos Lastenräder mieten - zum Ausprobieren und Kennenlernen. Mittlerweile gibt es schon fünf solcher Räder. Und die sind gefragt.

Angestoßen hat das die „Schicke Mütze“, der Fahrradladen mit Café und Schrauberei in Friedrichstadt. „Wir wollten immer ein Ort sein, an dem Fahrradfahren kultiviert wird“, sagt Mitinhaberin Kerstin Kortekamp. Einer, an dem Fahrradkultur gelebt und gepflegt wird. Im Sommer 2014 - kurz nachdem Kerstin Kortekamp, Konrad Glaeser und Carsten Wien den Laden eröffnet haben - kam die Kölner Band Muskat zum Konzert in ihren Hinterhof - mit Lastenrad Kasimir.

Kasimir war das erste freie Lastenrad Deutschlands - man kann es in Köln mieten. Warum dann nicht auch in Düsseldorf? „Wir fanden die Idee gut, hatten aber selbst nicht das Kapital, um ein Rad anzuschaffen und kostenlos zu vermieten“, sagt Kerstin Kortekamp. So kamen weitere Mitstreiter dazu. Erst die Verkehrswacht, dann der ADFC und schließlich noch die Radstation am Hauptbahnhof und der Buchladen „Buch in Bilk“ an der Bilker Kirche.

Fünf Lastenräder gibt es also mittlerweile an vier Standorten. Wer eines buchen möchte, muss sich auf der Webseite der Initiative anmelden und kann im Buchungskalender nachsehen, welche Termine noch frei sind. Komplett ausgebucht sind die Räder in der Regel nicht - besonders aber in den wärmeren Monaten muss man schnell sein. Bis zu drei Tage in Folge kann man das Rad für sich reservieren.

Mit der Buchung erhält man dann ein Codewort, das man zusammen mit dem Personalausweis zum Abholen des Rades dabei haben muss. Wer noch nie ein Lastenfahrrad gefahren ist, bekommt ein paar Hinweise mit auf den Weg. Grundsätzlich ist kein Vorwissen notwendig.

„Es geht ja gerade darum, dass man so mal ausprobieren kann, ob einem das Lastenrad liegt“, sagt Kerstin Kortekamp. Natürlich tun sich Menschen, die fahrradaffin sind, in der Regel leichter. Doch auch für sie kann die erste Runde gewöhnungsbedürftig sein. Denn die Lastenräder haben meistens eine andere Fahrdynamik, als normale Fahrräder, weiß Kortekamp. Doch daran gewöhnen sich die meisten schnell. „Das geht dann auch besser, wenn man statt nur zehn Minuten auch mal länger ausprobieren kann.“

So könne es sein, dass sich so mancher selbst überlege, so ein Lastenrad anzuschaffen und vielleicht öfter mal auf das Auto zu verzichten - vielleicht sogar ganz. Grundsätzlich geht es den Initiatoren aber auch darum, Lastenräder im Stadtverkehr sichtbarer zu machen - gerade, wenn man etwas an den Problemen mit zu viel Autoverkehr ändern möchte. „Da sind Lastenräder ein wichtiges Puzzleteil“, sagt Kerstin Kortekamp. Denn es gehe ja nicht immer nur darum, selbst von A nach B zu kommen - oft müsse man auch Dinge transportieren.

So fahren die fünf Probier-Räder Einkäufe, Umzüge, Kinder, Weihnachtsbäume und Pakete durch die Stadt. Immer wieder seien sie bei Hochzeiten im Einsatz. Wichtig sei natürlich, dass die Nutzer pfleglich mit den geliehenen Rädern umgehen. Immer wieder gehe auch mal etwas kaputt – ob normaler Verschleiß oder ein kleiner Zusammenstoß. Deshalb freuen sich die Anbieter, wenn man das Fahrrad gewaschen zurückbringt oder mal ein paar Münzen in die Spendenbox wirft. Denn die Reparatur und Wartung bezahlen sie selbst.

„Wir wollten damit einen Anstoß geben, dass sich auch Lastenräder mehr etablieren“, sagt Kerstin Kortekamp. Die einen denken vielleicht über einen Kauf nach, die, die es seltener brauchen, lassen den Wagen doch hin und wieder mal stehen. Auch Düsseldorfer Initiativen, wie Foodsharing, die sich selbst kein Lastenrad leisten können, sind immer wieder froh, wenn sie auf eines der kostenlosen zurückgreifen können.

Die Rückmeldungen sind meist positiv. „Viele haben viel Spaß mit dem Lastenrad“, sagt Kerstin Kortekamp. Doch natürlich fallen auch die Schwächen in der Radinfrastruktur auf: zu schmale Radwege oder wenig Platz auf Verkehrsinseln etwa. Nach dem Anstoß durch den Fahrradladen sei die Politik dran, hier nachzuziehen.