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Ghostwriterin Doris Mendlewischt: Sie erzählt die Geschichten anderer

Ghostwriterin Doris Mendlewischt: Sie erzählt die Geschichten anderer

Doris Mendlewischt arbeitet als Ghostwriterin. Gerade war die 61-Jährige an einem Bestseller beteiligt.

Düsseldorf. Wer bei Google nach Ghostwriting sucht, der landet bei doch eher suspekten Angeboten. Hausarbeiten, oder sogar ganze akademische Abschlussarbeiten kann man sich von jemand anderem schreiben lassen, wenn man denn möchte. „Das ist aber nicht das, was ich mache“, sagt Doris Mendlewitsch entschieden. „Das ist nur Betrug.“ Die 61-Jährige, die ein Büro am Fürstenwall in Unterbilk hat, arbeitet selbst als Ghostwriterin. Mit „Zum Aufgeben ist es zu spät“ ist gerade eines der Bücher, die sie geschrieben hat, in den Bestsellerlisten gelandet. Uns hat die Autorin einmal verraten, wie sie arbeitet und wie Ghostwriting eigentlich funktioniert.

Doris Mendlewitsch sieht sich selbst als Mittlerin. Sie vermittelt zwischen jemandem, der eine gute Geschichte zu erzählen hat, sie aber nicht selbst formulieren kann, und Lesern, die diese Geschichte interessant finden könnten.

Es gibt verschiedene Gründe für Menschen, sich einen Ghostwriter zu suchen. Die Einen finden einfach nicht die richtigen Worte. Andere sind vielleicht keine Muttersprachler und fühlen sich nicht sicher genug im Umgang mit der deutschen Sprache. Wer seine Geschichte dennoch erzählen möchte und einen Verlag findet, kann die Hilfe von Doris Mendlewitsch oder einem ihrer Kollegen in Anspruch nehmen.

„In der Regel ist es der Verlag, der sich bei mir meldet und anfragt“, erklärt Doris Mendlewitsch das Prozedere. „Die Verantwortlichen dort arbeiten mit verschiedenen Ghostwritern zusammen und haben meist direkt ein Gespür dafür, wer vom Thema her, aber auch menschlich zueinander passen könnte.“ Denn das, so die Autorin, ist die erste und wichtigste Voraussetzung. „Die Chemie muss stimmen, sonst kann man kein Vertrauen entwickeln.“

Und das braucht es, um die Geschichte eines anderen erzählen zu können. „Derjenige muss sich auf mich einlassen können, mir Dinge erzählen, die vielleicht auch mal schmerzlich sind, Geschehenes noch einmal durchleben.“ Auf der anderen Seite muss Doris Mendlewitsch natürlich auch selbst in ein anderes Leben, eine andere Persönlichkeit eintauchen. Schließlich soll das fertige Buch am Ende nicht ihr eigenes werden, sondern das des Autoren, den man übrigens so nennt, auch wenn er sein Buch nicht selbst geschrieben hat, erklärt die Ghostwriterin.

Mehrfach trifft sich Doris Mendlewitsch mit den Autoren, für die sie schreibt. Jeweils mehrere Stunden lang redet sie mit ihnen, stellt Fragen, macht sich Notizen. Anschließend geht es dann ans Schreiben.

Nicht nur um die Geschichte als solche geht es bei den Treffen, sondern auch um den Ton, die Struktur. Darum, was für ein Buch das Ganze überhaupt werden soll. Was der Autor damit bezwecken, wie er sich selbst darstellen möchte. „Wenn ich eine Struktur gefunden habe, dann ist der schwerste Teil geschafft“, erklärt die Ghostwriterin. Sobald die ersten rund 30 Seiten fertig sind, kann der Autor sie lesen. „Er muss sich darin wiedererkennen, nur dann sind wir auf dem richtigen Weg.“

Um diesen Weg zu finden, muss sie nicht nur recherchieren und immer wieder nachfragen, sondern ihr Gegenüber auch beobachten, sich in den Autoren und seine Geschichte hineinversetzen, auch wenn sie sie nicht selbst erlebt hat. „Man kriecht schon sehr in ein anderes Leben“, sagt Doris Mendlewitsch, „muss aber gleichzeitig auch eine gewisse Distanz wahren.“

Die Zusammenarbeit mit Timo Ameruoso, die jüngst den Bestseller hervorgebracht hat, sei sehr gut gewesen, erinnert sich die Ghostwriterin. „Er ist sehr offen, wir hatten viel Spaß miteinander.“ Dass der „Pferdemediator“ jetzt in zahlreichen Talkshows vertreten ist und sein Buch vorstellt, damit hat Doris Mendlewitsch kein Problem. „Klar ist das manchmal seltsam, so im Hintergrund zu stehen“, gibt sie zu. „Aber das gehört dazu. Und wenn ich das mit meiner Eitelkeit nicht vereinbaren könnte, wäre das der falsche Job für mich.“ Der Erfolg von „Zum Aufgeben ist es zu spät“ mache sie vielmehr stolz.

Nach Abschluss eines Projektes, das meist mehrere Monate in Anspruch nimmt, braucht, Doris Mendlewitsch immer erst einmal eine Pause. „Das ist ein Kraftakt, danach fühle ich mich regelrecht leer.“ Auftanken kann sie am besten bei Reisen. „Oder eben zu Hause einfach mal durchhängen, das gibt mir auch neue Energie“. Energie, die die Ghostwriterin jetzt in ein neues Projekt steckt. Als nächstes möchte sie die Geschichte von Nariman Reinke erzählen, einer deutschen Soldatin, die Muslima ist. Derzeit laufen die Gespräche, das Buch soll 2019 erscheinen.