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Gestank: Druck auf Papierfabrik

Gestank: Druck auf Papierfabrik

Eine neue Bürgerinitiative fordert mehr Infos und Kontrollen der Bezirksregierung zur Geruchsbelästigung im Viertel.

Düsseldorf. Es stinkt häufig rund um die Papierfabrik Julius Schulte Söhne an der Fruchtstraße. Das ist seit ihrer Gründung im Jahr 1886 so. Schon der Großvater von Joachim Küppers (50) führte regen Schriftverkehr mit dem Unternehmen, auch weil es ihm damals zu laut war.

Heute ist die Papierfabrik wohl eine der leisesten Deutschlands, aber der Gestank ist den Bilkern an vielen Tagen geblieben. Joachim Küppers will das nicht länger hinnehmen. Gemeinsam mit Andrea und Stefan Charchut und Claus Kreusch gründete er die Bürgerinitiative "Bilk aktiv gegen Fabrikgestank".

Gestern trat das Quartett an die Öffentlichkeit. Der erste Angriff galt dabei weniger der Fabrik als der Bezirksregierung. "Wir fordern mehr Informationen und Kontrollen der Behörde", sagt Küppers. Per Flugblattaktion hatte die Initiative die Nachbarschaft (u.a. Fruchtstraße, Brunnenstraße, Heresbachstraße) gefragt: "Stinkt es Ihnen auch?" "Wir haben 165 Rückmeldungen, 95 Prozent teilen unsere Meinung, dass die Geruchsbelästigung nicht mehr hinnehmbar ist", sagt Andrea Charchut. Gern hätte sie die 165 Unterschriften gestern der Bezirksregierung überreicht, die aber sagte kurzfristig ab.

60 Prozent der Anwohner klagen über Beschwerden. "Viele werden hier nachts wach, weil ihnen übel ist", sagt Küppers. Andere leiden unter Atemwegserkrankungen und Augenreizungen. Die Bürgerinitiative behauptet: Die Aussagen der Gutachten über die Emissionen der Papierfabrik korrespondieren nicht mit dem Empfinden der Menschen.

Von den Aussagen der Bürgerinitiative überrascht ist Schulte-Geschäftsführer Roland Knapp. Das Unternehmen habe seit 2004 drei Millionen Euro in Technik investiert, um die Geruchsbelästigungen zu reduzieren. "Wir gehen hier an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit, wollen mit unseren 110 Mitarbeitern noch viele Jahre in Bilk bleiben."

Umweltgutachter Werner Wohlfahrt, der auch für die Firma tätig ist, stellt fest: "Wenn sich durch die neue Technik die Anzahl der Geruchsstunden pro Jahr von 25 auf 20 Prozent reduziert, ist dies für die Menschen nur schwer messbar."

Die Firma strebe bis Jahresende noch eine weitere Verbesserung an, will die Emissionen über den Kamin in höhere Gefilde leiten. Parallel dazu regt Wohlfahrt an, dass die Stadt die Gerüche der Kanalisation überprüfe. Auch dies könnte eine Quelle für den Gestank im Viertel sein.

Bis zum Jahresende sollen die Ergebnisse eines Geruchsgutachtens vorliegen. Das erklärte gestern auf WZ-Anfrage Bernd Hamacher von der Bezirksregierung. Der zuständige Sachbearbeiter sei aber zurzeit in Urlaub. Hamacher sagte zu: "Wir werden mit den Bürgern Kontakt aufnehmen."