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Gesprächsangebot für einsame Menschen: Wer einfach mal reden will, kann sie anrufen

Gesprächsangebot für einsame Menschen: Wer einfach mal reden will, kann sie anrufen

Inge Schmerbeck startet ein ehrenamtliches Angebot: Wer sich einsam fühlt, kann sie zu Hause anrufen und einfach mal reden.

Düsseldorf. Inge Schmerbeck hat sich ein zwischenmenschliches Angebot ausgedacht, das es so bislang noch nicht gibt in Düsseldorf. „Ich schenk’ Dir mein Ohr“ heißt ihre Initiative. Im Gespräch mit der WZ erzählt sie, wie sie auf die Idee dazu kam und was sie sich davon erwartet.

Frau Schmerbeck, werden Sie so selten angerufen?

Inge Schmerbeck: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich glaube aber, dass es viele Menschen in der Stadt gibt, die sich manchmal jemanden zum Reden wünschen.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Schmerbeck: Ich habe über Jahre in verschiedenen Bereichen schon ehrenamtlich gearbeitet, etwa im Hospiz. Mein Projekt „Kulturführerschein für Kids“ habe ich vor einigen Monaten abgegeben. Dann sah ich den Aufruf der Stadt im Zusammenhang mit dem Jubiläum: „Was können Sie Ihren Mitbürgern schenken?“ Ich überlegte und dachte: Ich kann gut zuhören und habe Zeit zu verschenken.

Wann geht es los?

Schmerbeck: Ab Montag kann jeder unter der Nummer 0211/7004604 anrufen. Ich werde versuchen, in der nächsten Zeit gut erreichbar zu sein.

Solche Angebote — etwa Telefonseelsorge — gibt es doch schon ...

Schmerbeck: Ja, aber ich mache etwas anderes. Die bieten professionelle Hilfe für Menschen in schwierigen Situationen. Aber was ist mit jenen, die Freude am Gespräch haben und denen ein Partner dafür fehlt? Gerade im Alter verstummen viele Menschen.

Worüber reden Sie mit denen?

Schmerbeck: Es gibt viele Themen, über die man mit Menschen ins Gespräch kommen kann, etwa Fragen nach Herkunft, Kindheitserinnerungen oder Vorlieben. Aber es ist ein Versuch, ich weiß nicht, was auf mich zukommt. Spannend wird es auf jeden Fall für beide Seiten.

Hören Sie nur zu oder erzählen Sie auch etwas von sich?

Schmerbeck: Die Leute können mich alles fragen. Ich habe auch eine Lebensgeschichte.

Mit welchem Echo rechnen Sie?

Schmerbeck: Schwer zu sagen. Es werden wohl eher ältere Leute sein, die sich melden. Solche, die nicht auf Facebook unterwegs sind. Ich hoffe, die Anrufer melden sich immer wieder, damit sich am Telefon eine Beziehung entwickelt. Man redet so viel Blabla — und fragt selten wirklich nach.

Sollten sich viele melden, können Sie das meistern?

Schmerbeck: Dafür habe ich mir etwas überlegt. Es gibt bereits Ehrenamtliche, die gern mitarbeiten möchten. Ich hinterlasse dann eine entsprechenden Nachricht auf meinem Anrufbeantworter.

Wie lange wollen Sie das machen?

Schmerbeck: Können wir uns darüber nicht in einem halben Jahr nochmal unterhalten? Dann weiß ich, wie die Initiative angenommen worden ist und wie sie weiterentwickelt wird.