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Gespaltener Heine soll Mahnmal werden

Gespaltener Heine soll Mahnmal werden

München bittet Bert Gerresheim, den Schnitt durch die Heine-Büste möglichst behutsam auszuführen.

Düsseldorf. Als Bert Gerresheim vor 30 Jahren das Heine-Monument an der Haroldstraße einweihte, reagierten die Autofahrer derart entsetzt über die brutalen Schnitte in der Bronze, dass es zu Zusammenstößen kam.

Eine solch surreale Büste einer vielschichtigen Psyche darf der Bildhauer für die Walhalla bei Regensburg nicht schaffen. Regierungsrat Thomas Butzenlechner aus dem Bayerischen Staatsministerium bat ihn schriftlich um eine "behutsame" Verwerfung. Die vielen Laien unter den Besuchern sollten "nicht den Eindruck gewinnen, dass die Büste beschädigt sei."

Es geht um einen die Skulptur durchziehenden Schnitt, der in Bayern für einigen Wirbel sorgt. "Ich will in dieser Büste das Andersartige, Verletzte, Gestörte und Zwielichtige zeigen", sagt Gerresheim im Gespräch. "Ich will ein Frage-Mal, denn dieses lyrische Ich kann man nicht packen." Wie zeigt man die Störungen, ohne die Atmosphäre in diesem Parthenon des Bayernkönigs Ludwig I. zu entweihen?

Gerresheim beschreibt die Situation: "Es atmet alles still im edlen Marmor. Man darf gar nicht husten. Die kleinste Störung wäre in diesen heiligen Hallen eine Katastrophe. Ich kann nicht so frei arbeiten wie beim Heine in Düsseldorf. Andererseits reizt es auch, in so einer Enge das Möglichste auszuloten."

Ein "weißer Heine" soll es sein. Der Stein ist in der Kunstakademie eingetroffen, er kommt wie seit 168 Jahren aus demselben Spalt in Carrara. Gerresheim lässt ihn beim Werkstattleiter Gunnar Krabbe nach eigenen Angaben bearbeiten.

Der Künstler geht von einem Kompromiss aus: "Ich mache zwar einen Schnitt durch die Physiognomie, bis unten hin. Aber dies geschieht formal, indem ich die Büste nach hinten versetze. Der Stein selbst bleibt intakt. Im Verbund aller anderen klassischen Geister ist dies die einzige Figur, die auf ein zerklüftetes Leben schließen lässt."

Wie beim Düsseldorfer Heine geht Gerresheim von der Totenmaske mit der Hakennase aus. Es sei wichtig für einen Bildhauer, dass er ein räumliches Vorbild habe. Zugleich möchte er etwas Spöttisches zeigen, sagte Heine doch kurz vor seinem Tode, mit ihm sterbe der beste Humorist.

Die Porträtbüste wird am 28. Juli in einem Festakt als Nummer 129 in der Walhalla enthüllt. Sie kommt auf einen Platz am Fuße einer Siegesgöttin. Bis dahin wird sie den frechen Kragen der Romantiker mit Schalschlaufe um den Hals haben.