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Gemeinnützigkeit ist mehr als eine Steuerfrage

Serie : Vereine: Gemeinnützigkeit ist mehr als eine Steuerfrage

Viele Bürger engagieren sich, um ihren Verein lebendig zu halten und nach vorne zu bringen. Wer als Verein wachsen will, muss eine moderne Strategie verfolgen. Wir geben Tipps. Folge 3 unserer Serie: Gemeinnützigkeit.

Es können Vereine existieren, die sichtbar dem Gemeinwohl dienen und doch nicht gemeinnützig sind. Und es sind Vereine denkbar, deren Gemeinwohlarbeit man nicht auf den ersten Blick erkennt und die dennoch als gemeinnützig anerkannt sind. So manchen verwirrt das.

Tatsächlich ist kein Verein automatisch gemeinnützig. Man muss dazu einen Antrag beim Finanzamt stellen und dabei sehr spezifische Anforderungen erfüllen. Diese müssen eindeutig und klar in der Satzung stehen. Der Zweck muss selbstlos, ausschließlich und unmittelbar verfolgt werden. Er muss sich einem anerkannten Katalog zuordnen lassen, wie die Förderung von Wissenschaft, Bildung, Kultur, Völkerverständigung, Brauchtum oder Tierschutz.

Es gibt also Fallen: 2017 hat die Allianz für politische Willensbildung drei Fälle konstruiert und Finanzämtern vorgelegt. Erstens mit dem Zweck „Musik ist Leitkultur“. Das legt eine Kulturförderung dar, doch als Aufgabe wurde aktive Lobbyarbeit bei Regierung, Parteien und im Parlament genannt. Zweitens der Fall der „Europäische Demokraten“. Hier wurde die Förderung des demokratischen Staatswesens als Anliegen genannt. Das ist nicht konkret. Letztendlich der Verein „Farbiges Deutschland“: Dieser Verein engagierte sich gegen Diskriminierung. Doch das ist keinem Katalogzweck zuzuordnen.

Es gibt zwei wesentliche Aufgaben, die der Verein nicht nur in die Satzung schreiben, sondern auch konkret umsetzen sollte: einen und, wenn es geht, besser mehrere Zwecke aus dem Förderungskatalog. Einer kann dann mal in Frage gestellt werden, ohne dass die Gemeinnützigkeit verloren geht. Dann die genaue Darstellung, wie man konkret und nachprüfbar diese Zwecke verfolgt: Die Formulierungen sollte man vorher mit dem Finanzamt abstimmen. Geprüft wird die tatsächliche Umsetzung immer wieder.

Die anerkannte Gemeinnützigkeit ist also ein Begriff der Abgabenordnung, § 52 AO, nicht nur das, was wir alle als ehrenwerte Gemeinwohlarbeit fühlen würden. Man bekommt dabei etwas: Erleichterungen in den meisten Steuergesetzen. Spenden und in einigen Fällen auch Mitgliedsbeiträge an eine gemeinnützige Organisation können für den Spender steuersenkend geltend gemacht werden.

Dieser Blick auf die Steuerfreiheit fokussiert auf zwar einen wichtigen, aber nicht den bedeutsamsten Punkt. Gemeinnützigkeit öffnet viele Türen. Man muss sie selber aktiv aufmachen. Zum einen existieren viele Fördermittel. Man findet sie in europäischen Institutionen, bei Stiftungen, in Bund, Land und Kommune, bei Lotterien und privaten Förderfonds. In der Regel handelt es sich nicht um Vollfinanzierungen, sondern um Zuschüsse. Zum anderen leiden etliche Vereine in den Städten unter Raummangel für ihre normalen Meetings oder Sondertreffen. Ohne anerkannte Gemeinnützigkeit braucht man oft gar nicht erst anzufragen, weil es vielen Institutionen auferlegt ist, gemeinnützige Organisationen zu bevorzugen. Diese dürfen zudem stark reduzierte Raummieten bezahlen.

Weiterhin und besonders geht es um gesellschaftliche Anerkennung. Bürgermeister, Kammerpräsidien oder Vorsitzende von Institutionen kommen als wichtige gesellschaftliche Persönlichkeiten selten als Gast zu Vereinen, die die anerkannte Gemeinnützigkeit nicht haben. Wenn sich der Verein darum bemüht, wird er auch zu seinen Themen gefragt. So gestaltet er gesellschaftliche und eventuell auch politische Entscheidungen wie bei einem Hearing mit.

Fazit: Formuliere den Geist der anerkannten Gemeinnützigkeit. Fokussiere nicht nur auf die Steuermöglichkeiten, sondern auf die Selbstachtung der Vereinsmitglieder, die auch Fremdachtung in der Gesellschaft hervorruft. Die Ketchup-Flasche ist damit aufgedreht, aber noch kommt nichts heraus. Klopfen muss man selbst.

Autor Malte W. Wilkes, Business-Redner, Unternehmensberater, Buchautor war Präsident des BDU, des größten Berater-Verbandes der Welt. Zudem entwickelte er den Redner-Club Düsseldorfer Toastmasters als Präsidiumsmitglied zum größten in Europa.