Gastbeitrag Vogelbeobachtung ist mehr als ein faszinierendes Hobby

Gastbeitrag Vogelbeobachtung ist mehr als ein faszinierendes Hobby

Gastbeitrag Vogelbeobachtung ist mehr als ein faszinierendes Hobby

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Im Jahr 1981 kam ich als frisch promovierter Biochemiker an die Universität Düsseldorf. Neben meinen Laborarbeiten in der Photosyntheseforschung fand ich Zeit für die hier angebotenen Vogelstimmenexkursionen — zumal diese immer früh morgens stattfanden und ich danach ins Labor konnte.

Damals half mir das Buch „Die Vogelwelt von Düsseldorf“ von Alfred Leisten, wenn es darum ging, die in Düsseldorf brütenden und rastenden Vögel zu bestimmen. Mit wachsender Expertise wurde ich gelegentlich gebeten, Exkursionen zu leiten. Dann wurden Mitarbeiter gesucht, die ein Teilgebiet für die deutschlandweite Erfassung der Brutvögel im Adebar-Projekt („Atlas deutscher Brutvogelarten“) untersuchen wollten — ich war dabei. Meine Ergebnisse aus dem Süden Düsseldorfs flossen ebenfalls in den „Brutvogelatlas NRW“ ein. Weiterhin kartierte ich alle Brutvögel im Vorfeld der Deichöffnung am Urdenbacher Altrhein. Und ich fing an, für die Studierenden der Biologie Kurse über Vogelstimmen und Kartierungen anzubieten - diese fehlten bis dahin und sie wurden sehr gut angenommen. Als letzten Baustein lernte ich dann schließlich auch das Beringen von Vögeln.

Während der ganzen Zeit erfuhr ich mehr und mehr, dass die Vogelbeobachtung nicht nur ein faszinierendes Hobby ist. Die genaue Erfassung von Brutvogelbeständen ermöglicht auch Aussagen über die Wertigkeit von Naturschutzgebieten, sie zeigt Veränderungen durch menschliches Eingreifen oder durch den Klimawandel an und sie dokumentiert den Erfolg von Naturschutzmaßnahmen.

Ganz im Sinne der Bürgerwissenschaft („citizen science“) kann jeder Vogelfreund mitmachen: Er muss nur seine Beobachtungen für die weitere Auswertung im Online-Portal www.ornitho.de zur Verfügung stellen. Interessante Entwicklungen sind zum Beispiel das vermehrte Auftreten von Großgreifen und Eulen in unseren Städten (Habicht, Uhu), die immer zeitigere Ankunft von Zugvögeln im Frühjahr sowie das vermehrte Überwintern von ehemals strengen Zugvögeln (Mönchsgrasmücke, Star, Sommergoldhähnchen) und das Auftauchen seltener Wintergäste (Seidenschwanz, Birkenzeisig, Raufußbussard).

Um die Veränderungen der Düsseldorfer Vogelwelt auch dem interessierten Bürger zugänglich zu machen, habe ich zusammen mit Tobias Krause ein Nachfolgebuch für das inzwischen vergriffene Buch von Alfred Leisten verfasst: Im November 2017 kam „Die Vogelwelt von Düsseldorf und Umgebung“ in den Handel. Das Interesse an diesem Thema hat uns selbst überrascht — in nur vier Wochen war das Buch ausverkauft und wird jetzt neu aufgelegt.

Jürgen Schumann und Tobias Krause haben das Buch „Die Vogelwelt von Düsseldorf und Umgebung“ veröffentlicht. Es kostet 25 Euro.