Galeristin Sels bittet zum Parcours der Kunstpioniere

Galeristin Sels bittet zum Parcours der Kunstpioniere

„Verzauberte Biene“ nennt sich eine Ausstellung auf der Poststraße.

Die Galeristin Clara Maria Sels, die beim letzten Foto-Weekend das Gros der Kollegen auf ihre Seite gezogen hat, steht Gewehr bei Fuß, um gegebenenfalls 2019 abermals eine Fotoveranstaltung zu betreuen. Um einen Vorgeschmack zu geben, sind fünf von sechs Künstlern in ihrer aktuellen Ausstellung fotografisch tätig. Die Schau wird am Freitag an der Poststraße 3 eröffnet.

Der Senior der Schau, Duane Michals (Jg. 1932), steuert die lustige 14-teilige Serie „Bewitched Bee“, „Verzauberte Biene“, bei, die der Ausstellung den Namen gibt. Die Biene sticht den schönen, klassischen Jüngling Actaeon, der Diana im Bade überrascht hat. Bei Michals wird Diana ausgespart, aber der Jüngling muss trotzdem leiden. Eine Biene versetzt ihm einen Stich und lässt ihm ein Hirschgeweih wachsen. Im letzten Foto der Sequenz versinkt er mitsamt Geweih im Blätterwald. Dazu fügt der Künstler einen liebevoll per Hand geschriebenen Text bei.

Karl Blossfeldt (1865-1932), der seine „Urformen der Kunst“ 1928 herausbrachte, über ein halbes Jahrhundert vor den „Typologien“ der Bechers, gilt als ein Pionier der Neuen Sachlichkeit. Er pflegte Pflanzenblätter und Blütenknollen auf Glasplatten zu legen, weit entfernt vom Untergrund. So erläutern seine Nachlassverwalter Ann und Jürgen Wilde in ihrer Monografie die Technik. So werfen Blossfeldts Motive keine Schatten, besitzen jedoch dank der seitlichen Beleuchtung eine gewisse Tiefenschärfe. Aus dem Blossfeldt-Archiv werden Abzüge der stilisierten Pflanzenblätter und Fruchtknoten noch heute angefertigt.

John Baldessari (Jg. 1939) Altmeister der Konzeptkunst, zeigt zwei Reiter in schwarz-weiß, möglicherweise aus einem Godard-Film, die sich gegenüberstehen. Der Schalk der Kunst setzte ihnen Aufkleber auf den Kopf, wobei der grüne Punkt besagt, dass das Motiv noch frei verkäuflich ist und der rote verkündet, dass das Motiv schon verkauft ist. Ein lustiges Zeichen für die einstigen Verkaufspraktiken der Galeristen, die im Gegensatz zur heutigen Geheimniskrämerei stehen.

Dieter Hiesserer, Jg. 1939, arbeitet mit Fotocollagen, wobei er Dinge ausschneidet und verschiebt, auf diese Weise zugleich Leerstellen schaffend. Chema Madoz, Jg. 1958, ein bekannter spanischer Fotosurrealist, fotografiert analog, indem er etwa einem Porzellanhund mit künstlichen Ameisen auf den Pelz rücken lässt.

Großen Raum nehmen Objekt-Bilder von Igor Chelkovski ein, einem Russe, Jg. 1937, der heute in Paris und Moskau lebt. Über einer abstrakten Landschaft, die aus einer grünen Wiese und himmlischen Rottönen über dem Horizont besteht, schwebt eine Silhouette aus Spielsteinen. Vor allem bei abstrahierten „Himmelsbildern“ spricht die Galeristin Sels von den „Strophen eines skulpturalen Gedichts, das seine Rhythmik aus Farben, Längen und Oberflächen erhält.“ Im nächsten Jahr wird sie dem Künstler eine große Einzelausstellung widmen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung