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Düsseldorf: Gänse, Bären und die Pracht des barocken Lebens

Düsseldorf : Gänse, Bären und die Pracht des barocken Lebens

Beim Barockfest in Benrath erwartete die vielen Besucher ein abwechslungsreiches Programm.

Düsseldorf. Normalerweise betrachten die Kanadagänse, die auf den Benrather Gewässern leben, Schlossteich und Spiegelweiher als „ihr“ Terrain. Am Wochenende machten sie sich jedoch rar, sie flüchteten vor dem Trubel des Barockfestes. Schade eigentlich, denn sonst hätte die gemeine Gans aus Düsseldorf sich einiges von ihren ausländischen Artgenossen abschauen können. Ein knappes Dutzend Toulouser Gänse marschierte im sprichwörtlichen Gänsemarsch zu Trommelklängen und mit Gepfiff und Geschnatter mit zwei Tambourmajoren den Spiegelweihers entlang. Ein imposanter Auftritt.

Düsseldorf: Gänse, Bären und die Pracht des barocken Lebens
Foto: Judith Michaelis

Vor einigen Jahren hat das niederländische Unternehmen Picar Poduction die mittelalterliche Tradition des Gänsehütens wiederbelebt und begeistert seitdem mit einer Kombination aus Mensch, Tier und Musik. Zum ersten Mal ist man nun beim Barockfest. „Hoffentlich nicht das letzte Mal“, sagt Besucherin Petra Gerster, die mit Mann Klaus und ihren drei Kindern gekommen ist. Gerster ist mittlerweile ein Fan des barocken Events, das zum vierten Mal im Park stattfindet. „Die lassen sich immer etwas Neues einfallen“, sagt sie anerkennend. Dass im Gegensatz zum ersten Anlauf Eintritt gezahlt werden muss, sieht sie pragmatisch. „Man bekommt schließlich etwas geboten.“

Und das nicht zu knapp. Einen Hauch von Jahrmarkt bringt die ebenfalls aus Holland stammende Gruppe „Bear“ in den Park, die mit Tanzbär und Tänzerin durch das Gelände zieht. Der Bär sieht mächtig aus, ist auch wie die historischen Vorbilder in einen Käfig untergebracht und darf nur zum Tanzen ins Freie. Dann lässt er sich auch ohne Probleme streicheln und steht für Selfies bereit. Denn natürlich steckt in dem kuscheligen Bärenfell ein Mensch. „Einen echten Bären hätten wir nicht bewilligt gekommen“, sagt der kaufmännische Vorstand der Stiftung, Nicolas Maas. Auch hinter den farbenprächtigen Straußen, die mit ihren Straußenreitern ein Blickfang sind, verbergen sich artistische Akrobaten. Nur die Gänse der Gänsekapelle sind echt. Und natürlich die Greifvögel der Falknerei Cologne, die in den Jagdgewändern der Barockzeit zweimal pro Tag die kurfürstliche Beizjagd des 18. Jahrhunderts demonstrieren. Wenn wieder die Greifvogelschau angekündigt wird, strömen die Besucher aus allen Parkecken auf den Platz vor der Südterrasse. Denn dabei sind nicht nur die Vögel zu bewundern, sondern die Falkner wissen auch viel über die Lebens- und Verhaltensweisen der Greifvogelarten zu erzählen.

Wer sich nicht so sehr für Tiere interessiert, kann sich in alten Tänzen versuchen oder beim Fechten. Was vor allem die jungen Besucher animiert. Wenn der Düsseldorfer Verein „Jardien des Epoques“ von beidem beim Lustwandeln Kostproben bietet, sind schnell kleine Nachahmer zur Stelle.

Doch so sehr die Zeit von Carl-Theodor den Festablauf bestimmt, die Neuzeit lässt sich nicht ganz ausgrenzen. Das liegt vor allem daran, dass erstmals Barockfest und Benrather Schützenfest zusammenfallen. Und ist bei den großen Paraden auf der Nordterrasse südlich des Schlosses Veranstaltungspause, spielt mancher Barockfestbesucher Zaungast bei den Schützen.