Für Wegschauer und Hingucker

Für Wegschauer und Hingucker

Das Ölbild von Joachim Erwin ist im Rathaus, die Grünen wollten es haben. Die Stadt wartet lieber noch auf das offizielle Lüpertz-Porträt.

Düsseldorf. Die Blaskapelle aus Gerresheim, die die Schenkung begleiten sollte, hatte kurzfristig abgesagt. Ihr war die Sache wohl zu provokant. Eingesprungen für die uniformierten Musikanten sind vier Studenten der Schumann Hochschule samt ihren Posaunen. Von ihnen gab es dem Anlass entsprechend Besinnliches. Der war feierlich, wenngleich auch nicht überall gleich gut gelitten: Der Kulturverein Metzgerei Schnitzel wollte der Stadt ein Porträt des ehemaligen Oberbürgermeisters Joachim Erwin schenken.

Die allerdings hat per Brief an den obersten Kultur-Metzger Carsten Johannisbauer abgelehnt. Zunächst ohne Begründung, mit dem Hinweis aber, von etwaigen Übergabeversuchen abzusehen. Oberbürgermeister Dirk Elbers lieferte die Begründung in der WZ nach: Er halte das Bild mit dem Titel "Der Arkaden Prinz - Ein Kniefall in Öl" für "etwas merkwürdig" und "despektierlich".

Die Grünen im Rat finden das nicht, und haben das Bild am Montag in Empfang genommen. Die Linke, die offensichtlich auch einen anderen Kunstgeschmack als der OB hat, begrüßte das Werk und hätte es ebenfalls gerne genommen.

Gut 100 Menschen waren Zeuge der Schenkung und hörten eine launige Rede des Medienjournalisten Hans Hoff. Er hatte vor drei Jahren schon einmal über das Werk gesprochen. Seinerzeit war es bei der Nacht der Museen für einige Stunden zu sehen. "Das Bild ist kein Unsinn, sondern eine Ehrung. Und ein Appell an die Wegschauer und die Hingucker zugleich", sagt Hoff. Und mit Blick auf Markus Lüpertz, der das offizielle Porträt anfertigen soll: "Er kommt bald zum verspäteten Zug."

Das kommt er tatsächlich bald und sogar pünktlich. Bis zum zweiten Todestag Erwins am 20. Mai soll das Werk fertig sein. Seine ersten drei "Ansätze" habe er verworfen, derzeit arbeite er am vierten Entwurf. Er sei kein professioneller Porträtmaler, er wolle Erwin, den er als seinen Freund gesehen habe, ein "künstlerisches Denkmal" setzen. Für ihn eine "Herausforderung" und "Freundschaftspflicht".

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