Friedrichstadt: Café Knülle setzt auf Entschleunigung statt Party

Friedrichstadt: Café Knülle setzt auf Entschleunigung statt Party

Das Lokal im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt verzichtet konsequent auf Fußball — und das seit 30 Jahren.

Düsseldorf. Wer am 15. Juli in Moskau das WM-Finale bestreiten wird, ist noch vollkommen offen. Fest steht hingegen, dass das größte Sportereignis der Welt nicht im Café Knülle zu sehen sein wird — selbst wenn Deutschland dabei sein sollte. Fernseher gibt es in dem Lokal in Friedrichstadt nicht — und wird es auch auf absehbare Zeit nicht geben. „Fußball passt einfach nicht ins Knülle“, sagt Geschäftsleiterin Petra Frings. „Man kann mit der Zeit gehen, aber manche Dinge gehen einfach nicht.“

Wer in das Café an der Oberbilker Allee 24 kommt, dürfte diese Einschätzung bestätigen. Vormittags arbeiten Besucher an Laptops oder lesen Zeitung. Abends wirkt das Lokal je nach Zusammenstellung der Besucher mal wie eine Bar oder eine Kneipe. An der Gestaltung des Knülle hat sich seit der Eröffnung vor 30 Jahren kaum etwas verändert — und das ist wohl auch ein Teil des Erfolgs. Große Fernseher wären in dem Café mit seiner klassischen französischen Anmutung eher ein Fremdkörper als eine Bereicherung.

Mit seiner Fußball-Abstinenz bildet das Café in der Nachbarschaft eine seltene Ausnahme. Natürlich sei während der Spiele der deutschen Mannschaft weniger los als sonst, so Petra Frings. Doch gebe es immer noch Menschen, die genau das suchen würden. Möchte man über den Spielstand auf dem Laufenden bleiben, blicke man eben ab und zu mal auf das Smartphone. Und spätestens wenn in den benachbarten Kneipe Kepler Eck gejubelt wird, wisse man, dass es um die deutsche Mannschaft nicht allzu schlecht stehe.

Dass im Knülle kein Fußball gezeigt wird, heißt nicht, dass in dem Café die Zeit stillsteht. So hat Petra Frings erst kürzlich die Karte modernisiert. Darauf finden sich nun unter anderem Smashed Avocado, Smoothies und Humus. Auch auf Facebook und Instagram ist das Café mittlerweile vertreten. Zudem wächst das Lokal: Ab August werden angrenzende Räume umgebaut, so dass Gästen bald mehr Platz zur Verfügung stehen wird. Zukünftig soll dann auch der Innenhof des denkmalgeschützten Gebäudes für Besucher offenstehen.

Begonnnen hat die Geschichte des Cafés vor 30 Jahren. Im Mai 1988 eröffnete Gilbert Knülle das Lokal an der Oberbilker Allee. Er ist noch heute der Inhaber. Das Knülle soll damals eines der ersten Cafés in Düsseldorf gewesen sein, in dem man Milchkaffee trinken konnte — stilecht serviert im Schälchen. Seit 25 Jahren röstet das Café außerdem seine Kaffeebohnen selbst. Für die frühen 90er-Jahre in Deutschland eher ungewöhnlich.

Wer übrigens in der Karnevalszeit einen Ort sucht, an dem nicht gefeiert wird, ist ebenfalls im Knülle richtig.

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