Düsseldorf: „Freifunk“ baut ein W-Lan-Netz für alle

Düsseldorf: „Freifunk“ baut ein W-Lan-Netz für alle

Der Verein verbindet Internetnutzer in der ganzen Stadt und schafft somit eine hürdenlose Alternative zu kommerziellen Angeboten.

Düsseldorf. Udo Imig sitzt im Café auf der Kiefernstraße, vor sich sein Smartphone. Der kleine Bildschirm zeigt die Straße als Kartenausschnitt, auf beiden Seiten sind kleine grüne Punkte zu sehen. „Die Punkte sind die Router“, erklärt Imig und zeigt in eine obere Ecke des Raums, wo ein kleiner Kasten hängt. „Das ist einer davon.“

Die Karte auf Imigs Smartphone ist das Freifunk-Netz von Düsseldorf. Und darauf ist die Kiefernstraße die Straße mit den meisten Punkten. Udo Imig, Elektrotechniker und Kiefernstraßenbewohner, hat das Netz mit einer Freundin gemeinsam aufgebaut — oder besser: baut sie auf: „Wir wollen in diesem Jahr noch mindestens zehn Router setzen“, sagt er, „dann läuft das besser.“

Der Freifunk, das ist ein Konzept, das es in Düsseldorf erst seit einigen Jahren gibt. Die Idee: Wer schon einen Internetzugang hat, stellt einen Teil seiner Kapazität mit einem zusätzlichen Router der Umgebung zur Verfügung. Andreas Dorfer ist einer von denen, die sich im Verein engagieren und stadtweit am Aufbau des Netzes arbeiten. „Es geht darum, ein Netz gemeinsam aufzubauen.“ Udo Imig hat für die Kiefernstraße noch ein weiteres Motiv: Leuten einen Zugang ermöglichen, die ihn sich nicht leisten könnten.

Bislang sind rund 400 W-Lan-Router angeschlossen, das Netz wächst langsam. Dorfer schätzt, dass pro Tag mindestens 1000 Menschen den Freifunk nutzen, vielleicht die Hälfte am heimischen PC, die Hälfte unterwegs mit Smartphone oder Tablet.

Ohne das kommerzielle Internet der großen Provider gäbe es den Freifunk nicht. Doch gerade im öffentlichen Raum zeigt sich das Besondere am Freifunk. Udo Imig erläutert die Einwahl ins Netz: kein Passwort, keine persönlichen Daten. „Außerdem gibt es keine zeitliche Begrenzung. Und das Mobilgerät wählt sich immer wieder automatisch ein, sobald man den Einzugsbereich des Netzes von Neuem betritt.“ Geklärt ist beim Freifunk zudem: Die Technik des VPT-Tunnels schließt Störerhaftung aus.

Imig wünscht sich deshalb städtische Unterstützung für den Weiterbau am Freifunk. Leute wie er haben bereits viel Freizeit hineingesteckt, er selber auch etwas Spendengeld. Wer Teil des Netzes werden und einen Router anschaffen will, zahlt den Anschaffungspreis von knapp 20 Euro (siehe Infokasten). Freifunk hilft bei Bedarf bei der Installation. Unter den Freifunkern sind laut Imig auch viele kleine Gewerbetreibende wie Gastronomen oder Friseure, die oft mit Spenden helfen.

Aktuell arbeitet der Freifunk daran, auch die neuen Flüchtlingsheime der Stadt ans Netz zu bringen. Die Freifunker treten aber nicht als Dienstleister auf, sagt Andreas Dorfer. Stattdessen wird ein Team von Flüchtlingen aufgebaut, die die 22 Standorte selber anschließen.

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