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Das rote Sofa: Fotokünstler Horst Wackerbarth: Polaroid mit einem weit gereisten Sofa

Das rote Sofa : Fotokünstler Horst Wackerbarth: Polaroid mit einem weit gereisten Sofa

Fotokünstler Horst Wackerbarth fotografierte Besucher einer Fifty-Fifty-Ausstellung. Die Bilder erhalten bei den meisten einen Ehrenplatz.

Düsseldorf. Stolz hält der zehnjährige Leonard ein Polaroid-Bild in der Hand. Dort ist er auf einem Sofa sitzend abgebildet. Nicht irgendein Sofa, sondern die rote Couch, mit der Horst Wackerbarth seit über 30 Jahren die Welt bereist und mit der er Bilder von Menschen, Landschaften, Situationen sammelt. Sie stand zur Eröffnung einer Fifty-Fifty-Ausstellung in der Jägerstraße, Wackerbarth schoss gegen eine Spende Sofortbilder von ganz normalen Besuchern. Kinder, Künstlerkollegen, Freunde, Unterstützer von Fifty-Fifty und an der roten Couch Interessierte kamen für den besonderen Moment vorbei.

Das Fotolabor HSL feiert derzeit 30. Geburtstag und lädt mit einer Foto-Ausstellung in die Galerie. Die gespendeten Kunstwerke werden für den guten Zweck verkauft, die Gelder fließen in ein Haus für Obdachlose, das für rund 400 000 Euro in Holthausen entstehen soll.

Das rote Sofa stand bei der Vernissage im Mittelpunkt, gespannt warteten die Besucher auf Wackerbarths Ankunft. Dann ging es für sie doch recht schnell. Zeit für einmal hinsetzen auf den weichen Polstern, kurz warten, bis Wackerbarth den passenden Winkel gefunden hat — und schon war der Moment vorbei. Was bleibt, ist der Abzug mit Autogramm, der bei den meisten Besuchern einen Ehrenplatz erhält.

„Total cool, wo die Couch überall war — und jetzt habe ich draufgesessen“, sagte Leonard später stolz lächelnd. Seit 1996 ist dieses spezielle Exemplar bereits unterwegs. Leonards Vater hat ihm von dem Projekt erzählt, der Junge wollte unbedingt dabei sein. Die beiden sind speziell für diese Aktion zur Galerie der Obdachlosenhilfe Fifty-Fifty gekommen. „Wenn die Couch schon mal hier ist, muss man das auch nutzen. Wenn man dann auch noch was für den guten Zweck tun kann, ist das das super“, sagt Thorsten Schürmeyer.

Für Annemarie von Sarosdy ist das rote Sofa an sich kein besonderer Anblick. Sie kennt Wacherbarth gut, verfolgt seine Reise mit, war in Ausstellungen mit seinen Werken - unter anderem im NRW-Forum. „Er war einmal mein Nachbar und ist immer noch mein Idol“, sagt die Künstlerin, die selbst in der Fifty-Fifty-Galerie ausstellt. Das ganze Möbelstück einmal für sich zu haben, das war für sie „wie Magie und löste Gefühle aus. Wenn man weiß, wer da alles schon drauf gesessen hat, und jetzt darf man selber ran — das ist schon ein einzigartiger Moment. Ich wäre sehr gern länger drauf geblieben“, erzählt sie. Das Polaroid soll einen Ehrenplatz zwischen den anderen Bildern von Wackerbarth erhalten, die sie daheim an einer Wand hängen hat.

Auch bei Joachim Simon und Martina Weyers wird das Polaroid gerahmt und an einen besonderen Platz gehängt. Die beiden unterstützen gerne die Kunstszene, er ist regelmäßig in der Fifty-Fifty-Galerie, um Bilder zu kaufen — die Aktion begeistert ihn. „Die Couch war schon mehrfach hier, hat für mich für die Stadt Tradition.“ Simon hat das besondere Möbelstück auch schon in anderen Ausstellungen in Düsseldorf gesehen, in Büchern darüber gelesen. „Mir gefällt es, dass das Sofa jetzt sozusagen in seiner Heimat ist. Das gehört immer mal wieder dazu. Schließlich lebt Wackerbarth in Düsseldorf“, sagt er. Dass er nun sogar darauf Platz nehmen konnte, den Künstler in Aktion erleben konnte, macht ihn stolz.