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Fotofestivals mit Qualitätsproblemen

Fotofestivals mit Qualitätsproblemen

OB Geisel appelliert an die beiden Veranstalter und fordert einen gemeinsamen Beirat. Erste Signale für ein Zusammengehen.

Zwei Wochen lang buhlten zwei Fotofestivals um die Gunst des Publikums. Die Fans waren begeistert. Auch an diesem Wochenende unternahmen sie den Rallye-Lauf durch Galerien und Off-Räume mit den unterschiedlichen Stadtplänen unterm Arm. Doch die These von Oberbürgermeister Thomas Geisel, dieses „besondere Kulturevent unterstreicht die Bedeutung Düsseldorfs als Stadt großer Fotokunst“ ging nicht auf. Zu viel Marketing, zu wenig Impulse für die Fotoszene in Deutschland, geschweige denn für andere Länder. Zu viele Bildchen, zu wenig Kunst.

Natürlich loben beide Organisatoren ihre jeweilige Veranstaltung. Der Chef des NRW-Forums, Alain Bieber, der für sein Festival von der Stadt mit 100 000 Euro unterstützt wurde, erklärt: „Wir sind begeistert. Es herrschte eine richtige Festivalstimmung. Zahlreiche internationale Besucher waren erstaunt über das großartige Kunst- und Kulturangebot.“ Er hebt die Party im Weltkunstzimmer an der Ronsdorfer Straße hervor, bei der Orson und Pola Sieverding ein großartiges audiovisuelles DJ-Set aufführten und Mutter Katharina Sieverding in der ersten Reihe glücklich war. Und die Galeristin Clara Sels von der Poststraße urteilt gleichfalls „sehr positiv“. 51 Teilnehmer beim Foto-Weekend seien ein klares Votum für ihre Veranstaltung.

Inzwischen beschleicht allerdings selbst den OB die Skepsis, ob alles so gut gelaufen sei, wenn er sagt: „Ich höre von Teilnehmern, die Qualität sei etwas durchwachsen gewesen. Wir müssen ja nicht alles zulassen, was sich Fotokunst nennt. Es sollte nicht das Kriterium der Freundschaft zu Sels oder Bieber gelten, sondern das Qualitätskriterium.“ Alain Bieber gibt dies indirekt zu, wenn er sagt: „Ich bin von ausländischen Gästen immer wieder nach den wichtigsten Ausstellungen gefragt worden.“ Daraus folgert er, dass man „die Veranstaltungen konzentrieren und eine stärkere Auswahl treffen muss.“ Bieber hatte dies ursprünglich auch geplant, ließ es jedoch wegen der „immensen Animositäten“ aus den Reihen der Gegenseite fallen.

Clara Sels allerdings hält nichts von einer Auswahl: „Das Ganze ist eine Mischkalkulation. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Da ist auch nicht alles top. Aber keine Ausstellung war ganz daneben. Zu den Kollegen haben wir Vertrauen. Das sind alles gestandene Leute. Eine Jurierung wollen wir nicht. Damit stößt man die Leute vor den Kopf.“

Die größten Fehler will man immerhin 2019 beseitigen. So sollen die großen Häuser, die ja offiziell mitmachten, nicht nur ihre schon vor Wochen eröffneten Ausstellungen zeigen, sondern sich tatsächlich um Neues bemühen. Hierzu Bieber, der dafür verantwortlich ist: „Für die großen Häuser war der Vorlauf zu kurz.“ Die „Zeitschiene“ ärgert auch Sels. Die Planung erst ab Oktober sei viel zu kurzfristig gewesen, um Kuratoren zu bekommen. Vom Vorschlag, eine terminliche Kombination mit der Photokina in Köln anzustreben, rückt Bieber selbst ab. „Das war eine erste Idee. Wir sammeln jetzt weitere Reaktionen.“ Kulturdezernent Hans-Georg Lohe warnt davor, den Termin zu nahe an die „Nacht der Museen“ zu legen, denn dabei werde teilweise das gleiche Publikum angesprochen.

Was bleibt, ist die Hauptfrage: Verhalten sich beide Organisationen stur und gehen weiterhin getrennte Wege oder gibt es Signale für eine gemeinsame Veranstaltung? OB Geisel appelliert: „Rauft euch zusammen. Ob die Veranstaltung später Fotofestival oder Foto-Weekend heißt, ist mir egal.“ Geisel sieht einen Ausweg aus dem Dilemma in einem Kuratorium mit Mitgliedern, die von beiden Seiten bestimmt werden. „Alle Beteiligten sind Profis genug, um auf Qualität zu achten, unabhängig von persönlichen Sympathien und Antipathien. Die könnten dann auch über die Gelder bestimmen.“ Dazu merkt Thomas Rieger von der Konrad-Fischer-Galerie ganz cool an: „In ein Kuratorium für ein Fotofestival oder ein Foto-Weekend gehören auf alle Fälle Düsseldorfer Fotokünstler aus der zweiten Becher-Generation wie beispielsweise Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Axel Hütte.“

Erste positive Signale gibt inzwischen Clara Sels, wenn sie sagt: „Bei einer finanziellen Unterstützung durch die Stadt könnte ich mir eine Zusammenfassung vorstellen.“ Na denn. Im „Faust“ läßt Goethe sein Gretchen den berühmten Satz sagen: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!“