Düsseldorf: Fotoausstellung: Anderer Blick auf die Nachkriegszeit

Düsseldorf: Fotoausstellung: Anderer Blick auf die Nachkriegszeit

Die Mahn- und Gedenkstätte zeigt 90 Alltagsbilder von 1946 bis 1951. Alle von einem Fotografen.

Düsseldorf. Das Leben als Historiker kann mühsam sein. Umso größer war die Freude bei Hildegard Jakobs und Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte, als sie vor knapp eineinhalb Jahren auf den fotografischen Nachlass des Journalisten Hans Berben stießen, der im Archiv des Zentrums für Medien und Bildung des LVR schlummerte. Einen „Glücksfall“ nennt Henkel die rund 11 000 Aufnahmen, die von 1946 bis 1951 in Düsseldorf und Umgebung entstanden. Von Dienstag bis zum 30. Oktober sind 90 davon in einer Sonderausstellung in der Mühlenstraße 29 zu sehen.

Foto: ZMB

Das Besondere: Berben war kein professioneller Fotograf, sondern Schreiber. Entsprechend sind kaum klassische Pressefotos oder inszenierte Aufnahmen zu sehen, sondern Alltagsmomente aus einer Zeit des Wandels, die keine andere Kamera eingefangen hat. Das Weinachtsfest für die Arbeiterkinder der Siedlung Tannenhof, der florierende Schwarzmarkt, ein paar Jungs, die Kohle klauen, die Enthüllung des Jan-Wellem-Denkmals oder der Wiederaufbau der Oberkasseler Brücke. Da Berben in der Kultur- und Sportszene gut vernetzt war, durfte er auch hinter die Kulissen gucken. Das trinkfeste Kom(m)ödchen-Ensemble nach einem Auftritt ist ebenso zu sehen wie erste Boxkämpfe oder Fußballspiele.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde. Berben fotografierte die erste Gedenkveranstaltung am Ort der 1938 von den Nazis zerstörten Synagoge ebenso wie Auschwitz-Überlebende. Auch der Aufbruch in die neue politische Zeit ist zu sehen. Als Schreiber eines SPD-nahen Blatts begleitete Hans Berben die großen Parteitage der Sozialdemokraten in Düsseldorf, Akteure des ersten Landtags — wie den erschöpft wirkenden Ministerpräsident Karl Arnold bei einer Zigarettenpause — oder die britische Militärregierung.

Es sind unverfälschte Aufnahmen aus einer Zeit des Verzichts und der Ungewissheit, die sich heutige Generationen kaum vorstellen können. Und die auch den Historikern neue Einblicke in das Düsseldorf der frühen Nachkriegszeit geben. Dabei hatte es Berben nicht auf Plakatives zerbombte Häuser abgesehen, „im Zentrum steht immer der Mensch“, sagt Jakobs. Und gerade das macht die Ausstellung so sehenswert.

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