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Fortuna-Fans: Wer nicht sehen kann, darf hören

Fortuna-Fans: Wer nicht sehen kann, darf hören

Sehbehinderte Fans des Zweitligisten können sich das Spiel 90 Minuten lang kommentieren lassen.

Düsseldorf. Fortuna-Fan Stefan Felix sieht von seinem Stammplatz in Block 1 den Linienrichter vorbei flitzen. Der Rest verschwindet für den Sehbehinderten in einem unscharfen Nebel. „Ich weiß, dass es vor dem Tor gefährlich wird, wenn der Linienrichter Gas gibt, den Rest entnehme ich den Emotionen der Fans“, sagt Felix (Foto: Schaller). Manchmal haut ihn ein Sitznachbar an: „Hast du das gesehen, den muss der Lambertz doch machen.“ Aber Felix hat höchstens das Raunen der Fans gehört. Mit dem Heimspiel der Fortuna gegen Paderborn am 12. März soll sich das ändern. Ab diesem Spiel wird es einen Kommentatoren-Dienst für blinde Anhänger geben. Per Funk-Kopfhörer können dann bis zu zehn Sehbehinderte 90 Minuten am Stück hören, was auf dem Platz geschieht. Kommentiert von Fans für Fans.

Das ist auch der Verdienst des 37-jährigen Felix. Er gehört zur Arbeitsgemeinschaft „Fortuna-Fans mit Handicap“ und hat den Kommentatoren-Service mit Fortunas Behindertenbeauftragter Betty Nowak organisiert. Sie machten sich per Internet auf die Suche nach potenziellen Kommentatoren. „Es haben sich etwa 40 Leute gemeldet, aus denen wir vier ausgesucht haben“, sagt Felix. Auswahlkriterien waren Fußball-Fachwissen, Fortuna-Erfahrung und vor allem Zuverlässigkeit. „Die Spiele werden immer von zwei Kommentatoren erzählt, die sich alle fünf Minuten abwechseln.“ Dabei wird das Spiel natürlich durch die rot-weiße Vereinsbrille geschildert. Aber letztlich soll der Kommentator dem Gegner Respekt zollen. „Schließlich ist der Service auch für sehbehinderte Gästefans gedacht“, sagt Felix. Die passende Technik hat der Klub finanziert.

Einer der vier Kommentatoren ist Uwe Mies (51). Er geht seit 40 Jahren zur Fortuna, und Fußball-Kommentator zu sein, war für ihn ein Kindheitstraum. „Zudem fand ich es faszinierend, dass Menschen ins Stadion gehen, obwohl sie gar nichts sehen können“, sagt der Banker. Mit seinen Kollegen ließ er sich von TV-Kommentator Holger Pfand schulen. „Das war sehr hilfreich. Es ist gar nicht so leicht, anderen das Sehen mit Worten zu ermöglichen.“ Mies erlebt seine Fortuna jetzt auch ganz anders. Er studiert vorher die Gegner und lässt sich während der 90 Minuten nicht ablenken von „Wurst und Bier“.

Die ersten Testläufe beim Wintercup und beim Spiel gegen den FSV Frankfurt waren erfolgreich. Beim 6:0 gegen Frankfurt waren acht Hörplätze belegt. Langfristig sollen es 20 werden.

Stefan Felix hat den neuen Service ausprobiert: „Ich kann endlich richtig beim Spiel dabei sein.“ Jetzt weiß er, ob Patrick Zoundi den Ball hat oder Andreas Lambertz und vor allem wo. Der Linienrichter als Orientierungshilfe hat ausgedient.