Flughafen-Streik: Geduldsprobe zweiter Teil

Flughafen-Streik: Geduldsprobe zweiter Teil

Auch am zweiten Tag muss stundenlanges Warten in Kauf genommen werden. Die meisten Fluggäste sind trotz Streiks entspannt.

Düsseldorf. Es kommt selten vor, dass vor ihrem Laden im Flughafen die Menschen Schlange stehen. Und doch verkauft die 24-Jährige noch weniger Taschen als sonst. Den Wartenden vor der Sicherheitsschleuse am Terminal B steht am Freitag nicht der Sinn nach neuen Accessoires. Sie wollen einfach nur weg. Vom Tresen aus beobachtet die Verkäuferin das Geschehen. So wie schon am Tag zuvor. „Die Leute sind heute im Vergleich zu gestern schon entspannter. Aber dass sie gestresst sind, kann ich auch verstehen“, sagt die junge Frau.

Mit Megaphonen lotst die Mitarbeiter des Flughafens in gelben Warnwesten die Masse aus hunderten von Passagieren von einem Absperrband zum nächsten. „Ganz langsam, meine Damen und Herren. Easy“, versucht ein Mann mit langen Haaren zu besänftigen. So sanft klingend, wie es eben geht durch ein Megaphon. Derweil reicht die Schlange der Wartenden gegen 11.30 Uhr einmal durch die Abflughalle.

Regulär rechnet der Flughafen am Freitag mit 48 500 Passagieren aus 560 An- und Abflügen. Vorsorglich wurden bereits am Donnerstagabend 50 Flüge gestrichen. Bis zum Abend werden von den Fluglinien 161 Flüge gecancelt — davon 135 Abflüge, die den Flughafen zum Teil ohne Passagiere wieder verlassen. „Am stärksten von den Streiks sind die Fluglinien Lufthansa und Air Berlin betroffen“, sagt ein Flughafensprecher. Beide Airlines wollen gegenüber der WZ keine Angaben zum finanziellen Schaden machen. Bis Freitagabend sollten die Streiks laut der Gewerkschaft Verdi anhalten. Die Sicherheitsmitarbeiter fordern einen höheren Lohn. Im Abfertigungsbereich etwa soll in NRW der Stundenlohn nach Willen der Gewerkschaft von 13,50 auf 16 Euro angehoben werden.

Für diese Forderungen hat eine Frau, die nach Teheran fliegen will, nur wenig Verständnis. Sie ist den Tränen nah. „Ich muss arbeiten und zu meinen Kindern. Da hilft auch kein Keks“, raunt sie vorwurfsvoll in Richtung von Nadine Kisters. Die Mitarbeiterin der Flughafenlounge verteilt Butterkekse und Schokolade an die Wartenden. „Wenn jemand mal ausrastet, weil er seinen Anschlussflug verpasst, kann ich das auch verstehen“, sagt Kisters.

Für Ausraster verschwenden Ilona Braff und ihr Mann Horst keine Energie mehr. Es ist fast Mittag. Seit 8.30 Uhr stehen sie in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle. Einen Zeitvertreib gibt es für sie nicht. „Wir müssen ja am Ball bleiben“, sagt der Weseler. Jederzeit könne es schließlich vorangehen. Nach Hurghada soll es gehen. „Na ja, aber nach dieser Sache ist der Urlaub eh versaut“, sagt Horst Braff. Immerhin hebt ihr Flieger am Ende ab — mit dreieinhalb Stunden Verspätung.

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