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Düsseldorf: Flughafen: Der Zoll jagt Exoten-Schmuggler

Düsseldorf : Flughafen: Der Zoll jagt Exoten-Schmuggler

Schildkrötenpanzer, Wurzelpulver und Krokodilköpfe entdeckten die Fahnder am Flughafen im vergangenen Jahr.

Düsseldorf. Die acht Panzer der Zackenerdschildkröte liegen in einer Plastiktüte mit Etikett sicher verschlossen im Schrank des Zolls am Flughafen. Sie sind eine der jüngsten Entdeckungen der Fahnder: Im Dezember hatte eine Reisende aus China die Panzer im Gepäck. „Ich gehe davon aus, dass sie die zerreiben und einnehmen wollte“, erklärt Zollsprecher Michael Walk — wegen der diversen Heilkräfte, die ihnen in Asien nachgesagt werden. „Aber diese Schildkröte gilt als stark gefährdet.“ Der Urlauberin droht jetzt ein Strafverfahren.

Düsseldorf: Flughafen: Der Zoll jagt Exoten-Schmuggler
Foto: Judith Michaelis

Sie war nicht die Einzige im vergangenen Jahr. Ein 44-Jähriger etwa brachte einen Nilkrokodilkopf mitsamt Haut aus Mauritius mit — vor Ort für 25 US-Dollar erstanden. „Den wollte er angeblich seiner Mutter schenken“, berichtet Walk. Im Gepäck einer anderen Reisenden (42) fanden die Beamten 32 Päckchen mit Pulver und chinesischen Schriftzeichen darauf: Es handelte sich um die indische Kostuswurzel — ebenfalls ein angebliches Wundermittel. „Diese Wurzel ist aber auch artengeschützt“, erklärt Walk. „Es geht also nicht nur um Tiere: Es sind sogar wesentlich mehr Pflanzen- als Tierarten geschützt.“

Als zunächst typischer Fall erschien ein Tourist, der aus Panama zurückkehrte und Korallenbruchstücke mitbrachte. Walk: „Das kommt relativ häufig vor.“ Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass auch etwas, das sie einfach am Strand aufheben, unter den Artenschutz fallen kann. Der 66-jährige Reisende blieb den Zollfahndern dennoch speziell im Gedächtnis, weil er versuchte, seine 14 Jahre alte Tochter zu beschuldigen — in der fälschlichen Annahme, sie sei noch strafunmündig. Das Bußgeld zahlte er dann aber doch.

In seinem Schulungsraum im Cargo-Gebäude am Flughafen hat der Zoll über die vergangenen zehn Jahre ein regelrechtes Museum aufgebaut. In den Vitrinen finden sich Mülleimer aus Elefantenfüßen, ein ausgestopfter Schimpanse und Gehörknochen eines Pottwals, die als Hänsel und Gretel bemalt sind. „Im Urlaubsgefühl setzt bei vielen Menschen die Vernunft einfach aus“, sagt Michael Walk.

Er zeigt aber auch eine richtig fiese Touristenfalle: Goldschmuck mit eingearbeitetem Elefantenhaar, das auf den ersten Blick überhaupt nicht auffällt. Walk stellt klar: „Wenn ein Tier geschützt ist, dann ist wirklich jeder Teil geschützt.“ Und Unwissenheit schütze nicht vor Strafe — die geht bei einem Bußgeld los und kann sogar bis zu einer Haftstrafe reichen.

Der Düsseldorfer Zoll tut viel für die Aufklärung, damit das nicht passiert; bietet Veranstaltungen bei Tourismusmessen und in Zoos an. Im Aquazoo präsentierte er den Artenschutz auf einer eigenen Fläche. Auch auf diese Arbeit führt Walk die positive Entwicklung zurück: Die Zahl der aufgedeckten Verstöße am Düsseldorfer Flughafen lag in den vergangenen Jahren stets bei nur rund 15, auch 2015 stagniert sie wohl auf diesem niedrigen Niveau.