Flügel: Vladimir Horowitz’ legendärer Zauberkasten in Düsseldorf

Flügel: Vladimir Horowitz’ legendärer Zauberkasten in Düsseldorf

Der legendäre Konzertflügel des großen Pianisten befindet sich im soeben eröffneten Steinway-Haus an der Immermannstraße.

Düsseldorf. Der fast drei Meter lange mattschwarze Flügel der Marke Steinway & Sons, der noch bis zum 13. Januar im Steinway-Haus Düsseldorf steht, das am vergangenen Montag an der Immermannstraße eröffnete, ist schon durch die ganze Welt geflogen. Denn das Instrument gehörte dem legendären amerikanischen Pianisten Vladimir Horowitz (1903-1989).

Von 1949 bis zu seinem Lebensende spielte er nur noch an seinem "treu ergebenen Freund", wie er den aus Holz und Metall bestehenden Dreibeiner nannte. An diesem Flügel brachte Horowitz die größten Konzertsäle auf allen Kontinenten zum Kochen.

Nun steht das gute Stück auf dem kleinen Podium des "Rachmaninow-Raums", der sich am Ende der Geschäftsräume hinter einer großen Glasfront befindet. Und jeder Interessent darf ihn - nach vorheriger Anmeldung - berühren, ja sich tatsächlich an ihn ransetzen und spielen.

Legenden ranken sich um Horowitz’ Flügel. Die Tasten ließen sich so leicht hinunterdrücken, dass nur Horowitz auf ihm habe spielen können. Schon beim ersten Anspielen erweist sich diese Geschichte als Unsinn. Die Mechanik zeichnet sich zwar tatsächlich durch eine geschmeidige Leichtgängigkeit aus, aber sie bietet genug Widerstand für ein griffiges Spielgefühl.

Nun wird auch klar, wie Horowitz diese unendlich zarten Töne erzeugen konnte. Dieses unglaubliche Instrument ermöglicht einfach die feinsten Nuancen und eine enorme Spielgeschwindigkeit. Girlanden im Diskant glitzern wie Sternenstaub.

Die Interessenten, die nun im Steinway-Haus vorstellig wurden, zeigen sich restlos begeistert. "Man darf nicht daran denken, dass Horowitz mit diesem Flügel Begeisterungsstürme entfachte, sonst kriegt man vor Ehrfurcht keine Taste runter gedrückt", sagt Tobias Dreier, der sich kürzlich einen modernen kleinen Flügel angeschafft hat. Der Horowitz-Flügel unterscheide sich in seiner äußerst sensiblen Spielart deutlich von anderen. "Der ist klanglich eine echte Persönlichkeit."

Ganz von den Socken ist auch Nils Bauch, ein 19-jähriger Hobby-Pianist. "Den Tag werde ich nie vergessen", sagt er ergriffen. Er finde es überaus großzügig von der Firma Steinway, dass jedermann auf diesem wertvollen Instrument spielen dürfe. Den eigentlichen Geld-Wert könne man nicht beziffern, sagt Verkaufsleiter Wolfgang Kaczmarek. "Der Horowitz-Flügel ist unverkäuflich, sein Wert einfach unschätzbar."

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