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Abschiebung vermieden: Flüchtling Enzu darf in Gerresheim bleiben

Abschiebung vermieden : Flüchtling Enzu darf in Gerresheim bleiben

Der 17-Jährige aus Guinea spielt in der B-Jugend der Sportfreunde. Er war von Abschiebung bedroht. Nun gibt es Hoffnung.

Düsseldorf. Die Nachricht kam in der Nacht von Freitag auf Samstag. Und an Schlaf war fortan nicht mehr zu denken. Ralf Borufka konnte es kaum noch abwarten, Enzu über die Neuentwicklung zu informieren. Aber den von Abschiebung bedrohten Flüchtling aus Guinea mitten in der Nacht aus dem Bett werfen wollte der Geschäftsführer der Fußballabteilung der Sportfreunde Gerresheim dann doch nicht. Also musste er noch einige Stunden warten, bis sich die B-Jugend des Vereins am nächsten Mittag zu einem Meisterschaftsspiel traf.

Zu der gehört seit drei Wochen auch Enzu, der derzeit in der Flüchtlingsunterkunft an der Heyestraße lebt und der am liebsten den ganzen Tag Fußball spielen würde. Doch wie lange er überhaupt noch in Deutschland bleiben darf, stand bis Freitagabend in den Sternen. Die Behörden glaubten Enzu nicht, dass er noch unter 18 Jahre alt ist. Immer wieder hieß es, er könnte jederzeit abgeschoben werden. Enzu selbst beteuerte mehrmals, erst 17 zu sein. Als am Wochenende dann endlich die Bestätigung von den Behörden aus Guinea kam, dass er wirklich noch nicht volljährig ist, fiel nicht nur Borufka, sondern allen bei den Sportfreunden ein riesiger Stein vom Herzen.

Als sich die Mannschaft dann samstags traf und der Geschäftsführer Enzu die freudige Nachricht mitteilte, war es um den 17-Jährigen, der vor acht Monaten nach einer dreijährigen Flucht in Düsseldorf ankam, geschehen: „Wenn er keine Ohren hätte, hätte er wohl einmal um den kompletten Kopf gelacht“, erinnert sich Borufka, der „in diesem Moment selbst einen Kloß im Hals hatte“.

Denn obwohl Enzu wegen einer Operation lange keinen Sport treiben durfte und erst seit drei Wochen in der B-Jugend kickt, ist er allen längst ans Herz gewachsen. „Er ist der Auslöser dafür, dass wir letztens das Freundschaftsspiel gegen die Flüchtlinge gemacht haben“, sagt Borufka. „Als wir gehört haben, dass er abgeschoben werden könnte, war klar, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen, um das zu verhindern.“ Also nahmen die Sportfreunde Kontakt zu den Behörden in Guinea auf und kümmerten sich um die Unterlagen.

Für seinen Verein sei es völlig normal, sich um die zu kümmern, die viel Leid erlebt hätten. Gerade in Zeiten von rassistischen Hetzern wie Pediga und Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte sei es an der Zeit, ein Zeichen zu setzen. „Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Die Flüchtlinge sind unsere Nachbarn“, sagt der 36-Jährige und erzählt, dass noch weitere Flüchtlingskinder in den Jugend-Teams der Sportfreunde spielen.

Wie es langfristig mit Enzu weitergeht, ist trotzdem unklar. Am 20. März 2016 wird er volljährig. Dann könnte es von Neuem losgehen. Borufka und die Sportfreunde wollen deswegen weiter kämpfen: „Es wird nicht einfach, aber wir haben jetzt ein Jahr gewonnen.“