Fleher Brücke: Neuer Blitzer ist noch nicht scharf

Fleher Brücke: Neuer Blitzer ist noch nicht scharf

Seit Mittwoch erschrecken rote Blitze Raser auf der Fleher Brücke — Knöllchen gibt’s aber vorerst noch nicht.

Düsseldorf. Es hat sich etwas verändert auf der Fleher Brücke. Wo viele Autos sonst mit 100 bis 110 Stundenkilometern auf die Rampe über den Rhein donnerten, herrscht plötzlich strikt Tempo 80. Seit Mittwoch vergangener Woche stehen dort — kurz hinter der Auffahrt Bilk — zwei graue Säulen, die in den ersten Tagen rote Blitze beinahe im Sekundentakt abgefeuert haben. Inzwischen haben die Pendler begriffen: Hier wird jetzt kontrolliert. Aber die neuen Blitzer sind noch überhaupt nicht in Betrieb.

„Wir sind in der Test-Messung“, erklärt Sebastian Veelken vom Ordnungsamt. „Die Anlage misst — aber die Verstöße werden nicht geahndet, weil die Geräte noch nicht geeicht sind.“ Wann es so weit sein wird, kann er noch nicht sagen. „Es wird aber vorher eine ordnungsgemäße Ankündigung geben.“

Der Grund für die Tempoüberwachung an der Fleher Brücke ist der Lärmschutz für die Anwohner aus Wersten und Flehe. Deshalb soll es bald auch in Gegenrichtung Starenkästen geben — in gleicher Höhe wie jetzt Richtung Neuss und „unmittelbar nach Abschluss der Straßenbauarbeiten“, sagt Veelken. Die Fahrbahnsanierung dauert laut Landesbetrieb Straßen NRW noch bis Oktober an.

Mit der neuen Anlage hat die Stadt jetzt zehn stationäre Blitzer. 680 000 Raser wurden 2012 erwischt. 12,9 Millionen Euro aus Verwarn- und Bußgeldern bekam die Stadt. Entgegen dem Empfinden vieler Düsseldorfer steigen diese Einnahmen nicht: 2009 etwa waren es 13,4 Millionen Euro — möglicherweise war diese Zahl so hoch, weil Anfang Oktober 2009 die Starenkästen im Rheinufertunnel in Betrieb gingen, die allein im ersten Monat zu mehr als 10 000 Verwarngeldern führten. Schon im Dezember war diese Zahl halbiert. „Bis ein richtiger Gewöhnungseffekt eintritt, dauert es etwa ein Jahr“, glaubt Veelken.

An einen Gewöhnungseffekt bei stationären Blitzern glaubt auch Umweltpsychologe Kai Lenßen. Allerdings kritisiert er: „Der Effekt ist kurzfristig.“ Unmittelbar hinter dem Starenkasten gäben Ortskundige wieder Gas. Und vor der Kontrollstelle sieht er zudem „ein latentes Unfallrisiko“: An den Messstellen an der Südbrücke sei zu besichtigen, wie Autofahrer direkt vor dem Blitzer herunterbremsen — und so andere Fahrer behindern.

Gefruchtet habe die Kontrolle aber in der Tat im Rheinufertunnel: Dort wird an zwei Stellen in jede Richtung gemessen und die Blitzer sind kaum zu erkennen. Lenßen: „Da fährt man dann lieber konstant langsam.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung