Festival: Verknallt in die Urväter des Punkrock

Festival: Verknallt in die Urväter des Punkrock

Jörg Büscher ist Fan der Ramones. Im September organisiert er ein Benefiz-Festival.

Düsseldorf. Als kürzlich sein Telefon für ein paar Tage streikte, traf es Jörg Büscher bis ins Mark: Er war unerreichbar. Ausgerechnet jetzt. Immerhin ist der 46-jährige Düsseldorfer derzeit auf einer Mission — für sich, für den guten Zweck, für die Liebe seines Lebens: die Ramones. Jörg Büscher ist verknallt in die amerikanischen Urväter des Punks und wird ihnen am 7., 8. und 9. September in der „Bar 95“ am Flinger Broich eine Liebeserklärung machen.

15 Bands hat er zusammengetrommelt zu einem dreitägigen Festival — für Joey, Johnny, Tommy, Marky, Dee Dee, Richie und CJ. So heißen die noch Lebenden oder schon Verstorbenen, die irgendwann einmal in dieser New Yorker Band Musikgeschichte schrieben und als zweite Kraft neben den Sex Pistols den Punk einläuteten.

Und während andere vielleicht aufgeregt davon berichten, dass sie beim Einkaufsbummel durch Düsseldorf zufällig Campino getroffen haben, kann Jörg Büscher von einer Zeit erzählen, in der er regelmäßig die Hände von Legenden schüttelte, auf die sich heutige Rock-Schwergewichte wie die Toten Hosen, Green Day oder Metallica demütig berufen.

Von 1981 bis zur Band-Auflösung 1996 reiste er den Ramones zu 123 Konzerten in 17 Ländern hinterher und lernte die Musiker privat kennen — lange bevor das Band-Logo mit dem US-Adler zu jenem Mode-Zeichen wurde, als das es heute T-Shirt-Kollektionen in aller Welt ziert.

Der Tag, der alles veränderte, kam im Mai 1989: Seine Lieblingsband spielte im italienischen Dueville. „Ich hatte meinen Urlaub so gelegt, dass ich die Jungs auf ihrer Tour durch den Süden begleiten konnte“, erinnert er sich. Indes: Der Plan „Sommer, Urlaub, Musik“ drohte schon am ersten Stopp zu scheitern.

„Das Konzert war ausverkauft und ich hatte keine Karte.“ Weil er „so belämmert“ ausgesehen haben muss, wie er da auf dem Parkplatz vor der Halle neben seinem über tausende Kilometer südwärts geprügelten Auto stand, habe ihn plötzlich der Chef des italienischen Ramones-Fanclubs angesprochen — und ihn aus Mitleid über die Gästeliste reingeschleust.

Es war der Kontakt, auf den Jörg Büscher so lange gewartet hatte: „Ich schüttelte den Musikern die Hand, war von da an immer häufiger dabei. Und wenn die Leute erstmal deinen Namen kennen, geht vieles leichter.“ So leicht, dass Jörg Büscher als Hobby-Schlagzeuger irgendwann einmal bei einem Ramones-Soundcheck für Trommler Marky auf die Felle hauen durfte.

Der kaufmännische Angestellte gründete den nach einem Song benannten deutschen Fanclub der Band, „Loudmouth“, organisierte kleinere Tribut-Konzerte. Und weil Punk eben auch etwas mit Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft zu tun hat, firmiert das kommende Konzert unter dem Titel „Beat on Cancer“ — „Besiege den Krebs“: Das Geld, das zusammenkommt, wenn internationale Ramones-Coverbands ohne Gage spielen, signierte Fanartikel verlost und rare Bandbilder gezeigt werden, geht an das Kinderhospiz „Regenbogenland“ in Düsseldorf.

Schließlich starben mit Joey und Johnny bereits zwei Ramones-Gründungsmitglieder an Krebs.

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