Mobilität: Familien zeigen: Es geht auch ohne Auto in Düsseldorf

Mobilität: Familien zeigen: Es geht auch ohne Auto in Düsseldorf

Mit Kindern, aber ohne Pkw — freiwillig leben die wenigsten so. Die WZ stellt zwei Familien vor, die bewusst aufs Auto verzichten.

Düsseldorf. Immer wieder hört und liest man: Jüngere Menschen schenken ihr Herz der Kommunikationstechnik und haben ein distanziertes Verhältnis zum Auto. Allerdings ist die Zahl der zugelassenen Pkw in Düsseldorf in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Familien ohne eigenen Wagen sind nach wie vor die große Ausnahme. Die WZ stellt zwei vor.

Eileen (37) und Axel Seider (39) schauen oft in verblüffte Gesichter: „Mit Kindern und ohne Auto — wie schafft ihr das?“, fragen viele. Im Alltag mit Fahrrad, Rheinbahn und zu Fuß, lautet die Antwort. Von der Wohnung in Pempelfort kann Eileen Seider alle Einkäufe locker zu Fuß erledigen, den Hacken-Porsche, wie sie ihn nennt, hat sie meist dabei.

Ihr Mann Axel ist dagegen viel mit dem Rad unterwegs, wenn es nicht gerade stark regnet: zur Arbeit, zum Sport, zum Einkaufen. Ins Büro am Mörsenbroicher Ei genießt er die Route durch den Grünstreifen des einstigen Derendorfer Güterbahnhofs: „Oft bekomme ich mit, wie Auto fahrende Kollegen morgens genervt ankommen, weil sie sich gerade durch den Stau gekämpft haben.“

Klar, manches ist ohne Auto schwieriger. Axel Seider war aber auch schon mit dem Rad bei Ikea in Reisholz und hat die gekauften Möbel dann liefern lassen. Zum jährlichen Skiurlaub in die Alpen geht es regelmäßig mit dem Zug. Ganz ohne Auto lebt die Familie allerdings nicht: Den Sommerurlaub verbringen Seiders diesmal in Italien und leihen sich für diese Zeit den Wagen von Axel Seiders Eltern.

Gegen das eigene Auto, sprechen laut Axel Seider „ganz viele Gründe“. Viele Wege seien in Düsseldorf kurz, Parkplätze in Pempelfort sehr knapp, ein Wagen würde in ihrem Fall die meiste Zeit ungenutzt rumstehen. Finanziell gesehen würden sich die hohen Kosten eines Autos dann aber nicht lohnen, sagen die beiden. „Es sind vor allem pragmatische Gründe“, fasst Axel Seider zusammen. Auch wenn beide andeuten, dass sie froh sind, sich dadurch auch ökologisch sinnvoll zu verhalten. Die Reaktionen unter Bekannten oder Kollegen seien nach der ersten Überraschung oft positiv. „Wenn ich könnte, würde ich es auch so machen“, das bekommen die Seiders dann oft zu hören. Dabei glaubt Eileen Seider, dass es bei vielen eher eine Frage des Wollens als des Könnens wäre.

Auch Agnes Grochocki (36) aus Bilk hat sich an das Leben ohne Auto inzwischen gewöhnt. Ergeben hat es sich vor Jahren durch die Trennung von ihrem Ex-Mann: „Jetzt bin ich schon so lange nicht mehr gefahren, dass ich mich hinter dem Steuer unsicher fühlen würde“, sagt sie.

Vermissen tue sie nichts. Zurzeit ist sie in Elternzeit, ansonsten kann sie von ihrer Wohnung im südlichen Bilk ihren Arbeitsplatz in 15 Minuten zu Fuß erreichen. Auch der achtjährige legt den täglichen Weg zur Grundschule zu Fuß zurück. „Meine Eltern wohnen in Wuppertal, die Verbindung dorthin mit der S-Bahn ist gut.“

Auch Agnes Grochocki vermisst das Auto manchmal, vor allem, wenn es um größere Einkäufe geht. Viele Fahrten mit Bus und Bahnen würden auch länger dauern als mit dem Pkw. Andererseits sei sie von Bilk aus sehr schnell in der Innenstadt, bei viel Verkehr schneller als mit dem Auto.

Ansonsten fährt die Familie außerdem viel Rad, Agnes Grochocki allerdings zuletzt gar nicht, weil ihr Fahrrad gestohlen worden ist. Sie sagt: „Ein echtes Problem habe ich jetzt nur, wenn die Rheinbahn streikt.“