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„Fahrradfahrer fühlen sich oft nicht ernst genommen“

„Fahrradfahrer fühlen sich oft nicht ernst genommen“

Steffen Geibhardt, Fahrradbeauftragter der Stadt, sagt, was Radler in Düsseldorf stört und was ihn dennoch optimistisch stimmt.

Welches sind die Themen, mit denen die Düsseldorfer Fahrradfahrer am häufigsten zu Ihnen kommen?

Steffen Geibhardt: Es geht meistens um Überwachung, Baustellen und Nicht-ernst-genommen-Fühlen. Außerdem sagen die Radfahrer, dass sie zwar merken, dass sich in der Stadt etwas für sie tut, aber es geht ihnen nicht schnell genug.

Was fehlt mit Blick auf das Thema Überwachung?

Geibhardt: Dass Autofahrer auf Radwegen parken, ist ein Phänomen, das es in vielen Städten gibt. Es ist in Düsseldorf allerdings ganz besonders ausgeprägt. Ein Beispiel: Wir haben erlebt, dass auf der Friedrichstraße ein Falschparker abgeschleppt wurde und noch während dessen sich ein anderer Fahrer dorthin stellte.

Was kann man dagegen tun?

Geibhardt: Wenn das Ordnungsamt Schwerpunktaktionen gegen Falschparker startet, zeigt das Wirkung. Aber es ist natürlich auch klar, dass das Ordnungsamt bei der Vielzahl seiner Aufgaben nicht dauerhaft Schwerpunktaktionen gegen Falschparker fahren kann.

Was sind die Schwierigkeiten an den Baustellen?

Geibhardt: Wenn Baustellen eingerichtet werden, gibt es eine Vielzahl von Dingen zu beachten, damit alle Verkehrsmittel daran vorbeikommen. Radfahrer sind oft die Leidtragenden, weil sie als letztes berücksichtigt werden, weil ihre Wege oft ins Nichts oder vor ein Hindernis führen. Es gibt leider keine Tradition, in solchen Fällen auch an die Radfahrer zu denken.

Woran liegt das?

Geibhardt: Radverkehr wurde in Düsseldorf lange dahin gepackt, wo noch ein Eckchen frei war. Jetzt ist der Platz verteilt und wenn man dem Radverkehr nun mehr Gewicht geben möchte, muss man den anderen etwas wegnehmen. Das führt zu Konflikten. Damit wären wir bei dem Punkt Nicht-ernst-genommen-Fühlen.

Woher kommt das?

Geibhardt: Das sind viele Kleinigkeiten: Mülltonnen, die auf den Radstreifen gestellt werden, Baustellenschilder, die im Weg sind - die Wende zum Radverkehr ist eben mehr als der Bau von Wegen. Ich spüre in diesem Zusammenhang aber deutlich einen Stimmungswechsel.

Was macht diesen aus?

Geibhardt: Wir setzen jetzt viele Anreize fürs Fahrradfahren. Wenn das mehr und mehr Menschen annehmen, dann gehen auch mehr und mehr Menschen zum Politiker ihres Vertrauens und sagen ihm, was nicht gut läuft. Das wird das Bewusstsein verändern.

Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Geibhardt: Als wir vor 20 Jahren das erste Mal im Verkehrsausschuss vorgeschlagen haben, Einbahnstraßen für Radfahrer zu öffnen, sind wir rausgeflogen. Heute ist es ganz selbstverständlich, dass immer mehr Straßen dafür vorgeschlagen werden.

Woher kommt dann das Gefühl der Radfahrer, dass es nicht schnell genug geht?

Geibhardt: Als wir das Konzept für das Radhauptnetz vorgestellt haben, hatten wir die Hoffnung, dass wir 2017 loslegen können. Leider hat aber das Planen länger gedauert als erwartet. Mal fehlte ein Gutachten, dann wurde plötzlich ein Schacht entdeckt, lauter solcher Kleinigkeiten. Jetzt sind wir aber so weit, und jetzt geht es Schlag auf Schlag.