Fahrradfahren im Winter – so klappt es

Verkehr: Fahrradfahren im Winter – so klappt es

Auf kalte Temperaturen und Frost müssen sich Radler besonders einstellen.

„Langsamer fahren“, das ist einer der grundlegenden Tipps, die Ernie Adolph zum Radfahren im Winter gibt. Er ist seit 24 Jahren Fahrradkurier und wohl bei nahezu jedem Wetter unterwegs. Doch auch für die Kleidung und die Ausstattung des Rads gibt es ein paar Dinge, die das Fahren im Winter einfacher machen.

1. Die richtige Kleidung

„Das beste am Radfahren ist, dass man seine Heizung direkt an Bord hat“, sagt Ernie Adolph. Will heißen: Wer sich bewegt, dem wird automatisch warm. Trotzdem stellt auch er sich auf frostige Temperaturen ein. Hände und Füße gilt es besonders zu schützen — die werden als erstes kalt und beim Radfahren auch wenig bewegt. Bei langen Fahrten greift er auch mal auf Wärmepads in den Schuhen zurück. Ansonsten hält er es mit der Kleidung eher einfach. Winddicht sollte sie in jedem Fall sein. Christina Wolff vom ADFC NRW empfiehlt zusätzlich helle Kleidung mit Reflektoren, um besser sichtbar zu sein. „Wenn es richtig kalt wird, sollten keine freien Hautstellen hervorblitzen“, rät sie.

2. Das richtige Zubehör am Rad

Das Fahrrad will gut auf den Winter vorbereitet sein. Wer schon recht abgefahrene Reifen am Rad hat, sollte die am besten vor dem Winter schon austauschen. Breitere Reifen seien besser geeignet, als dünne Rennreifen. Außerdem sei natürlich ein funktionierendes Fahrradlicht ein Muss — gerade wenn es früher dunkel werde. Am besten, so rät der ADFC, sollte man das Licht schon bei Dämmerung anschalten. Welche Beleuchtung man benutzt — ob Dynamo, LED mit Batterie oder Akku  —, sei nicht wichtig. Sie sollte vom vor allem funktionieren und vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen sein. Blinkende Beleuchtung, erinnert der ADFC, sei nicht zugelassen. Kleiner Zusatztipp, was das Zubehör angeht: Ein kleines Enteisungsspray in der Tasche könne zugefrorene Fahrradschlösser nach einem langen Arbeitstag leichter öffnen lassen.

3. Das Fahrverhalten anpassen

Im Winter fährt Ernie Adolph viel langsamer, als sonst. Als Fahrradkurier ist er üblicherweise eher schnell unterwegs. Wenn das Wetter schlechter wird, müsse aber auch er einen Gang runter schalten. „Manchmal passe ich die Strecken, die ich fahre auch an, um gefährliche Stellen zu vermeiden“, sagt er. Etwa Schienen oder Stellen, an denen der Asphalt besonders glitschig wird, wenn es schneit oder regnet und friert. Außerdem fahre er noch vorausschauender als sonst. „Der  Bremsweg wird bei nasser Straße einfach länger. Das muss man mit einrechnen“, sagt er. Für mehr Reibung und weniger Wegrutschgefahr empfiehlt der ADFC, ein bisschen Luft aus den Reifen zu lassen. In einer Kurve sollte man vermeiden, zu bremsen. Kurven sollten außerdem nicht zu eng gefahren werden. Wichtiger Hinweis: Wenn Radwege nicht gestreut oder geräumt sind, muss man diese auch nicht benutzen.

4. Das Fahrrad schützen

Wer jeden Tag mit dem Rad fährt, der hat dafür wahrscheinlich etwas mehr Geld ausgegeben. Für alles metallische ist das Salz, das im Winter gestreut wird, Gift. Wer nicht will, dass „einem das Fahrrad unter dem Hintern wegrostet“, wie Ernie Adolph es formuliert, der sollte seinen Drahtesel am Abend vor dem Abstellen noch ein wenig pflegen. Salzige Rückstände mit Wasser abwaschen und am besten auch ein bisschen nachfetten oder wachsen. Gerade im Winter sei es praktisch, so Adolph, wenn man kleine Reparaturen auch ohne Werkstatt selbst erledigen könne. Der Rollsplit, der oft gestreut wird, tue den Reifen nicht gut, ein Platten könnte häufiger vorkommen. Auch die Bremsklötze leiden unter dem Winter. Die sollte man im besten Fall schon auf Vorrat zu Hause haben, um sie schnell wechseln zu können. Der ADFC weist zudem darauf hin, dass Pedelec-Fahrer ihre Akkus besser im Warmen aufbewahren sollten, um Schäden durch Kälte zu vermeiden.

Wenn das Wetter allerdings zu winterlich werde — dann steige sogar der Fahrradkurier einmal ganz ab. Und das, obwohl es bei ihm beim Fahrradfahren nicht nur um frische Luft und Bewegung geht, sondern ums Geld verdienen. „Manchmal muss man einfach vorsichtig sein. Wenn es zu gefährlich ist, geht die Gesundheit eben vor“, sagt er.

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