Experiment mit Chaos-Potenzial - Düsseldorf schafft Umweltspuren

Markierungsarbeiten starten : Experiment mit Chaos-Potenzial - Düsseldorf schafft Umweltspuren

In dieser Woche ist es soweit: Düsseldorf markiert auf zwei wichtigen Verkehrsachsen sogenannte Umweltspuren. Inkrafttreten sollen sie kommende Woche. Das bundesweit beachtete Experiment hat Chancen und Risiken.

In dieser Woche rücken in Düsseldorf Teams aus, um Fahrbahnen neu zu markieren. Auf zwei wichtigen Nord-Süd-Achsen soll je eine von zwei Spuren in jede Richtung zur sogenannten Umweltspur werden. Das Experiment wird bundesweit beachtet und hat neben den Chancen für die Umwelt auch Potenzial für Pendlerfrust und Verkehrschaos.

Die Umweltspuren sollen dazu beitragen, Dieselfahrverbote abzuwenden. Fahren dürfen auf ihnen nur Busse, Fahrräder, Taxis und Autos mit Elektro-Antrieb. Geprüft wird noch, ob später auch Fahrgemeinschaften die Umweltspuren nutzen dürfen.

Die Markierungsarbeiten beginnen am Donnerstag. In Kraft treten werden die neuen Spuren am Montag kommender Woche auf der Merowinger Straße und einen Tag später auf der Prinz-Georg-Straße, wie die Stadt am Montag mitteilte. Kontrollieren soll die Einhaltung der neuen Fahrverbote die Polizei.

Die Umweltspuren sollen dazu beitragen, Dieselfahrverbote abzuwenden. Fahren dürfen auf ihnen nur Busse, Fahrräder, Taxis und Autos mit Elektro-Antrieb. Geprüft wird noch, ob später auch Fahrgemeinschaften die Umweltspuren nutzen dürfen.

Sie sind zunächst auf ein Jahr angelegt. Dann wird geprüft, ob sie die Luftwerte verbessert haben. Den morgendlichen Weg in die Landeshauptstadt dürften sie für viele Berufspendler zu einer noch größeren Geduldsprobe werden lassen.

Täglich 25 000 Fahrzeuge nutzen die Merowinger-Straße, eine wichtige Nord-Süd-Achse der Stadt. Entsprechend lärm- und schadstoffbelastet ist sie. Die Prinz-Georg-Straße bringt den Verkehr von Norden hinein - über sie rollen 22 000 Fahrzeuge täglich.

„Die Umweltspuren sind ein erster Schritt, um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu vermeiden und um die Luftqualität auf besonders stark belasteten Straßenabschnitten zu verbessern“, sagt Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). „Die autogerechte Stadt ist kein Zukunftsmodell.“

Düsseldorf bleibt kein Einzelfall: Köln hat eine Umweltspur auf der Aachener Straße beschlossen. Sie soll im kommenden Dezember umgesetzt werden. Essen prüft ihre Einführung für den inneren City-Ring und will im Mai darüber entscheiden.

Automobilwirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer hat die Spuren als „Schildbürgerstreich“ bezeichnet. Er erwarte mehr Staus und mehr Emissionen, sagte er der „Westdeutschen Zeitung“.

Mehr als 300 000 Menschen kommen werktags aus dem Umland zur Arbeit in die Landeshauptstadt mit gut 600 000 Einwohnern. Der Pendleranteil liegt damit bei 60 Prozent der Menschen, die in Düsseldorf arbeiten, berichtet das Statistische Landesamt.

Mit breiten Fahrradwegen hatte man bereits vor einiger Zeit die Wege der motorisierten Pendler in die Landeshauptstadt zu Nadelöhren verengt. Nun steht den Autos mit Verbrennungsmotoren noch weniger Raum zur Verfügung. Kilometerlange Rückstaus könnten die Folge sein.

Menschen, die diese Routen als ihren Arbeitsweg nutzen, berichten, die Straßen seien bereits jetzt „brechend voll“ und im Berufsverkehr von langen Rückstaus gezeichnet.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte die Bezirksregierung bereits 2016 verpflichtet, „schnellstmöglich“ für die Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte in Düsseldorf zu sorgen. Fahrverbote für Diesel-Motoren seien dazu ausdrücklich erlaubt. Die will die Landesregierung aber unbedingt verhindern.

(dpa)
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