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Ex-Verfassungsschützer: Verrat aus Langeweile

Ex-Verfassungsschützer: Verrat aus Langeweile

52-Jähriger steht nach dem Urteil vor dem Nichts.

Viele Jahre war ein 52-Jähriger bei einer Bank angestellt. Weil ihm der Job langweilig wurde, wechselte der Kaufmann im vergangenen Jahr zum Verfassungsschutz, obwohl er dort weniger Geld verdiente. Die Salafisten-Szene sollte der Vater von vier Kindern beobachten. Stattdessen trieb sich der Mann in islamistischen und rechtsradikalen Internet-Foren herum, lobte die Pariser Terroranschläge und verriet sogar Einsatzorte an einen mutmaßlichen Islamisten. Der allerdings war ebenfalls ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes und brachte den „Kollegen“ auf die Anklagebank. Gestern kam der 52-Jährige mit einer milden Strafe davon. Das Landgericht verurteilte ihn nur zu einem Jahr Haft auf Bewährung.

Als der Fall im November vergangenen Jahres an die Öffentlichkeit kam, war die Aufregung groß. Zunächst wurde befürchtet, dass Islamisten den Verfassungsschutz unterwandert hatten. Stattdessen stellte sich bald heraus, dass es sich bei dem Bankkaufmann um eine Person handelt, die zu „Theatralik und Wichtigtuerei neigt“, wie es das Gericht im Urteil formulierte.

Noch als er bei der Bank beschäftigt war, hatte der Mann unter falschem Namen zwei Fake-Accounts in Internet-Foren angelegt. Damit suchte er Kontakte zu Rechtsradikalen und Islamisten, während er daheim auf seinen behinderten Sohn aufpasste. Telefonisch legte der Angeklagte sein Bekenntnis zum Islam ab, auf Deutsch und Arabisch.

Schließlich wurde ein verdeckter Fahnder des Verfassungsschutzes aufmerksam. Den ermunterte der Angeklagte zu einem Anschlag auf die Geheimdienstzentrale in Köln, weil das doch in „Allahs Sinne“ sei. Außerdem verriet er dem mutmaßlichen Glaubensbruder Einsatzorte gegen Salafisten. Da es sich aber um einen Kollegen handelte, wurde dies nur als „versuchter Geheimnisverrat“ gewertet.

„Niemand tut das mehr leid als mir“, sagte der 52-Jährige gestern in seinem Schlusswort. Nach dem Urteil steht der Mann vor dem Nichts. Er ist natürlich seinen Job los und seine Ehefrau hat die Scheidung eingereicht. Denn im Zuge der Ermittlungen kam heraus, dass der Familienvater ein Doppelleben führte und Pornofilme für Homosexuelle gedreht hat.