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Düsseldorf: Ex-Flüchtling organisiert Ramadan-Taxi

Düsseldorf : Ex-Flüchtling organisiert Ramadan-Taxi

Ein Düsseldorfer Unternehmer fährt Flüchtlinge unentgeltlich mit dem Reisebus zum Ramadan-Festival nach Dortmund.

Düsseldorf. Idris Akgül kam als Flüchtling nach Deutschland. In Düsseldorf hat sich der 35-Jährige vom einfachen Hilfsarbeiter zum erfolgreichen Geschäftsmann hochgearbeitet. Nun will er anderen notleidenden Menschen helfen. Während des muslimischen Fastenmonats sponsert er Flüchtlingen die Fahrt zum Ramadan-Festival nach Dortmund.

Foto: Sergej Lepke

Die Geschichte von Idris Akgül beginnt im Jahr 1996, als der gebürtige Kurde aufgrund politischer Unruhen aus der Türkei fliehen muss. In Deutschland wird er mit seiner Familie zunächst in einem Flüchtlingsheim in Saarbrücken untergebracht. „Der Anfang in Deutschland war sehr schwer für uns“, erinnert sich Akgül. „Wir sprachen kein Wort Deutsch, hatten keine Beschäftigung und lebten von rationierten Lebensmittelpaketen.“

Foto: Sergej Lepke

Doch nach einem Jahr ändert sich die Situation für Akgül schlagartig. Durch die Vermittlung eines katholischen Priesters erhält er die Chance, ein Internat in Wezel zu besuchen. Nach dem Abschluss findet er in Düsseldorf eine neue Heimat. Nach verschiedenen Jobs in Kneipen in der Altstadt macht er sich 2007 mit der Vermarktung von Telefonkarten selbstständig.

Für Akgül ist seine eigene Vergangenheit und die Hilfsbereitschaft, die er während der ersten Jahre in Deutschland erfahren hat, ein Grund, nun anderen zu helfen. „Von heute auf morgen seine Heimat zu verlassen und in ein Land zu ziehen, dessen Kultur und Sprache man nicht versteht, ist für viele Flüchtlinge eine große Herausforderung“, sagt er. „Deshalb will ich den Menschen Mut machen und ihnen zeigen, dass ein Neuanfang in Deutschland möglich ist.“

In den vergangenen drei Wochen fuhr Akgül jeden Freitag Flüchtlinge aus Wuppertal, Mönchengladbach und Dortmund mit einem Bus kostenlos zum Ramadan-Festival, um mit ihnen das allabendliche Fastenbrechen zu zelebrieren. Unterstützung erhielt Akgül von einem befreundeten Geschäftsmann, der ihm für die Aktion einen Reisebus zur Verfügung stellte.

„Viele Flüchtlinge sind dankbar, dass ich ihnen die Fahrt ermöglicht habe“, sagt Akgül. „Bei einigen kommt auch eine große Sehnsucht auf, da sie die Atmosphäre stark an die Ramadan-Feiern in ihrer Heimat erinnert.“

Am Donnerstag endet der Ramadan-Monat und das dreitägige Zuckerfest beginnt. Für Akgül endet damit der wöchentliche Fahrdienst. Im kommenden Jahr will er die Aktion aber unbedingt fortführen. „Ich hoffe, dass mehr Menschen und Firmen auf die Aktion aufmerksam werden und wir dadurch noch mehr Unterstützen erfahren.“