Europameisterschaft in Düsseldorf Warum Düsseldorf bei der Euro 2024 zum Fanmagneten wird

Düsseldorf · Verbände der Teilnehmernationen kündigen hohes Interesse am Aufenthalt in Düsseldorf an. Hotelpreise gehen schon durch die Decke.

Ob Deutschland in der Arena spielen wird, ist noch offen. Das wäre aber im Viertelfinale möglich.

Ob Deutschland in der Arena spielen wird, ist noch offen. Das wäre aber im Viertelfinale möglich.

Foto: M.i.S./M.i.S./Bernd Feil

Bei der Fußball-Europameisterschaft wird Düsseldorf vom Besuch der internationalen Fanszene geprägt sein. Die Verantwortlichen in der NRW-Landeshauptstadt rechnen damit, dass die in der Arena spielenden Teams von jeweils mehr als 10 000 Ticketinhabern aus dem Heimatland begleitet werden. Bei einem ersten Treffen in Frankfurt mit Vertretern von Fan- und Fußballverbänden stellte sich heraus, dass die pro Nation reservierten Kontingente von eben diesen 10 000 Karten bereits nahezu vergriffen sind.

Weitere Fans aus den teilnehmenden Ländern kommen aber auch mit Tickets aus dem freien Verkauf oder reisen sogar ohne Eintrittskarten zur Unterstützung an. Lisa Unverfert vom Düsseldorfer Projektteam berichtet von „durchweg positivem Feedback“ und großer Vorfreude der Nationen auf Düsseldorf. Schon jetzt sei klar: „Die Stimmung wird da sein.“ Sowohl in der Stadt wird sie international geprägt sein, aber auch im Stadion wird es klassische Fan-Blöcke geben, also am 17. Juni etwa bei der Partie gegen Österreich eine französische Kurve ganz in Blau. Am Stadion werden den jeweiligen Fangruppen auch getrennte Zugänge zugewiesen, im Süden über das Messegelände, im Norden über den Europaplatz.

Zudem hat sich laut Unverfert in den Gesprächen herausgestellt, dass die Fans nicht erst zum Spiel an- und direkt danach wieder abreisen werden. Die Vorfreude auf Düsseldorf sei groß, „es gibt vor allem ein großes Interesse an der Kultur, von den Museen bis zu den Hausbrauereien“. Und das gilt nicht nur für die bei den drei Vorrundenspielen in Düsseldorf antretenden Nationen Frankreich, Österreich (17. Juni), Slowakei (am 21. Juni gegen Play-Off-Sieger) sowie Albanien und Spanien (24. Juni). Denn auch mit Vertretern aus England gibt es bereits enge Gespräche. Obwohl die Fußballnation mit gewohnt besonders präsent auftretender Anhängerschaft nicht in Düsseldorf spielt, gibt es mit Köln und Gelsenkirchen Austragungsorte ganz in der Nähe. Der Nationalverband teilte dem Projektteam in Düsseldorf nun laut Unverfert mit, dass viele englische Fans planen, sich in Düsseldorf aufzuhalten und dort auch zu übernachten, weil die Stadt als so attraktiv wahrgenommen werde.

Das spiegelt sich auch schon in den Hotelpreisen wider, die etwa für den 17. Juni für die Nacht auf Dienstag rund dreimal so hoch sind wie eine Woche zuvor, manche Hotels bietet für diesen Termin auch nur mehrere Nächte an. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hatte für die hiesige Wirtschaft bereits hochgerechnet, dass schon nur Ausgaben von 100 Euro pro Fan Einnahmen von mehr als 20 Millionen Euro in der Stadt ausmachen werden. Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf, betonte auch mittelbare Effekte für das Image der Stadt, etwa als touristisches Ziel. Thomas Neuhäuser, Euro-Projektleiter in Düsseldorf, betont die Bedeutung der aus der Stadt in die Welt gesendeten Bilder und die enormen „ökonomischen Ausstrahlungseffekte“, zudem dürften sich alle auf ein großes internationales Eurofestival in Düsseldorf freuen.

Die Bedeutung der
Rheinbahn wird groß sein

Auch über das Anreiseverhalten der Fans gibt es bereits Auskünfte. Demnach ist laut Neuhäuser weniger damit zu rechnen, dass das eigene Auto genutzt werde. Nur im Fall von Albanien könnte sich ein größerer Teil der Fans aus der Region mit dem Pkw auf den Weg machen. Ansonsten würden die Reisen aus den Teilnehmernationen eher mit Bus, Bahn oder auch per Flugzeug absolviert.

Das bedeutet: Im Gegensatz zu einem ausverkauften Fortuna-Spiel werden viel seltener Auto oder Fahrrad zur Anreise zum Stadion genutzt werden. Um so größer wird die Bedeutung der Rheinbahn sein, zumal die Eintrittskarten zur Mitfahrt berechtigen. Vor diesem Hintergrund werden zusätzlich Shuttlebusse von Hauptbahnhof und auch Flughafen eingesetzt. Allein rund 16 000 Fans können laut Neuhäuser in 90 Minuten per Bahn über den Europaplatz transportiert werden (der Arena-Bahnhof darf ja nicht genutzt werden, da er in der Sicherheitszone liegt). Im Vergleich zu einem Fortuna-Spiel ist die Stadionkapazität allerdings geringer (47 000 statt 52 000), zudem werden die Fans bei diesem Ereignis laut Neuhäuser früher zum Stadion kommen, was für Entzerrung sorgen werde. Insgesamt bereite der Weg zum Stadion keine Sorgenfalten, da Düsseldorf seine Leistungsfähigkeit immer wieder unter Beweis stelle. Zuletzt etwa beim ausverkauften Spiel gegen St. Pauli bei parallel laufender Boot-Messe und Großdemo mit 100 000 Teilnehmern.

Falls es die Nationalverbände wünschen und es die Gefahrenabwehrbehörden für sinnvoll erachten, werden zudem so genannte Überlaufflächen im Rheinpark und Aquazoo aktiviert, allerdings sind sie bislang ohne Leinwände und Programm geplant. Auch Fanmärsche von dort sollen zum Stadion möglich sein. Wahrscheinlicher würden die allerdings, wenn im Achtel- (1. Juli) oder Viertelfinale (6. Juli) wirklich die Niederlande oder England in Düsseldorf spielen sollten.

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