Erprobungsstufe: Viele Kinder müssen die Schule wechseln

Erprobungsstufe: Viele Kinder müssen die Schule wechseln

Sehr viele Sechstklässler sind am Gymnasium gescheitert, nun wird es an Realschulen eng.

Düsseldorf. Die Ferien haben begonnen, tausende Schüler genießen gerade die ersten Ferientage — doch für viele ist die Freude getrübt: Nach der sechsten Klasse endet die Erprobungsstufe.

Und für manche Gymnasiasten heißt das: Sie müssen sich nach einem Platz an einer Realschule umsehen. Realschüler wiederum müssen ihre Laufbahn an der Hauptschule fortsetzen. Nach diesem Schuljahr sind offenbar in Düsseldorf besonders viele Kinder betroffen.

Allein rund 25 Anmeldungen von Gymnasiasten für die siebte Klasse hat zum Beispiel die Werner-von-Siemens-Realschule in den vergangenen Wochen erhalten. Allerdings haben die Kapazitäten in dem Jahrgang nicht ausgereicht, alle anzunehmen, sagte Schulleiter Gerd Weiß der Westdeutschen Zeitung.

„Bewerber aus dem Umland haben wir generell abgelehnt. In anderen Fällen empfehlen wir andere Realschulen oder regen an, ob nicht doch ein Übergang in die siebte Klasse des Gymnasiums sinnvoll sein könnte“, so der Schulleiter.

Fragt man die Schulleiter nach den Gründen, verweisen die meisten auf die Empfehlungen am Ende der Grundschulzeit, die nicht mehr bindend sind. Oft würden Kinder aufs Gymnasium geschickt, bei denen die Eignung zweifelhaft sei.

Weiß: „Wir erklären auch ein zweites oder drittes Mal, die Gymnasien haben schon wegen des Drucks von G8 dafür keine Zeit.“ Nach Weiß’ Erfahrung reichen gute Noten für den Erfolg am Gymnasium nicht aus. Wichtig seien auch Selbstständigkeit, Frustrationstoleranz und Eigenantrieb.

Wie viele Schüler betroffen sind, dazu macht die Stadt keine Angaben. Zwar arbeiten die Schulen nach Aussage von Rektoren mit dem Schulverwaltungsamt zusammen. Trotzdem hieß es am Montag: „Wissen wir nicht.“

Auch bei der Flora-Realschule haben sich Bewerber von Gymnasien gemeldet, bestätigt deren Leiter Sebastian Delißen. In Einzelfällen sehe er das Verfahren aber kritisch: „Wenn einer nur wegen einer fünf in Latein bei uns landet, kann es gut sein, dass er hinterher unterfordert ist.“

Andererseits beobachtet Delißen einen gegenläufigen Trend: „Wir hatten zuletzt in den fünften Klassen auch eine merkliche Zahl von Kindern mit Gymnasialempfehlung. Das sind vor allem Jungen, deren Eltern offensichtlich von G8 abgeschreckt sind.“

Das ganze Verfahren spielt sich auf einer anderen Stufe identisch ab. Auch viele Realschüler scheitern nach der sechsten Klasse, für sie bleibt der Gang an eine Hauptschule. Zehn Bewerber hat Klaus-Peter Vogel, Sprecher der Hauptschul-Rektoren, an seiner Schule in der Bernburger Straße gezählt: „Die Kurve geht wieder nach oben.“

Auch er sagt, darunter sei eine erhebliche Zahl von Schülern ohne Realschulempfehlung. Generell ist die Aufnahme der Kinder an den Hauptschulen aber einfacher, weil dort mehr Kapazitäten frei sind.

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