Düsseldorf Entschärfung in Düsseldorf - Sieben Stunden Ausnahmezustand

Für die Entschärfung einer Fliegerbombe mussten 2300 Anwohner ihre Wohnung räumen — und zwei Seniorenwohnheime evakuiert werden.

Düsseldorf: Entschärfung in Düsseldorf - Sieben Stunden Ausnahmezustand
Foto: Judith Michaelis

Düsseldorf. Um Punkt 11.34 Uhr hatte Jost Leisten seine Arbeit wieder ohne Zwischenfälle erledigt. Der Zünder war aus der amerikanischen Fünf-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg herausgedreht. Als die Bombe kurze Zeit später fachgerecht verladen war, bestand keine Gefahr mehr für die Anwohner der Merziger Straße und der unmittelbaren Umgebung in Derendorf. Eine knappe halbe Stunde hatte die Entschärfung gedauert. Immerhin 100 Kilogramm TNT befinden sich in der Bombe, das hätte ausgereicht, um die umliegenden Gebäude zu zerstören. Eine Spezialfirma kümmert sich um die Entsorgung.

Düsseldorf: Entschärfung in Düsseldorf - Sieben Stunden Ausnahmezustand
Foto: Stadt Düsseldorf

Am Montagnachmittag war der Sprengkörper bei Bauarbeiten entdeckt worden. Zu spät, um die Entschärfung noch am gleichen Tag vorzunehmen. „Weil wir auch zwei Seniorenwohnheime evakuieren mussten, haben wir uns in Absprache mit dem Kampfmittelräumdienst entschieden, dies auf den Dienstag zu verschieben“, sagte Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen.

Ganz früh am Morgen wurde die Maschinerie in Gang gesetzt. „Wir sind seit fünf Uhr im Einsatz, haben die Wohnheime geräumt und um acht Uhr haben wir mit der Sperrung des kritischen Bereiches begonnen.“ Während im erweiterten Radius um die Bombe herum 4400 Menschen in ihren Wohnungen bleiben sollten, mussten in der näheren Umgebung rund 2300 Anwohner den Gefahrenbereich und damit ihre Häuser verlassen. Das betraf auch 80 Bewohner eines Pflegeheims. Viele Senioren wurden in die Aula des Max-Planck-Gymnasiums gebracht. Dort wartete ein Frühstück auf sie. „Um kurz nach neun Uhr hat mich der Krankenwagen hergebracht. Die Leute waren sehr freundlich und haben mir bei allem geholfen“, sagt Roswitha Stockinger. Auch Hildegard (86) und Karl-Heinz Koegler (89) sind voll des Lobes über die Einsatzkräfte: „Das war alles ganz toll organisiert. Und beim Gefahrentelefon haben wir alle nötigen Informationen bekommen.“ Am Vortag haben sie dem Bagger zugeschaut, bis der auf einmal aufhörte zu arbeiten und die Arbeiter in der Baugrube ganz hektisch wurden. „Da haben wir uns schon gedacht, dass irgendetwas nicht stimmt.“ Angst haben sie aber nicht. „Wir haben im Krieg erlebt, was es heißt, wenn die Bomben links und rechts einschlagen. Aber hier glauben wir nicht, dass etwas passiert.“

Sie sollten recht behalten. Seit über 20 Jahren entschärft Jost Leisten Bomben. „Ich zähle sie nicht mehr, aber es dürften inzwischen weit über 100 Bomben gewesen sein. Diese hatte einen Aufschlagzünder, deshalb war die Entschärfung relativ leicht. Viel gefährlicher sind Kleinmunition wie Handgranaten oder Minen.“ Während der Entschärfung kam es zu starken Einschränkungen im Verkehr. Im Schienenverkehr kam es zu Teilausfällen und Umleitungen bei sechs Regionalexpress- und drei S-Bahn-Linien. Das hatte vor allem Auswirkungen auf den Fernbahnhof am Flughafen, der zwischenzeitlich nur von einer S-Bahnlinie angefahren wurde.

Bei der Rheinbahn mussten die Straßenbahnlinien 704, 705 und 707 sowie die Buslinie 834 umgeleitet werden, auch nach der Entschärfung gabe es noch stundenlang Verspätungen. „Es gab aber keine nennenswerten Probleme“, sagte Rheinbahnsprecherin Annika Bödefeld.

Insgesamt waren 170 Kräfte der Feuerwehr, Polizei, Stadtwerke, Rheinbahn, Hilfsorganisationen sowie des OSD und des Amtes für Verkehrsmanagement im Einsatz.

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