English Theatre Düsseldorf spielt "Zoo Story" von Edward Albee

Theater : English Theatre Düsseldorf spielt "Zoo Story" von Edward Albee

Komisch, grotesk und bitter: Im New Yorker Central Park trifft Middleclass-Vertreter Peter auf den gescheiterten Jerry. Die Begegnung endet tragisch.

Vögel zwitschern. Von Ferne rauschen Autos vorüber. Kaum wahrzunehmen für Peter, der im Central Park zwischen Sträuchern und Bäumen auf einer Bank sitzt und in ein Buch versunken ist. Kaum zu trüben scheint die Idylle für den Verlagsangestellten, der regelmäßig auf dieser Bank Ruhe sucht - vor seiner Frau, zwei Töchtern und zwei Papageien. Doch diesmal wird die entspannte Atmosphäre gestört durch Jerry. Er, ein unruhiger Mann in offenem kariertem Hemd, quasselt drauflos, verwickelt den Middleclass-Vertreter in ein Gespräch. Als aufdringlich, störend und unangenehm empfindet das Peter. Der Biedermann in Anzug und Krawatte windet sich, setzt sich demonstrativ an das andere Ende der Bank. Doch Jerry lässt sich nicht abwimmeln.

Komisch grotesk, aber auch nachdenklich beginnt „The Zoo Story“ (Zoogeschichte) von Edward Albee jetzt auf der kleinen Bühne im Theatermuseum. Das Außergewöhnliche: Darsteller Oleg Karpenko (Jerry) und Tom Zahner (Peter) spielen das ungleiche Herren-Duo in englischer Sprache. Inszeniert von der Britin Rosie Thorpe für das „English Theatre Düsseldorf“. Das Profi-Ensemble der Kanadierin Ilya Parenteau, das im letzten Herbst bereits in der Komödie Neil Simons Kultstück „The Odd Couple“ herausbrachte (parallel zur hauseigenen Inszenierung), stellt nun im Jägerhofhaus erneut eine englischsprachige Produktion vor. Der Einakter des New Yorkers Edward Albee (2016 verstorben und weltberühmt durch „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“) ist für eine deutsche Bühne geeignet, da er 1958 nicht in den USA, sondern im Berliner Schillertheater aus der Taufe gehoben wurde.

In Englisch? Keine Panik! Selbst wer den Inhalt auf der Wikipedia-Seite vorher nicht liest, findet sich schnell zurecht im Dialog auf und vor der Parkbank und zwischen den übergroßen Mikado-Stäben, mit denen Bühnenbildnerin Angela Lorenz den New Yorker Central Park minimalistisch darstellt. Als hilfreich erweisen sich ebenfalls Albees einfache, klare Sprache und die Konzentration auf Jerry, der den Großteil des Textes bewerkstelligen muss. Ebenso die deutliche, langsame Bühnensprache und das eindeutige Agieren der beiden Mimen.

Nervös auf und ab läuft er vor der Bank, auf der Peter gerade noch sein Buch gelesen hat. Peter lässt sich von Jerry Details seines Lebens aus der Nase ziehen. Während Jerry seine Geschichte erzählt – er sei homosexuell, hause in einer winzigen Wohnung, leide unter einer unförmigen älteren Nachbarin. Er berichtet von den Tieren im Zoo und einem Hund, den Jerry  trotz seines Ekels mit Fleischmassen und ‚Hamburgern‘ vollstopft, der aber zum einzigen Freund in seinem tristen Leben geworden ist. Oleg Karpenko gibt sich weniger als ‚angry young man‘ denn als ein frustrierter, vom Leben enttäuschter Mann, der nach außen freundlich bleibt, aber insgeheim mit dem Leben abgeschlossen hat.

Zunächst schafft er es nicht, Peter in seiner Selbstzufriedenheit zu erschüttern. Erst als er ihn von der Bank schubst, Peter aber auf seinem Recht besteht, zückt Jerry ein Messer, übergibt es Peter, der ihn in blinder Wut ersticht. Wie auf Bestellung stirbt Jerry. Erst dann verändert sich Peter, läuft schreiend davon und ist nicht mehr derselbe Mensch. Fazit: 60 kurzweilige Theater-Minuten voller Komik, Groteske und Bitterkeit.

8., 9. 10. März, 20.-22. März, Theatermuseum. Tickets: www.english-theatre-duesseldorf.de

 

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