Endlich mal ins Schwimmbad

Endlich mal ins Schwimmbad

Mit der Unterstützung von Sponsoren ermöglicht es die Caritas Mädchen und Jungen, an Schwimmkursen teilzunehmen.

Von der katholischen Kindertagesstätte St. Michael in Lierenfeld bis zum Düsselstrand ist es nicht weit. „Die meisten Kinder der Einrichtung wohnen zwei, drei Kilometer vom Schwimmbad entfernt“, weiß der Kölner Diözesan-Caritasdirektor Frank Johannes Hensel. „Da könnte man doch theoretisch öfter schnell mal hin.“ Theoretisch. Die Realität sieht anders aus. Von den 13 Vorschulkindern der Kita hatten alle 13 noch nie ein Schwimmbad von innen gesehen. Weder den Düsselstrand noch ein anderes. Bis jetzt. Denn dank eines Caritas-Projektes lernen diese Kinder nun schwimmen.

„Delfin-Freunde“ heißt die Initiative der Kölner Caritas. Mit der Unterstützung von Sponsoren ermöglicht es der Verband 50 Mädchen und Jungen aus Köln und Düsseldorf, an Schwimmkursen teilzunehmen. Bis zu den Sommerferien sollen sie ihre Seepferdchen-Abzeichen abgelegt haben.

Wieso die Lierenfelder Vorschulkinder noch nie in einem Schwimmbad waren, hat einen einfachen wie traurigen Grund. „Ihre Eltern können es sich schlicht nicht leisten“, sagt Frank Johannes Hensel. Zwar sei der Eintrittspreis für den Düsselstrand moderat, damit sei es aber nicht getan. Fahrtkosten, vielleicht eine Portion Pommes oder ein Getränk und natürlich auch die passende Ausstattung, also Badehose und Handtuch. „Das alles kommt hinzu und ist für viele Familien einfach zu viel.“

Wie wenig Geld vielen Familien zur Verfügung steht, beobachtet auch die Leiterin der Kita St. Michael, Karin Moseke, immer wieder. Manche Kinder bringen gar kein Frühstück mit, andere haben einen kalten Hamburger vom Vorabend in ihrer Butterbrotdose. Auch gibt es Mädchen und Jungen, die in der Kita zum ersten Mal eine Zahnbürste benutzen oder die ganze Woche die selben Klamotten tragen. „Und wenn das Geld schon fürs Frühstück nicht mehr reicht, sind Dinge wie ein Besuch im Kino, Zoo oder Schwimmbad schon gar nicht mehr drin“, sagt Karin Moseke.

Dabei bedeutete echte gesellschaftliche Teilhabe für Kinder mehr als ein Frühstück oder Mittagessen in der Kindertagesstätte, sagt Hensel und kritisiert gleichzeitig das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung. Dieses sei so bürokratisch, dass „am Ende oft einfach nichts bei den Kindern ankommt.“ Eltern müssten bis zu 19 eng beschriebene Din A 4-Seiten studieren, um Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen. „Wir müssen Beratungen anbieten, damit Familien die Anträge überhaupt richtig verstehen, ausfüllen und abgeben können“, sagt Hensel. Das könne nicht Sinn und Zweck des Ganzen sein. „Es wird Geld zur Verfügung gestellt, das aber überhaupt nicht abgerufen wird, weil es zu kompliziert ist.“

Dass ihnen etwas fehle, würden die betroffenen Kinder oft erst dann merken, wenn sie es kennenlernen, sagt Karin Moseke. „Als die Gruppe zum ersten Mal im Schwimmbad war, hatte ein Großteil der 13 Kinder sofort Spaß und ist richtig aufgeblüht.“ Auch die meisten Familien hätten sehr positiv auf das Angebot reagiert. „Anfängliche Skepsis und Ängste gab es aber auch.“ Vor allem bei geflüchteten Familien, die Wasser aufgrund ihrer Erfahrungen als bedrohlich empfinden.

Neben Teilhabe geht es beim Projekt Delfin-Freunde aber auch um Sicherheit. Schließlich seien laut einer Studie der DLRG 60 Prozent aller Kinder unsichere Schwimmer, sagt Hensel.

Zwar könne es die Caritas nicht leisten, allen Kindern der Stadt Schwimmkurse zu ermöglichen, dennoch soll die Initiative weitergehen. „Wir haben noch den ein oder anderen Kurs in der Mache“, kündigt der Caritasdirektor an. Auch Karin Moseke hofft auf die Unterstützung weiterer Sponsoren, damit das Angebot auch an der Kita St. Michael fortgeführt werden kann. Die Kosten betragen samt Fahrtkosten und Ausstattung rund 500 Euro pro Kind und Kurs.

Wer die „Delfin—Freunde“ unterstützen möchte, kann sich bei der Caritas unter Telefon 0221 2010-284 melden.

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