Fußball-Europameisterschaft in Düsseldorf „Hochrisikospiele sehe ich bei der EM nicht“

Düsseldorf · Das Düsseldorfer Fanprojekt hatte Vertreter der Polizei eingeladen, um über „Fußball im Spannungsfeld zwischen Emotion und Sicherheit“ zu diskutieren.

In der Gastkurve der Fans von Fortuna Düsseldorf brennt beim Hinspiel gegen den VfL Bochum ein Bengalo.

In der Gastkurve der Fans von Fortuna Düsseldorf brennt beim Hinspiel gegen den VfL Bochum ein Bengalo.

Foto: dpa/David Inderlied

Wie emotional es im Fußball zu geht, war zuletzt beim Relegationsspiel der Fortuna in Bochum zu sehen. Nach dem 0:3 in Bochum sah man lauthals jubelnde Fortuna-Fans, die aus Begeisterung Bengalos abfeuern. Auf der anderen Seite tieftraurige Bochumer, die frustriert mit Tränen in den Augen schon vor dem Schlusspfiff das Stadion verließen. Damit in der emotional aufgeladenen Atmosphäre nichts passierte, hatte sich die Polizei auf einen „brisanten Abend“ und auf ein „Hochrisikospiel“ vorbereitet, „Wir hatten so viele Polizisten vor Ort wie noch nie in dieser Saison“, sagte Bochums Polizeisprecher Jens Artschwager. Bereits ab dem Nachmittag war die Polizei im Umfeld sichtbar.

„Hochrisikospiele sind in der absoluten Minderheit. Manchmal wundere ich mich über die Lageeinschätzung der Polizei“, meinte der Leiter des beim Jugendring angedockten Düsseldorfer Fanprojekts Benjamin Belhadj. „Die Lageeinschätzungen der Fanszenen und der Polizei gehen meist auseinander.“ Belhadj war auf Einladung der Hochschule Düsseldorf (HSD) zu einer Podiumsdiskussion mit dem Leitenden Polizeidirektor Günther Epple zum Thema „Fußball im Spannungsfeld von Emotion und Sicherheit“ gekommen. „Die Polizei beurteilt jedes Spiel einzeln. Im Vorfeld sprechen wir mit Vereinen, den Kommunen, Fan-Organisationen, wir greifen auf die Erfahrungswerte der vergangenen Jahre zurück. Deshalb wundert es mich, dass viele meinen, die Lagebeurteilung besser machen zu können als die Polizei“, meinte Epple. „Es gibt Kollegen, die sich das ganze Jahr über nur mit Fußball beschäftigen.“ Eingebettet war die Diskussion in die HSD-Veranstaltungsreihe „Fußball bewegt – Potenziale, Probleme, Perspektiven“ anlässlich der anstehenden Fußball-Europameisterschaft.

Obwohl es um die großen Emotionen ging, die dem Fußball innewohnen, verlief die Gesprächsrunde unter der Leitung von Sabine Reimann extrem sachlich. Wohl auch, weil es den Organisatoren Horst Peters und Christian Peters nicht gelungen war, einen Vereinsfan aus der Ultra-Szene ins Audimax der HSD zu locken. „Wir wollten auch jemanden aus der Fanszene dabei haben, aber alle Clubs aus NRW sind abgesprungen“, verrät Horst Peters. „Christian hat alles versucht, aber niemand war bereit.“

Aber auch ohne den wahrscheinlich emotionalsten Teil der Diskussion ging es munter hin und her. So brach Belhadj eine Lanze für die Nutung von Bengalos in den Fanblöcken, während Epple betonte, dass das mindestens eine Ordnungswidrigkeit sei, die zur Straftat werden könne. Gesprochen wurde über das oft martialische Erscheinungsbild der Polzei mit Körperschutz, Schlagstöcken und Helmen. Ist das Ursache oder Wirkung von Gewalt rund um den Fußball?

Auch das leidige Thema Polizeigewalt bei Einsätzen kam zur Sprache. Über Fan-Gewalt und Provokationen gegen Polizisten wurde indes kein Wort verloren. Wie man Polizeieinsätze im Fußball-Umfeld vermeiden können, dafür hatte Epple einen Rat. „Haltet euch an Recht und Gesetz. Rechstfreie Räume werden wir nicht dulden“, so der Polzeidirektor, der mehrere Hundert Spiele von Bayern München, München 1860 und SV Unterhaching als Einatzleiter polizeilich betreut hat.

Für die anstehende EM gab Epple größtenteils Entwarnung. „Es sind andere Fans, die ihrer Nationalmannschaft hinterher reisen. Hochrisiko-Spiele sehe ich da bei der EM nicht“, urteilt der Polizist. Eine komplette Entwarnung gibt er aber nicht, denn es gäbe eine hohe abstrakte Gefährdungslage. „Es gibt den Aufruf des IS, die EM als Anschlagsziel zu nutzen“, so Epple. „Auch die Bedrohungslage durch Drohnen aus der Luft ist neu, aber wir sind vorbereitet.“

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