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Eine Stunde Geburtstag musste reichen

Eine Stunde Geburtstag musste reichen

SPD-Parteichef Andreas Rimkus wird an Heiligabend 55 Jahre alt. Ein Gespräch über Politik und ein besonderes Geburtsdatum.

Der Düsseldorfer SPD-Chef und Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus hat ein bewegtes Jahr hinter sich gebracht. Der Machtverlust der SPD im Landtag, die Niederlage der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl und eine persönliche Zitterpartie um den Wiedereinzug in den Bundestag. Heute, am Heiligabend, will er mit seiner Familie in Bilk zur Ruhe kommen. Gefeiert wird da bestimmt auch: Andreas Rimkus ist „Christkind“ und wird am Sonntag 55 Jahre alt.

Herr Rimkus, Sie haben Heiligabend Geburtstag. Geht der bei all den Feierlichkeiten unter? Und wie war das als Kind oder Jugendlicher?

Andreas Rimkus: Ja, der Klassiker, ich höre oft ’Du, Armer’. Und in der Tat, ich kenne keine Kindergeburtstage. Stattdessen durfte ich an meinem Namenstag, am 30. November, einen Kindergeburtstag feiern. Später, als Jugendlicher, war es toll. Da habe ich mit meinen Kumpels immer reingefeiert, denn Heiligabend hatten alle ja frei.

Und wie war sonst der Ablauf am Heiligabend?

Rimkus: Ich hatte mit meinen Eltern und meinen Schwestern um 9 Uhr ein Geburtstagsfrühstück. Es gab einen Teller mit Äpfeln, Nüssen und Mandelkernen und ein Matchbox-Auto. Nach einer Stunde war der Geburtstag vorbei, Weihnachten fing an. Meine Schwestern packten ihre Geschenke ein, mein Vater schmückte den Baum und meine Mutter verschwand in der Küche.

Und wie sieht der Tag heute aus?

Rimkus: Ähnlich. Um 9 Uhr beginnt das Geburtstagsfrühstück mit meiner Frau, meiner Tochter und meinen Sohn. Es gibt einen Teller mit Äpfeln, Nüssen und Mandelkernen und ein Geschenk. Nach einer Stunde verschwinden alle, meine Frau in die Küche und ich schmücke den Tannenbaum. Aber ein paar Freunde kommen auch vorbei. Der Vorteil: Meinen Geburtstag vergisst keiner.

Auch zu Weihnachten müssen wir über Politik reden. Sie haben Ende November in einem Radio-Interview erklärt, dass die Große Koalition aus Ihrer Sicht tot ist. Wie bewerten Sie dies heute?

Rimkus: Ich bin bekanntlich kein Freund der Großen Koalition. Am liebsten hätte ich eine sozialdemokratisch geführte Regierung, eine Ampel mit den Grünen und der FDP oder den Linken. Das alles erscheint noch möglich. Auch, dass Angela Merkel nach zwei Jahren ihr Amt aufgibt und ein Sozialdemokrat Kanzler wird.

Die Regierungsbildung bleibt also wirklich spannend?

Rimkus: Ja. Und das hat die Kanzlerin verschuldet. Sie hat in zwölf Jahren kein Reformprogramm angestoßen. Man weiß nicht, was sie will, sie hat keine Ideen und ist für mich mittlerweile eine tragische Figur. Und die SPD ist nicht dazu da, ihre vierte Kanzlerschaft zu retten.

Warum lehnen Sie die Große Koalition eher ab?

Rimkus Unser Ziel ist es nicht, in Berlin Minister zu stellen. Wichtig ist, dass wir, egal ob in der Regierung oder in der Opposition, unsere Inhalte ins Fenster stellen. Das sind die Bereiche Pflege, Gesundheit, Bildung, Rente, gute Arbeit, die öffentliche Sicherheit und die Finanzen für die Kommunen.

Fallen Ihre Weihnachtsferien in diesem Jahr wegen der Vorbereitung der Sondierungsgespräche aus?

Rimkus: Als Abgeordneter ist es ohnehin schwierig, Urlaub zu planen. Zwischen den Feiertagen nehmen wir uns ein paar Tage Ruhe. Ich möchte mir auch den neuen Star-Wars-Film im Kino anschauen.

Was ist Ihre Aufgabe zurzeit in Berlin?

Rimkus: Als stellvertretender Sprecher für Verkehrspolitik werde ich der Sondierer-Gruppe der SPD helfen, gucken, was man machen kann. In Berlin geht es aber aktuell auch um die Erneuerung unserer eigenen Partei.

Und was bedeutet das für Sie als SPD-Parteichef in Düsseldorf?

Rimkus: Wir haben 3200 Mitglieder, 300 neue in diesem Jahr, 100 sind verstorben oder ausgetreten. Ich muss die Partei hier vor Ort führen, die Bundespolitik hier diskutieren. Das passiert in den Ortsvereinen noch ’analog’, wir brauchen aber auch moderne, digitale und schnelle Formate, um unsere Ziele deutlich zu machen. Aber ich brauche Zeit, gute Ideen, wie etwa unsere Vorschläge für eine Steuerreform, an der Basis vorzustellen.

„Gro-Ko“ war das Wort des Jahres 2013, die Gesellschaft für deutsche Sprache hat sich in diesem Jahr für „Jamaika-Aus“ entschieden. Eine treffende Wahl?

Rimkus: Das mit der Gro—Ko wusste ich gar nicht. Aber generell tue ich mich mit solchen Wort-Ungetümen schwer. Man kann die Farbenlehre betreiben, aber da fand ich den Begriff ’Schwarze Ampel’ bezeichnender, das war es wirklich. Oder auch „Schwampel“: Das klingt wie ein komischer Pilz, den man nicht auf dem Teller haben will.

Und dann gibt es ja auch noch die „Ampel“, die Kooperation Ihrer SPD, Bündnis 90/Grünen und der FDP, die im Düsseldorfer Rathaus das Sagen hat. Wie klappt’s denn mit diesem Bündnis?

Rimkus: Der gerade verabschiedete Haushalt für 2018 zeigt, dass wir da stabil arbeiten. Die Ampel hält sich zurück mit überbordenden Anträgen, investiert richtig und nachhaltig in Schulbauten, in die Kitaversorgung und Kulturbauten. Die Ampelpartner agieren sozial und kultivieren die Freiheitsliebe der Düsseldorfer.

Es gibt aber Politiker in der Ampel, denen es schwer fällt mit SPD-Oberbürgermeister Thomas Geisel zusammenzuarbeiten. Sie werfen ihm Alleingänge vor, mögen es nicht, wenn er vorprescht.

Rimkus: Politik ist eine Führungsaufgabe und nicht deligierbar. Thomas Geisel ist ein guter Verhandler, er ist antriebsstark, arbeitet sehr stringent, hat Ideen, mit denen er Menschen mitnimmt. Das gelingt ihm mal besonders gut, mal nicht so gut. Und er ist im besten Sinne ins Gelingen verliebt. Das irritiert manche.

Nun ist Ihnen das Lachen nach einem schwierigen politischen Jahr offensichtlich nicht vergangen. Am 6. Januar organisiert die Düsseldorfer SPD ihre erste eigene Karnevalssitzung im Haus der Jugend. Wer hatte die Idee dazu?

Rimkus: Ja, Sitzungen kennt die SPD ja zu genüge. . . Aber eine eigene Karnevalssitzung ist neu. Die Idee dazu hatte ich. Wir machen die Sitzung, die übrigens ausverkauft ist, gemeinsam mit dem jungen Karnevalsverein „Stadtgarde in der Landeshauptstadt Düsseldorf“. Die setzt sich vor allem für die Jugendarbeit ein, deshalb beginnt unsere Sitzung auch schon um 17 Uhr.

Und gehen Sie als Parteichef am Dreikönigstag auch in die Bütt?

Rimkus: Nein, ich werde mich mit Peter Firmenich, dem Präsidenten der Stadtgarde, auf die rote Bank setzen und den Conférencier geben. Zugesagt hat uns schon Jens Singer, der Star der Vorstellabende des Comitees Düsseldorfer Carneval. Er arbeitet ja im Deutschen Bundestag und kommt zu uns mit seinem Programm „Dä Schofför der Kanzlerin“.

Was wünschen Sie sich für sich persönlich und für Düsseldorf für 2018?

Rimkus: Mein persönlicher Wunsch ist, dass es meiner Familie gut geht. Und Düsseldorf wünsche ich, dass es der Stadt weiter gut geht, dass sie so weltoffen bleibt. Natürlich wünsche ich mir auch, dass die Fortuna aufsteigt. Das wär doch was!