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Eine Düsseldorferin kämpft gegen den Müll

Porträt : Eine Kämpferin gegen den Müll

Victoria Blocksdorf ruft einmal im Monat zum großen Reinemachen am Rheinufer auf. Immer mehr Düsseldorfer schließen sich ihr an.

Ein kleines, türkisfarbenes Armband ist Victoria Blocksdorfs ständiger Begleiter. Ein mahnender. Denn auch wenn es ein Erinnerungsstück von einer langen und schönen Reise ist, hat sie es nicht im Souvenirladen gekauft. Es stammt von einem angespülten Fischernetz an einem Strand in Hawaii. Und es erinnert sie daran, wie viel Müll in den Meeren umherschwimmt.

Diese Reise war für die 37-Jährige der Startschuss dafür, sich selbst zu engagieren — gegen die Verschmutzung der Meere und Flüsse. „Auf der Reise gab es viele schöne Erlebnisse. Aber der Müll, der aus dem Meer an die Strände gespült wird, war irgendwie immer präsent“, sagt sie. So wie das Fischernetz, das sie eigentlich vom Strand wegbringen wollte  und am Ende nur das kleine Armband davon lösen konnte.

Wieder zu Hause angekommen, wollte Victoria Blocksdorf, die eigentlich Grafikdesignerin ist, dann vor ihrer eigenen Tür anfangen. „Das Meer fängt ja quasi hier an“, sagt sie. Seit Juli 2018 ruft sie einmal im Monat zum Aufräumen auf. An verschiedenen Stellen wird seitdem gesammelt. Und es kommt immer einiges zusammen — Autoreifen, Einkaufswagen, Liegen, Stühle, aber auch viel Kleinkram, wie Zigarettenstummel und jede Menge Abfall von Grillpartys. Manchmal sind auch Kuriositäten dabei — beim letzten „Cleanup“ am Sonntag haben die Helfer einen zerbrochenen Fußballpokal der Westfalenliga 2015/2016 gefunden.

„Wenn sich viele angemeldet haben, habe ich manchmal schon befürchtet, dass wir nicht genug finden, um alle zu beschäftigen“, sagt sie. Passiert sei das aber nie. Zusätzlich zu den Aufräum-Aktionen organisiert sie Treffen, bei denen die Mitstreiter über Müll und Entsorgung lernen können. „Wir wollen das Bewusstsein stärken“, sagt sie. Unter anderem hätten sie schon eine Entsorgungsfirma in Krefeld besucht, wo sie viel über die richtige Mülltrennung lernen konnten.

Auch wenn vieles von dem Müll, der am Rheinufer landet und angespült wird, offensichtlich mit Absicht, manches auch aus Unachtsamkeit, hinterlassen wurde, sieht Victoria Blocksdorf die Schuld am großen Müllproblem nicht nur beim Verbraucher. „Es wird einfach viel zu viel Plastik produziert“, sagt sie. Dass sich der Gedanke, plastikfrei einzukaufen, langsam immer mehr durchsetzt — auch in Düsseldorf durch Unverpackt-Läden und Befüll-Stationen in manchen Geschäften — sei eine gute Entwicklung. „Man muss die Sache von verschiedenen Seiten angehen“, sagt Blocksdorf.

Grundsätzlich sei Düsseldorf in dieser Sache vielleicht kein Vorreiter, habe kein Alleinstellungsmerkmal. Trotzdem bemerkt Blocksdorf immer mehr Bewegungen, die in die richtige Richtung gehen. Immerhin gebe es den Dreck-Weg-Tag auch schon seit einer ganzen Weile, beim großen Rhein-Cleanup zum World Clean up Day im vergangenen September waren mehr als 1100 Menschen dabei. Und auch lokale Unternehmen unterstützen sie bei ihrem Vorhaben. „Wir bekommen von fast 20 Sponsoren kleine Gutscheine, die wir an die Mithelfer verteilen können“, sagt sie. Eine Kugel Eis, eine Yogastunde oder einen Kaffee für engagierte Müllsammler.

Wann sie sich das nächste Mal aufmacht, weiß Victoria Blocksdorf noch nicht. Wo und wann sie aber mit Freunden, Mitstreitern und mit Müllsäcken und Handschuhen bewaffnet losgehen wird, gibt sie auf der Facebook-Seite der Aktion „Blockblocks Rhein Clean up“ bekannt.