Ein Übungsplatz für die jüngsten Düsseldorfer Radfahrer

Stadtteile : Probefahrt auf dem Übungsplatz für die jüngsten Radfahrer

Pempelfort Noch vor der offiziellen Eröffnung am Anna-Spielplatz geht es mit Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner auf die neue Kurzstrecke in Pempelfort.

Als radelnde Reporterin bin ich an diesem Mittwoch mit Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner verabredet. Weil ich wusste, dass sie fast alle Strecken in der Stadt mit dem Rad erledigt. Und weil sie sich sehr für ein Projekt für die jüngsten Radfahranfänger eingesetzt hat. Dem neuen Übungsplatz auf dem Gelände des Anna-Spielplatzes. Der soll unser Ziel sein.

„Was machen wir, wenn es regnet“, frage ich sie noch ein paar Tage vor unserem Termin, die schlechten Wettervorhersagen im Blick. „Mir ist das egal. Ich habe die entsprechende Ausrüstung“, antwortet Spillner gelassen. Ich besitze die nicht unbedingt. Doch am Ende ist es egal. Wir haben Glück. Erst nach unserer Tour, dann aber sofort, fängt es an zu nieseln.

Spielplatzbetreuer und Erzieher Charles Dietrich wird den Kleinsten ein Radfahrtraining anbieten. Foto: Annic Völkel

Marina Spillner ist die Bezirksbürgermeisterin für den Stadtbezirk 1. Und damit unter anderem für die Stadtteile Stadtmitte und Pempelfort zuständig. In ihrem Bezirk hat sich in den vergangenen Monaten ziemlich viel für Radfahrer getan und für Autofahrer verändert. Deshalb beginnen wir unsere gemeinsame Fahrt zur Annastraße in Pempelfort bereits in der Stadtmitte, Treffpunkt Oper.

Auf dem Radweg entlang der Heinrich-Heine-Allee ist unser erstes Ziel der Hofgarten. Ein Engpass ist der Eingang am Ratinger Tor. Hier fahren viele Radfahrer verbotenerweise auf dem sehr schmalen Bürgersteig, um in den Park zu gelangen. Im Hofgarten selbst laufen noch die Arbeiten an den neuen Wegen. Zu breit, zu dunkel, diese Kritik wurde vor ein paar Wochen laut. Doch nun haben sie eine helle Natursteinsplitt-Schicht bekommen. „Das ist gut bei Hitze und haltbarer“, sagt Spillner und testet den Weg nun erstmals als Radlerin. Die Breite ist angenehm, denn im Park sind viele Spaziergänger, Hundebesitzer, Familien mit Kinderwagen und eben auch Radfahrer unterwegs. Man hat auf den Hauptrouten genügend Platz.

Kaiserstraße: Platz und Sicherheit für Radler und Fußgänger

Wir nähern uns dem neuen Radweg entlang der Kaiserstraße und Fischerstraße. Über diesen wurde jahrelang diskutiert. Erst in jüngster Zeit gab es eine politische Mehrheit im Rathaus, wenn auch erst mal für eine Testphase. Hat die Bezirksbürgermeisterin hier schon viel Kritik von Autofahrern hören müssen? Denn manche berichten davon, dass sie hier stadtauswärts abends in der Hauptverkehrszeit im Stau stehen. Spillner sagt: „Ja, es gibt hier abends einen Stop-and-go-Verkehr, mal auch einen Rückstau, weil den Autofahrern hier nun zwei statt drei Spuren zur Verfügung stehen.“ Für die SPD-Politikerin hebt aber „der Vorteil für Radfahrer und Fußgänger“ das auf. Und von Anwohnern und Geschäftsleuten habe sie ausdrücklich positive Reaktionen gehört: „Früher habe ich sehr viele Klagen bekommen, weil die Radfahrer hier immer auf den Bürgersteigen gefahren sind.“

Nun, trotz des komfortablen Radfahrstreifens, neben dem die Autofahrer an diesem Vormittag übrigens sehr zügig vorankommen, sehen wir dann doch vereinzelt Radfahrer, die die Fußgänger noch ärgern, in dem sie in verkehrter Richtung doch über den Bürgersteig an der Fichtenstraße Fahrt aufnehmen. Spillner findet das auch gar nicht gut, sagt aber: „Vielleicht sind es die Düsseldorfer noch gar nicht gewohnt, direkt neben den Autos zu fahren.“

Deshalb erklärt sie später, beim Abbiegen in den neuen Radstreifen an der Klever Straße, dass sie sich dort die erste Protected Bike Lane, also den von den Autofahrern mit baulichen Elementen abgetrennten Radweg, wünscht. Schon jetzt aber radeln wir sehr entspannt auf dem markierten Weg die Klever Straße und Jülicher Straße bis zur Eulerstraße entlang. Ich fühle mich sicher, der Autoverkehr ist ebenfalls ohne Störungen neben uns unterwegs.

Auf der Eulerstraße fällt der schäbige Radweg auf einem ohnehin sehr schmalen Bürgersteig auf. „Die Bezirksvertretung hat sich hier für ein Tempo 30 ausgesprochen. Dann könnte der Radverkehr auf der Straße geführt werden und die Fußgänger bekämen auch mehr Platz. Noch sei aber nicht klar, ob die Verwaltung das Tempolimit umsetzen werde, sagt Spillner.

Wir erreichen die Annastraße und damit unser Ziel. Das befindet sich auf dem geschützten Anna-Spielplatz gleich neben dem Städtischen Kinderhilfezentrum. Hier ist in den vergangenen Wochen ein kleiner Übungsplatz für Rad fahrende Kinder gebaut worden. Gekostet hat er 15 000 Euro. Die Initiative dazu kam von Marina Spillner. Die 57-Jährige hatte in einem Interview dieser Zeitung gelesen, dass sich der ADFC erhoffte, die Düsseldorfer Radfahrer sollten nachhaltig vom Grand Départ profitieren. Lerke Tyra (ADFC) hatte den Bau eines Radfahr-Übungsplatzes für Kinder vorgeschlagen. Die Bezirksvertretung 1 hatte im Herbst 2017 einen entsprechenden Antrag gestellt. Zumindest für die kleinen Kinder gibt es nun am Rande des Spielplatz eine Kurzstrecke, bei der sie auf Verkehrsschilder (die noch etwas zu hoch hängen) und zwei Zebrastreifen achten können und ebenso einen kleinen Kreisverkehr testen können.

Offiziell wird der Platz für die Kleinsten am 18. Oktober eröffnet. Doch er ist jetzt schon geöffnet und das neue Liebslingsziel des zweijährigen Keno. Der dreht mit seinem Roller hier schon ganz sicher Runde um Runde. Seine Mutter Annika Sundara ist sehr angetan: „Der Übungsplatz ist super, in einem geschützten Raum, eine Hilfestellung für uns Mütter.“

Spielplatz-Radführerschein kann Kinder stolz machen

Glücklich ist auch Charles Dietrich, der seit 23 Jahren als Spielplatzbetreuer und zudem im Kinderhilfezentrum arbeitet. Er selbst ist leidenschaftlicher Radfahrer, bietet seit Jahren auf dem Spielplatz eine kleine Radwerkstatt an und gibt Bobbycars und kleine Räder an die Kinder aus. Dietrich freut sich darauf, den Kleinsten ein Radtraining anzubieten. „Ich überlege, ob ich dann einen Spielplatz-Radführerschein ausstelle, das würde die Kinder bestimmt stolz machen“, sagt er. Leider kann der Erzieher aktuell nicht mit den Kindern und Müttern an den Rädern schrauben oder die Schläuche flicken. Ausgerechnet durch ein Schlagloch auf einem Radweg in einem anderen Düsseldorfer Stadtteil erlitt er eine komplizierte Daumenverletzung.

Marina Spillner erinnert sich, dass sie selbst das Radfahren auf einem Parkplatz in Garath mit ihrem Vater gelernt hat. Der neue Mini-Übungsplatz für die Kleinsten ist aber nur ein Projekt, für das sie sich einsetzt. Sie möchte unbedingt eine größere Fläche für ältere Kinder, die dort mit ihren Eltern das Radfahren im geschützten Raum in der Innenstadt lernen können. Vorgeschlagen hatte sie dazu eine Fläche an der Rotterdamer Straße südlich des Reeser Platzes. Doch weil sich dort eine Wiese befindet, habe die Verkehrsverwaltung dies abgelehnt. Das Thema aber wird die Bezirksbürgermeisterin weiter bewegen.

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