Ein schöner Nachmittag im Eko-Haus in Düsseldorf

Ausflug : Ein schöner Nachmittag im EKŌ-Haus

Wer tiefer in die japanische Kultur eintauchen möchte, muss das EKŌ-Haus in Niederkassel besuchen.

Japanische Kultur ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil Düsseldorfs. Seit 2002 zieht der Japan-Tag jährlich hunderttausende Besucher in die Stadt. Das große japanische Feuerwerk zum Abschluss ist immer ein Highlight. Auch die Anime- und Manga-Convention Dokomi findet jedes Jahr mit einem quietschbunten Programm in Düsseldorf statt. 2019 mit über 50 000 Teilnehmern. An der Uni kann man längst „Modernes Japan“ studieren und nicht zuletzt gibt es rund um die Immermannstraße etliche japanische Restaurants und Geschäfte.

Fernab von all dem bunten und bisweilen lauten Japan, gibt es in Niederkassel einen besinnlichen Ruhepol fernöstlicher Tradition: das EKŌ-Haus der japanischen Kultur. Etwas abseits vom städtischen Treiben liegt die Anlage am Brüggener Weg 6 in Niederkassel. Die Anreise mit der U-Bahn über den Belsenplatz bietet sich an. Entweder läuft man von dort noch fünf Minuten zum Zentrum oder man steigt in einen der Busse zum Niederkasseler Kirchweg. Das EKŌ-Haus ist ein Komplex aus mehreren Gebäuden und einem Garten. Dazu gehören ein buddhistischer Tempel, ein Haus in traditionellem Baustil mit einem Teeraum, ein Ausstellungs- und Vortragsraum, zwei Seminarräume sowie ein Saal für größere Veranstaltungen. Außerdem gibt es in einem zusätzlichen Gebäude, dem Kyōsei-kan, seit 1999 einen internationalen Kindergarten und eine Bibliothek mit Archiv, Leseraum und Gästezimmern. Das Kulturzentrum wurde bereits 1993 eröffnet.

Wer zum ersten Mal das Zentrum besucht, wird am Eingang etwas überrascht sein. Neben einer Eintrittskarte bekommt jeder Besucher nach dem Zahlen ein paar saubere Socken. Das Betreten des japanischen Holzhauses und des Tempels ist nämlich nur ohne Schuhe gestattet. Die Socken zieht man sich über die eigenen, denn das Betreten ist „aus hygienischen Gründen nur auf sauberen Socken gestattet“.

Japanisches Holzhaus

Direkt hinter dem Kassenbereich befindet sich der Eingang zum japanischen Holzhaus. Nachdem die Schuhe ausgezogen und die Socken übergestülpt sind, geht es zunächst in einen Vorraum. In Vitrinen und an Infotafeln kann man sich über Geschichte und Baustil des Hauses informieren. Danach geht es über einen kleinen Gang in den Hauptraum.

In dem Haus im traditionellen japanischen Baustil finden Teezeremonien statt. Foto: Joachim Hennig

Als Maßeinheit für das Haus dienen Tatami. Die Matten aus Reisstroh haben jeweils die Maße 90 x 180 cm. Sie sollen der Größe des Menschen entsprechen und sind von der Größe eines Schlafplatzes hergeleitet. Beide Haupträume des Holzhauses sind mit je acht solcher Matten ausgelegt. Auch die Schiebeelemente der Wände und Türen sind im selben Maß gehalten. Stühle gibt es hier nicht, stattdessen gibt es große Kissen, die um einen niedrigen Tisch am Boden liegen. Hier finden einmal im Monat die Teezeremonien statt.

Buddhischer Tempel

„Bitte bewahren Sie Ruhe!“ - In den Tempel darf man nur auf Socken. Foto: Joachim Hennig

Nach dem Holzhaus bietet sich ein Besuch des Tempels an. Da kann man die Schuhe auch gleich auslassen, denn auch hier gilt: nur auf Socken betreten. Der buddhistische Tempel ist das größte Gebäude des Zentrums, auf einem kleinen Hügel gelegen. Man betritt ihn durch einen unscheinbar wirkenden Gang hinter dem Haupteingang.

Der prächtige Altarraum im buddhistischen Tempel. Foto: Joachim Hennig

Am Eingang weist ein Schild auf Deutsch und Englisch auf das Schuhverbot hin, außerdem werden die Besucher darauf hingewiesen, dass der buddhistische Tempel ein Ort der Stille ist: „Bitte bewahren Sie Ruhe!“ Beim Eintreten steigt direkt der Duft von Räucherstäbchen in die Nase.

Der quadratische Raum ist mit mehreren Reihen Klappstühlen eingerichtet, alle sind zum Altar gerichtet. Der prächtig golden verzierte Altarraum befindet sich auf der rechten Seite hinter der Eingangstür und füllt die gesamte Breite des Raumes aus.

In der Mitte steht die Holzplastik eines Buddha Amida. Der Nebenaltar rechts zeigt das Bildnis von Shinran, der im 13. Jahrhundert die Lehre des Buddha Amida – des „Reines-Land-Buddhismus“ – in Japan stark prägte.

Der Nebenaltar links zeigt das Bildnis Rennyos, der im 15. Jahrhundert als Oberhaupt des Shin-Buddhismus eine wichtige Rolle spielte. Im rechten Nebenraum befindet sich eine Hängerolle mit einem Bildnis des Prinzen Shōtoku.

Das EKŌ-Haus im Sommer. Foto: nn

Über der Schranke zum Altarraum stehen die beiden Schriftzeichen „E-KŌ“. Sie bedeuten „sanfter Glanz“ oder „schenkendes Licht“ und sind aus einer Textpassage zum Preis des Lichtes Amidas in einer der drei Grundschriften des Reine-Land-Buddhismus entnommen.

Im Untergeschoss des Tempels liegt noch ein weiterer Saal mit veränderbarem Altar, in dem auch Zeremonien und Übungen anderer buddhistischer Schulen durchgeführt werden können.

Tempelgarten

Wenn man den Tempelgarten betritt, fällt sofort auf, dass der Flusslauf, der Teich und der Wasserfall nicht mit Wasser gefüllt sind. Es ist ein sogenannter Trockengarten. Alles Wasser wird mit Steinen dargestellt. Nur zu besonderen Anlässen wird der Wasserbereich mit „echtem“ Wasser geflutet. Im restlichen Jahr bleibt es dort trocken. Darüberhinaus bietet der kleine Garten viele liebevolle Details, für die man sich als Besucher Zeit nehmen sollte. Ein Glockenturm mit einer Bronzeglocke, die zu besonderen Anlässen geläutet wird, kleine Brücken und das etwas versteckte Standbild von Prinz Shōtoku Taishi sind nur einige der Höhepunkte.

Ausstellung

Im EKŌ-Haus werden auch immer wieder wechselnde Ausstellungen gezeigt. Aktuell, noch bis zum Sonntag, 8. Dezember, sind im Foyer „Tusche-Spuren eines Zen-Priesters“ zu sehen. Die Tusche-Malereien sind von Kishida Tekkan. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.Tempel und Holzhaus kosten Eintritt (siehe obenstehenden Kasten).

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