Ein Pianist mit etwas zu viel Anschlagsseligkeit

Ein Pianist mit etwas zu viel Anschlagsseligkeit

Bei dem Konzert in der Reihe „Weltklassik“ in den Räumen von Rehbock Pianos überzeugt der Pianist Timur Gasratov.

Bei reißerischen Veranstaltungsnamen ist auch in der klassischen Musik Vorsicht geboten. Oft steckt hinter vollmundigen Werbebotschaften nicht die versprochene Qualität. Doch bei dem suggestiven Namen der Reihe „Weltklassik“ entpuppt sich das, was sich hinter dem Etikett verbirgt, erfreulicherweise als authentisch. „Weltklassik am Klavier“, so der volle Name, bringt Pianisten mit beachtenswerter Qualität in mittlere und kleine Kammermusiksäle. So auch in Düsseldorf.

Hier im hinteren Teil des traditionsreichen Pianofachgeschäfts „Rehbock Pianos“ an der Berliner Allee, das einen durchaus nostalgischen Charme der 60er Jahre in den Knochen trägt. Dort, zwischen all den zum Verkauf stehenden Instrumenten, konzertierte nun der 1979 im ukrainischen Odessa geborene Pianist Timur Gasratov mit einem reizvollen aber etwas eigenwilligen Programm. Beethovens Bagatellen und Etüden von Skrjabin. Teils hochkonzentriertes musikalisches Elixier, das wohl dosiert werden muss. Die auf kleinstem Raum verdichteten „Stückchen“ Beethovens aus dem op.33, op. 119 und op. 126, bergen trotz ihrer beiläufigen Anmutung viele interpretatorische und technische Stolpersteine in sich. Eine perfekt balancierte Akkuratesse ist unerlässlich, um die auf kleinem Raum entsprießenden musikalischen Ideen zu entfalten. Wobei hier Akkuratesse nicht lediglich technische Perfektion bedeutet, sondern das Treffen des richtigen „Tones“: der im Stück liegenden Idee.

Dies gelingt Gasratov bis auf wenige Ausnahmen überzeugend. Indes ist seine Klangwelt durchdrungen von einem ästhetischen Ideal, dass sich bei Skrjabin noch besser zu Fügen scheint als bei dem Wiener Klassiker. Etwas zu viel Pedal, zu viel romantisierende Anschlags-Seligkeit, die zu einem zwar glänzenden, aber auch mal übersättigten Klangeindruck führt. Gasratov liebt es, seiner Klanggebung viel Gewicht zu verleihen. Insbesondere bei Skrjabins Etüden (op.2, op.8. und op. 42) steigert er sich in übermäßige Kraftentfaltung.

So hartes Fortissimo, dass man fast Mitleid mit dem Instrument bekommt, muss begründet sein. Bei ihm wird es nahezu zum Normallfall. Wieso er just den kompakteren Yamaha-Flügel aus der Kollektion des Hauses für seinen Auftritt aussuchte und nicht etwa den Blüthner Konzertflügel, der neben einem Steinway bereitstand, bleibt ein Rätsel. Das zweifelsohne schöne Instrument war mit seiner Wucht bisweilen offensichtlich überfordert. Doch Gasratovs Spiel zeichnet sich nicht nur durch an rohe Gewalt grenzende Kraft aus, blieb dies auch eindrücklich in Erinnerung. Filigraneren Duktus bietet er seinen Zuhörern bei Bedarf auch. Wenngleich er hier für mancherlei Geschmack wohl zu sehr auf die Hilfe des „Una corda“ Pedals (das Linke, mit dessen Hilfe der Klang leiser, bzw. schmaler wird) angewiesen zu sein scheint. Trotzdem ein Klavierabend auf hohem Niveau.