Ein Pannenhelfer für die Straßenbahn

Ein Pannenhelfer für die Straßenbahn

Neu im Rheinbahn-Fuhrpark ist ein zwölf Tonnen schwerer Unimog für Not-Einsätze.

Auf dem Betriebshof in Düsseldorf-Heerdt hatte der Nachfolger des ausgemusterten Bergungsschienenfahrzeugs seinen ersten Einsatz: Eine S-Bahn ist entgleist! Sie muss zügig abgeschleppt werden.

Zum Glück nur ein simuliertes Szenario, bei dem der neue Alleskönner — ein zwölf Tonnen schwerer, signalroter Unimog — „zeigen“ kann, was er drauf hat. Mithilfe einer Hydraulikpumpe und eines Hydraulikhebers, die im neuen Fahrzeug einfacher und schneller über eine Ladeboardwand zum Einsatz kommen, wird die Bahn wieder im Gleis platziert. Ferdi Caspers, Leiter der Drehgestellwerkstatt berichtet: „Ein Einsatz bei einer Entgleisung, die sich pro Jahr zwischen 14 bis 16 Mal ereignet, kann zwischen 15 bis 20 Minuten bis hin zwei Stunden dauern.“

Im nächsten Arbeitsschritt wird dank einer ausfahrbaren Schienenfahreinrichtung aus dem Unimog ein gleistaugliches Fahrzeug. Statt eines Abschleppseils kommt eine zwei Meter lange Abschleppstange zum Einsatz, und mühelos zieht das 238 PS starke Fahrzeug den gut 40 Tonnen schweren Zug hinter sich her. Mit dem „Neuen“, der auch Personen bergen kann, ist aber auch eine Vorort-Reparatur möglich. Für seinen Vorgänger, Jahrgang 1987, 125 PS stark und vier Tonnen leichter, ist nach 30 Dienstjahren Schluss.

Das Fahrzeug hat bei hunderten Entgleisungen und Schleppeinsätzen wertvolle Dienste geleistet. Ferdi Caspers erzählt: „Wir haben zwischen 140 bis 160 Einsätze im Jahr, davon 14 bis 16 Entgleisungen.“ Die Ursache für eine Entgleisung ist vielen Fällen ein Unfall durch Linksabbieger oder Fremdkörper in der Schiene. „Häufig sind die Gründe aber auch unklar“, so Caspers. Eine der aufwändigsten Einsätze hatte das Altfahrzeug im Rahmen eines schweren Unfalls in einem Tunnel, bei dem es vor gut zehn Jahren zu einer Entgleisung kam, als eine Bahn gegen einen Pfeiler kollidierte. Das noch funktionstüchtige Fahrzeug wird Einsätze im Wintereinsatz fahren, bevor es im Oldtimer-Fuhrpark der Rheinbahn einen Ehrenplatz erhält. Übrigens: Bis zu dessen Inbetriebnahme setzte die Rheinbahn in der Landeshauptstadt bei Unfällen und Entgleisungen von Bahnen und Bussen einen Kranwagen ein.

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