Ein neues Prachtensemble am Schloss Eller

Ein neues Prachtensemble am Schloss Eller

Die Fassaden der Marstallgebäude sind frisch saniert. In den nächsten Monaten gibt es neue Nachbarn am Eller Schloss.

Düsseldorf. Die Kulisse am Schloss Eller ist gerettet. Die Wirtschaftsgebäude und das Bootshaus auf der gegenüberliegenden Seite des Hauptgebäudes sind nicht länger eine hohle Attrappe, hinter der sich Schutt, ramponiertes Mauerwerk und halbgefüllte Müllcontainer breitmachen. Der Satz, dass die Fassade hui, das Innere pfui sei, gehört der Vergangenheit an. Schon bald kommt Leben hinter die historischen Mauern. Bis Ende des Jahres sind die ersten zehn von 13 Wohnungen fertiggestellt. Überall riecht es nach frischer Farbe und Eichenholz. Wo man früher kaum eintreten wollte, so eklig sah es aus, laden jetzt verputzte Wände, Eichenholzbalken, moderne Kacheln und Details wie ein Stützbalken als Handlauf ein. Die WZ ließ sich vom Investor Rolf Heitkamp durch die Anlage führen.

Heitkamp machte sofort klar: „Alles ist mit der Denkmalbehörde abgestimmt. Zum zarten Hellgelb des Schlosses gesellt sich das etwas dunklere Gelb an den Nebengebäuden. Die Holzschnitzereien in der Fassade sind teilweise neu eingesetzt und mehrmals im dunklen Braun gestrichen. Der Sandstein ist gesäubert und gestrichen.“

Von weitem grüßt der Rundturm als strahlendes Wahrzeichen im Park. Alle Schieferdächer sind inzwischen wasserdicht. Die Eingangstüren sind aufgearbeitet oder ausgetauscht. Einige Fenster durften in Abstimmung mit dem Denkmalamt tiefer gezogen werden, so dass mehr Licht in die Zimmer kommt. Die lange Loggia mit der Holzdecke wirkt bewusst altertümlich. An einigen Stellen wird weiterhin repariert. Im ehemaligen Bootshaus etwa streichen Handwerker das Treppenhaus oder setzen eine Treppe ins Dachgeschoss.

Investor Heitkamp kommt aus der Bekleidungsbranche, aus der er im richtigen Moment ausgestiegen ist, um sich den alten Gebäuden zu widmen. Kurz nach der Wende fing er an, bei Dresden die erste historische Immobilie zu revitalisieren. 2008/9 wurde man hierzulande auf ihn aufmerksam, als er das alte Dominikanerinnen-Kloster in Erkrath mit seiner Lebensgefährtin kaufte und sanierte, damals Hand in Hand mit der Denkmalbehörde in Mettmann.

Die Verhandlungen mit der Stadttochter IDR als Eigentümerin in Eller starteten 2015 und endeten 2016 mit der Unterschrift.

Heitkamp hat einen Erbpachtvertrag, der mit Verlängerung bei 99 Jahren liegt. Er zahlt Erbpachtzinsen, auf die die Stadt allerdings in den ersten Jahren verzichtet. Die Höhe der Pacht nennt er nicht, denn andererseits steckt er einige Millionen Euro in die Sanierung, die 2018 mit dem Umbau des ehemaligen Pferdestalls abgeschlossen sein wird.

Die neuen Schlossbewohner haben nichts mit den einstigen Bediensteten gemein. Ihre Miete liegt bei circa 14 Euro pro Quadratmeter. Die meisten Häuser haben Wohnflächen von 200 Quadratmetern, Kleinwohnungen sind die Ausnahme. Ein Verwalter zieht ein, der auch andere Objekte betreut. Heitkamp aber schaut schon nach der nächsten Immobilie aus, denn für ihn steht fest: „Mich begeistert die Geschichte eines Gebäudes. Es hat mehr zu sagen als ein Betonneubau.“

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