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Ein Joint weniger statt Totalentzug

Ein Joint weniger statt Totalentzug

Die Drogenhilfe bietet einen Kurs für Menschen, die weniger kiffen oder koksen wollen. Jeder legt seine Ziele selber fest.

Düsseldorf. Michaela Rother (Name geändert) hatte schon mit 14 Jahren mit dem Kiffen angefangen, später mit einigen anderen Drogen Erfahrungen gemacht. Jetzt war sie 25, rauchte täglich ihren ersten Joint nach dem Aufstehen und noch einige weitere im Laufe des Tages. Arbeit hatte sie keine.

Inzwischen hat die junge Frau zwar nicht mit dem Kiffen aufgehört, aber die Tagesmenge etwa halbiert. Zudem hat sie einen Ausbildungsplatz gefunden. Geholfen hat ihr dabei ein Kurs, den sie bei der Drogenhilfe gemacht hat. Kiss nennt sich das Angebot, die Abkürzung steht für „Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum“, was so viel heißen soll wie: mehr Kontrolle über den Drogenkonsum gewinnen und ihn dabei herunterfahren.

In den beiden Vorjahren gab es das Angebot schon einmal als Kurs in Kleingruppen, im Februar startet das nächste Angebot. Beraterin Kathleen Otterbach hat solche Kurse geleitet und weiß, dass die Zielgruppe auch in Düsseldorf groß ist. Vor allem Menschen, die Kokain, Amphetamine oder Haschisch nehmen, interessierten sich bisher für das Programm.

Den Gedanken hinter dem Ansatz bringt Otterbach so auf den Punkt: „Es geht um eine realistische Zielsetzung.“

Totaler Verzicht auf ihre Droge sei für viele sehr schwer vorstellbar. Andererseits habe der Konsum oft weitreichende — unerwünschte — Folgen für den Alltag, etwa für die Freizeitgestaltung. Das Klischee vom zu Hause hockenden Kiffer, der sein soziales Leben vernachlässigt, ist nach Otterbachs Einschätzung nicht so unrealistisch.

Der aktuelle Kurs startet voraussichtlich nächsten Montag oder eine Woche darauf, es sind noch Plätze frei. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine gewisse Verbindlichkeit sei aber beabsichtigt. Wer mitmacht, sollte vorher idealerweise noch zwei Vorgespräche führen, damit beide Seiten wissen, was auf sie zukommt.

Zu Beginn der Abende formulieren die Teilnehmer dann ihre Ziele für die nächste Woche und berichten, wie sie sich in den vergangenen sieben Tagen geschlagen haben. Jeder führt ein Konsumtagebuch. Dazu gibt es immer ein Tagesthema. Da reden die Teilnehmer etwa darüber, in welchen Situationen sie typischerweise zur Droge greifen. Bei den einen sei es schlicht die Langeweile, bei anderen der Versuch, nach einem stressigen Arbeitstag wieder runterzukommen.

„Wir ermuntern die Leute, stattdessen sich zu bewegen, Sport zu treiben. Wir raten auch Aktivitäten bewusst zu planen, sich zu verabreden, damit es nicht beim Vorhaben bleibt“, sagt Kathleen Otterbach.

Wenn es jemand schafft, seinen Konsum zu reduzieren, ist das laut Otterbach „schon ein Riesenerfolg“. Dabei seien die Ziele ganz unterschiedlich. Die einen versuchten, ihre Tagesdosis etwas zu reduzieren, anderen gehe es um einen oder mehrere drogenfreie Tage in der Woche. So gebe es auch keinen typischen Teilnehmer solcher Kurse, es gehe durch alle Milieus. Gemein sei den meisten aber: Sie greifen schon seit Jahren zu Drogen, haben schon erfolglos versucht, davon wegzukommen.

Der Kurs könne ihnen nun helfen, einen erfolgreichen ersten Schritt zu machen. Wer später ganz aufhören wolle, dem werde auch dabei geholfen.