Ein Düsseldorfer Unternehmen setzt auf Mütter

Beruf und Familie : Ein Unternehmen setzt auf Mütter

Unternehmenschefin Simone Thedens nahm früher ihren Sohn mit ins Büro, auch angestellten Müttern bietet sie viel Flexibilität.

„In Deutschland dürfen Sie einen Hund oder eine Katze haben, wenn Sie eine Wohnung oder eine Arbeit suchen, aber Sie dürfen kein Kind haben“, sagt Sandra Frank. Die Alleinerziehende hat diese Erfahrung gemacht, als sie keinen Job fand, weil sie ein Kind hatte. Bis 2010 war Sandra Frank zwanzig Jahre im äthiopischen Konsulat tätig. Nachdem es in Düsseldorf geschlossen wurde, hätte sie nach Frankfurt oder Berlin umziehen müssen. „Ich habe ein halbes Jahr lang einen Job gesucht. Das war schon eine lange Zeit für mich“, sagt Sandra Frank. Ihre Tochter war damals dreieinhalb.

Seit 2011 arbeitet Sandra Frank als Buchhalterin für die Thedens GmbH. Der Düsseldorfer Familienbetrieb mit 65 Mitarbeitern hat sich auf Karosseriebau und Lackierungen von PKW spezialisiert. Den Job bei Thedens bekam sie, weil Simone Thedens vor 17 Jahren in das Unternehmen eingestiegen war, das ihr Vater mit ihrem Onkel und ihrem Großvater gegründet hatte. „Ich wollte nicht mit Mitte 40 den Betrieb übernehmen, sondern bereits vorher selbst mitgestalten“, sagt Thedens, die als Geschäftsführerin das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Vater leitet.

Als die Verwaltung erweitert wurde, konzentrierte sich Thedens auf Mütter und kontaktierte Sandra Frank, die ein Stellengesuch aufgegeben hatte: „Ich habe mir überlegt, dass ich als Mutter wahrscheinlich keinen Job bekommen würde.“ Als Chefin eines Unternehmens hatte sie die Freiheit, die Betreuung ihres Kindes selbst zu gestalten: Ihren Sohn nahm sie anfangs mit ins Büro, wo er im Laufstall spielte. „Ich habe durchgearbeitet und 2006 gab es keinen U3-Platz für ihn“, sagt Thedens, die damals schon die Arbeit im Home-Office vorbereite. Als ihr Sohn anfing zu sprechen, wurde er in einem privaten Kindergarten betreut.

Unterstützung suchte sich Thedens bei anderen Müttern aus der Kita, man half sich gegenseitig. „Man muss sich einen Background aufbauen“, sagt sie. Ihr hilft zudem, dass ihr Mann seit elf Jahren auch bei Thedens arbeitet. „Wenn er woanders arbeiten würde, wäre unklar, ob wir Aufgaben so aufteilen könnten, wie wir es jetzt tun.“

Nicht nur Simone Thedens hatte den Wunsch zu arbeiten, aus ihrem Bekanntenkreis weiß sie: „Die meisten Frauen wollen gar nicht zu Hause bleiben.“ Doch die Betreuungssituation mache es vielen Müttern schwer. „Wenn die Kita um 16.30 Uhr schließt, reicht das für viele Arbeitnehmerinnen nicht“, sagt Thedens. Gerade die, die einen längeren Fahrtweg haben, weil sie aus Essen oder Duisburg kommen, seien häufig abgehetzt. Auch was die Betreuungssituation in der Schule angeht, spricht sie von einem „Entwicklungsland“. „Wir haben total viele gut ausgebildete Frauen, deren Potenzial wir nicht nutzen“, sagt Thedens. Sie zieht aber auch eine klare Grenze: Unternehmer könnten mit zusätzlichen Betreuungsangeboten nicht auffangen, was der Staat versäume. „Als Mittelständler kann man keine Kinderbetreuung stemmen. Dafür sind die Auflagen zu hoch.“

Anderen Unternehmern rät sie, mutiger zu sein. Sie habe auch mit ihrem Vater Diskussionen gehabt, weil er meinte, Mütter fehlen oft, weil die Kinder ständig krank seien. „Die Mütter, die sich bewusst dafür entscheiden zu arbeiten, haben alles organisiert“, sagt Thedens. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen mit Kindern anbieten, flexibel zu arbeiten.“ Eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung arbeitet von zu Hause, um administrative Tätigkeiten zu erledigen. In der Werkstatt gibt es alleinerziehende und in Trennung lebende Väter, die „verschiedene Arbeitszeitmodelle fahren“, so Thedens. Und Sandra Frank verteilt ihre 30 Stunden so, wie sie es braucht, dabei wird der Samstag mit eingebaut. „Es war nie ein Problem, meine Tochter mitzubringen, wenn die Schule spontan ausgefallen ist,“, sagt Sandra Frank.

Auch in den Ferien kommt ihre Tochter gerne mit in die Werkstatt. Sie übernimmt dann Botengänge oder kocht Kaffee. Sandra Frank ist dankbar, weiß aber auch genau, worauf es ihrer Chefin ankommt: „Für Frau Thedens ist nur wichtig, dass am Ende die Stundenzahl stimmt.“

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