Ein Düsseldorfer lebt für die Kirchenmusik

Porträt : Ein Leben für die Kirchenmusik

Kantor Thorsten Göbel hat viel für die Orgelmusik in Düsseldorf getan. Jetzt geht er.

Die Kirchenmusik hat in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel einen hohen Stellenwert. Und daran hat Kantor Thorsten Göbel seit 17 Jahren mit seiner Chor- und Orchesterarbeit und mit seinen Orgelkonzerten einen großen Anteil. Im Oktober verlässt der Kirchenmusiker Düsseldorf und geht nach Meißen in den Osten Deutschlands, wo er eine Stelle als Domkantor  im Hochstift antritt.

Am Sonntag, 15. September, feiert Göbel seinen Abschied in einem Gottesdienst mit Kantorei und Schola in der Auferstehungskirche, Arnulfstraße 33. Es erklingen Motetten, die die Kantorei bei einer ihrer Chorreisen zum Beispiel nach Lübeck, Berlin und Barcelona einstudiert hat. Prädikantin Brita Siebke-Holzapfel hält Liturgie und Predigt. Beginn ist um 11 Uhr. Am 5. Oktober folgt dann noch ein Abschiedskonzert. Unter seiner Leitung wird Edward Elgars Oratorium „Die Apostel“ in der Auferstehungskirche aufgeführt.

Kirchenmusik ist Göbels Leben. Seine Eltern erkannten schon früh bei ihrem Kind eine Hochbegabung auf musikalischem Gebiet und förderten es.  Mit 13 Jahren bekam er seinen ersten Orgelunterricht, später folgten Gesangsstunden. „Und dann kam der Tag, da wusste ich, dass ich Kirchenmusiker werden wollte“, sagt Göbel. Sein damaliger Musiklehrer in der Mittelstufe seines Gymnasiums in Idstein im Taunus präsentierte in einem Tafelbild das Thema „Orgelbau und Instrumentenkunde“. Göbel war so fasziniert von diesem Instrument, dass er sich samstags morgens den Schlüssel der Pfarrerin der Kirche in der Nachbarschaft lieh und stundenlang die Orgel erforschte und spielte.

Nach dem Abitur folgten ein Musikstudium in Valence in Frankreich in den Fächern Tuba und Gesang, später dann ein Orgelstudium beim  Titularorganisten an der Kathedrale Valence und ein Studium der Evangelischen Kirchenmusik ab 1996 an der Musikhochschule Würzburg. Zusätzlich qualifizierte sich der 43-Jährige im Fach Dirigieren und Orchesterleitung.

Seit Juli 2002 hat Göbel als Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel das Musikleben im linksrheinischen Düsseldorf entscheidend mitgeprägt. Er rief die Konzertreihe „Oberkasseler Orgelfrühling“ ins Leben  und konnte für die Orgelkonzerte zwischen Ostern und Pfingsten Organisten aus der ganzen Welt gewinnen. Der Konzertreihe in der Auferstehungskirche folgen die „Sommerlichen Orgelkonzerte“ in der Neanderkirche, das Internationale Orgelfestival im Herbst, das Lunchtime-Orgelkonzert-Angebot der Johanneskirche und die winterlichen Orgelkonzerte der katholischen Kirche. „Am Anfang stand die Vision, dass in der Landeshauptstadt ganzjährig jede Woche irgendwo ein Orgelkonzert zu erleben sein soll“, sagt Göbel.

Mit der Kantorei und der Schola verwirklichte er zahlreiche Chorprojekte, zum Beispiel die Tangomesse von  Martin Palmeri. „Beim Tangokonzert 2012 war eine ganz besondere Atmosphäre in der Kirche zu spüren. Viele Mexikaner und Spanier und Porteños, die in Düsseldorf leben,  saßen im Publikum und bekundeten ihr Gefallen an dem Konzert auf Spanisch“, erinnert sich Göbel.

„Chorarbeit liegt mir am Herzen. Dieser Moment, wenn wir intensiv geprobt haben und dann mit dem Orchester zusammen auf die Zielgerade kommen, ist ein ganz besonderer. Dann erleben die Choristen und ich die Musik noch mal neu“, sagt der Kantor, der auch Kinderchöre im Rahmen der Offenen Ganztagsschule in der  benachbarten Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule leitet.

Während seiner Zeit in Oberkassel hat Göbel, der sich als Orgelsachverständiger fortgebildet hat, mehrere Bau-und Umbauprojekte begleitet: Darunter der Neubau der Truhenorgel 2011 und den Einbau und die Umgestaltung der Barockorgel im Festsaal der Auferstehungskirche sowie den Orgelneubau der Europa-Orgel „Felix Mendelssohn“ 2004 und die Festsaal-Renovierung 2016.

Seit 2007 ist Göbel außerdem Landtagsorganist. „Die Landtagsabgeordneten kommen einmal im Monat zur Plenumswoche zusammen. Dann findet immer donnerstags um 9 Uhr eine Andacht statt, die ich musikalisch begleite. Vorher gibt es ein gemeinsames Frühstück“, sagt Göbel, der die Gespräche mit den Ministern und Abgeordneten beim Frühstück schätzen gelernt hat.

Ein bisschen Wehmut ist im Spiel, wenn Thorsten Göbel Oberkassel im Oktober verlässt. Aber auch ganz viel Vorfreude auf seine neue Stelle im Hochstift Meißen, eine der ältesten Institutionen Sachsens, 968 gegründet. „Das ist eine große Herausforderung und Verantwortung für mich als Domkantor“, sagt er. Pläne gibt es schon genug. dpa

(Red)
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