Ein anderer Blick auf die Bahnhofsgegend

Ein anderer Blick auf die Bahnhofsgegend

Am Sonntag endet das Projekt „Von fremden Ländern in eigenen Städten“ mit Kunst und Kultur rund um den Hauptbahnhof. Am beliebtesten ist der Beulenmann.

Düsseldorf. Das interdisziplinäre Großprojekt von Markus Ambach rund um den Hauptbahnhof, „Von fremden Ländern in eigenen Städten“, endet am Sonntag. Unzählige Menschengruppen, darunter auch Museumsleiter, sahen sich an den 18 Standorten um. Sie erlebten Kultur hautnah. Alle machten auch finanziell mit, die Kunststiftung, die Stadt, das Schauspielhaus und viele Künstler. Bevor Ambach heute die Kunstsammlungs-Chefin Susanne Gaensheimer führt, zog er im Gespräch mit der WZ Bilanz.

Herr Ambach, wo lag der Erfolg? Wo waren die Flops?

Foto: Katja Illner und Markus Ambach

Ambach: Alle Angebote waren komplett ausgebucht. Wir zählten 10 000 Besucher. Aber durch den Hauptbahnhof gehen täglich 300 000 Menschen und am Busbahnhof warten 50 000 Fahrgäste, die sich auch die Kunst angeschaut haben. Die Leute waren begeistert.

Foto: Katja Illner und Markus Ambach

Die Migranten reagierten allerdings gelassen oder gar nicht. Andreas Siekmanns Hebebühne mit den Wahlkabinen in der Luft auf dem Lessingplatz interessierte die Marokkaner, die dort leben, herzlich wenig. Was haben Sie daraus gelernt?

Foto: Katja Illner und Markus Ambach

Ambach: Man musste die Leute fragen und ansprechen. Eine polnische Arbeitergruppe hat die Skulptur sogar beschützt. Kein Vandalismus. Alles verlief ruhig über 12 Wochen.

Zwei Cocktailbars, ein afrikanischer Frisiersalon, ein Waschsalon, eine Table-Dance-Bar und eine Extra-Torte in der Konditorei Byzantio gehörten zum Konzept. Was wollten Sie damit?

Ambach: Wir wollten neben der Kunst auch die Qualitäten des Viertels zeigen, die herausragenden Akteure vorstellen und die Bürger hinführen. Viele waren noch nie in diesem Viertel und fanden es super.

Markus Ambach, Projektleiter

Katharina Sieverding lässt ihre Bilderleiste länger hängen. Gibt es irgendetwas, das bleibt? Für 700 000 Euro hätte man doch etwas Nachhaltiges schaffen können?

Ambach: Über den Verbleib von Kunst muss die Stadtgesellschaft entscheiden. Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die der Kunstkommission. Wir haben das Projekt als temporär geplant. Aber natürlich ist der Beulenmann sehr beliebt. Katharina Sieverdings Arbeit bleibt erst einmal für ein Jahr. Das gilt auch für John Millers Texte am Postgebäude.

Es gab viele Diskussionen. Ist dabei etwas Konkretes herausgekommen?

Ambach: Es gab einen planerischen Rundgang, der wichtig war. Man könnte zum Beispiel über den Mintropplatz gemeinsam nachdenken, der neu gestaltet werden soll. Wichtig ist auch die Frage, wie man die Ellerstraße nach vorn bringt. Die wurde ja durch die Razzien verunglimpft. Und jetzt sieht man, wie spannend der Stadtteil ist.

Gibt es Chancen, den Kulturstandort rund ums KAP 1 weiter zu entwickeln? Was sagen der Investor der alten Post, der Schauspieldirektor, der Oberbürgermeister?

Ambach: Wilfried Schulz ist super-engagiert. Wenn das KAP 1 ein Zentrum werden soll, müsste man das Umfeld mit einbeziehen und über die Planung gemeinsam nachdenken.

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